Photovoltaik-Carport-Projekte: Zusammenspiel aller Bauteile im Gesamtsystem entscheidend

Ein Photovoltaik-Solar-Carport unter dem vier Autos stehen.Illustration: Pillar
Betonfreiheit ist nicht nur ein ökologischer, sondern auch ein planerischer und konstruktiver Vorteil.
Der Markt für Photovoltaik-Anlagen auf Parkplätzen entwickelt sich langsamer als politisch erwartet. Viele Projekte scheitern laut dem Anbieter Pillar, weil Lastannahmen, Tragwerkskonzept und Gründung nicht sauber aufeinander abgestimmt sind.

Millionen Quadratmeter versiegelter Parkflächen bleiben energetisch ungenutzt. Der Markt dafür entwickelt sich langsamer als politisch erwartet. In der Praxis scheitern viele Photovoltaik-Carport-Projekte nicht am Solarmodul, sondern an der Tragwerkskonstruktion und der Kombination der Systeme. Wenn es funktionieren soll, müssen Fundamentierung, Stahlbau, Lastabtragung und Genehmigungsstatik als Einheit gedacht werden, so Vasyl Betsa, Gründer und Geschäftsführer des Solarcarport-Anbieters Pillar. „Viele unterschätzen, dass ein Solarcarport kein Modul-, sondern ein Tragwerksprojekt ist“, sagt Betsa. „Die eigentliche Herausforderung liegt in der Konstruktion als Gesamtsystem – vom Dach über die Stahlstruktur bis in den Boden.“

Schneelast, Windlast, Bodenklasse: Warum Standardlösungen nicht funktionieren

Deutschland zählt zu den statisch anspruchsvolleren Märkten in Europa. Unterschiedliche Schneelastzonen, teils hohe Windlasten und heterogene Bodenklassen erfordern eine standortbezogene Auslegung. Gleichzeitig arbeiten viele Anbieter mit standardisierten Systemen, die sie für gemäßigte Bedingungen entwickelt haben. Das führt laut Betsa in der Praxis zu zwei Problemen. Entweder sind Projekte überdimensioniert und wirtschaftlich unattraktiv – oder sie scheitern in der Genehmigungs- und Prüfstatikphase.

„Wir erleben regelmäßig, dass Projekte neu gerechnet werden müssen, weil Lastannahmen, Tragwerkskonzept und Gründung nicht sauber aufeinander abgestimmt sind“, so Betsa. „Solarcarports sind keine Leichtbauprodukte. Sie stellen hohe Anforderungen an die statische Aussteifung, die Lastabtragung und die sichere Einleitung der Kräfte in den Baugrund. Wer das nicht ganzheitlich plant, verliert Zeit und Geld.“ Aus Erfahrung spricht der Gründer, weil er seit Jahren Stahlkonstruktionen für Solarcarports mit betonfreier Gründung auf Schraubfundamenten aus eigener Produktion entwickelt. Die Systeme lagt das Unternehmen projektbezogen statisch aus – inklusive individueller Parameter für Tragwerk und Fundament je nach Bodenklasse, Lastzone und Nutzungsszenario. Entscheidend ist dabei nicht die einzelne Komponente, sondern das Zusammenspiel aller Bauteile im Gesamtsystem.

Betonfreie Gründung als struktureller Vorteil von Photovoltaik-Carports

Ein zentrales Element des Pillar-Systems ist die Fundamentierung. Klassische Betonfundamente bedeuten Aushub, Trocknungszeiten, hohe CO₂-Bilanz und erschwerten Rückbau. Zudem verlängern sie Projektlaufzeiten erheblich. Pillar setzt stattdessen auf Schraubfundamente, die man ohne Beton einbringen kann. Sie werden eingedreht, statisch geprüft und können bei Bedarf rückgebaut werden. „Betonfreiheit ist nicht nur ein ökologischer, sondern auch ein planerischer und konstruktiver Vorteil“, so Betsa. „Wir reduzieren Bauzeit, minimieren Eingriffe in bestehende Flächen und schaffen Rückbaubarkeit – ein Aspekt, der für Investoren und Betreiber zunehmend an Bedeutung gewinnt.“ Gerade für Handelsketten, Logistikzentren oder kommunale Betreiber mit laufendem Betrieb sei das ein entscheidender Faktor: Baustellenzeiten verkürzen sich, Parkflächen werden schneller wieder nutzbar, und die Konstruktion bleibt über den gesamten Lebenszyklus flexibler.

Solarcarports als Infrastrukturprojekt – nicht als Zubehör

Mit wachsender Elektromobilität verändern sich zudem die Anforderungen. Ladeinfrastruktur, Speicherintegration und Beleuchtung muss man laut Betsa strukturell mitdenken. Ein Solarcarport wird damit Teil einer ganzheitlichen Energie- und Mobilitätsinfrastruktur – nicht bloß eine Überdachung mit Solarmodulen. „Wer Parkflächen überdacht, schafft nicht nur Energieerzeugung, sondern auch Netzanschlusspunkte, Lastmanagementoptionen und zukünftige Erweiterungsfähigkeit. Die Konstruktion muss diese Entwicklungen über Jahrzehnte tragen können“, sagt Betsa. Neben der Hardware arbeitet sein Unternehmen daher bereits an einer digitalen Planungsplattform, mit der Projektparameter frühzeitig simuliert und kalkuliert werden können. Ziel ist es, Planungszeiten zu verkürzen und Fehlkalkulationen zu reduzieren.

Der politische Druck zur Nutzung versiegelter Flächen wird steigen. Mehrere Bundesländer diskutieren bereits weitergehende Pflichten für Solarüberdachungen auf Parkplätzen ab bestimmten Größenordnungen. Gleichzeitig werden Fördermittel zunehmend an technische und nachhaltige Kriterien gekoppelt. Für Betsa ist klar: „Der Markt wird wachsen. Aber er wird sich professionalisieren. Entscheidend wird sein, wer statisch belastbare, wirtschaftlich durchgerechnete und genehmigungsfähige Lösungen liefern kann.“

Quelle: Pillar | solarserver.de © Solarthemen Media GmbH

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