Solar für die Ukraine: Greenpeace und Biohaus-Stiftung bitten um Spenden
Foto: Greenpeace UkraineSeit 2024 läuft die gemeinsame Kampagne der beiden NGOs. Der Gründer und Vorstand der Paderborner Biohaus-Stiftung, Willi Ernst, erinnert sich: „Der Startschuss war im Herbst 2024, als wir ein Kinderkrankenhaus beliefert haben.“
Inzwischen haben die Kooperationspartner ein Dutzend Transporte mit großen Sattelzügen durchgeführt. Derweil wurden die russischen Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur im Laufe der Zeit immer massiver und Stromausfälle in großen Teilen des Landes sind zum Regelfall geworden.
Erfolge der Initiative “Solar für die Ukraine”
Bislang haben 13 ukrainische Krankenhäuser Solaranlagen von Greenpeace und der Biohaus-Stiftung erhalten, wobei vier Einrichtungen die Systeme bereits vollständig installiert haben. Die Gesamtkapazität all dieser Anlagen beläuft sich auf 881 Kilowatt, und jede Klinik kann damit jährlich zwischen 400.000 und einer Million Griwyjna – also etwa 8.000 bis 20.000 Euro – einsparen.
Konkret produziert beispielsweise die 50-Kilowatt-Anlage im Krankenhaus von Chortkiv für die der Entbindungsstation 30.000 Kilowattstunden pro Jahr. Auf der Infektionsstation sind es weitere 17.000 Kilowattstunden. Dies war das erste öffentliche Solarprojekt in der Ukraine, das von Frauen installiert wurde.
Ähnlich leistungsstark ist die Anlage des Krankenhauses in Nadvirna mit 50.000 Kilowattstunden jährlicher Stromerzeugung. dort sind weitere PV-Paneele geplant, da der Wechselrichter mehr Kapazität verkraftet.
Vom Gebrauchtmodul zur neuwertigen PV-Systemen für die Ukraine
Anfangs sammelte Willi Ernst, gut vernetzter Pionier der Solarbranche, von deutschen PV-Unternehmen gebrauchte, aber funktionsfähige Photovoltaik-Module aus Repowering-Projekten und ließ sie per Lkw in die Ukraine liefern. Heute setzt das Team vorwiegend auf neuwertige Ware. Ernst begründet den Strategiewechsel so: „Wenn ich ein Ü-20-Modul verschicke, dann braucht das auf dem Lkw doppelt so viel Platz wie ein neues Modul für die gleiche Leistung. Es verursacht doppelte Kosten für den Transport benötigt doppelt so viel Untergestell. Deshalb sind wir dazu übergegangen um Geldspenden zu bitten. Dafür kaufen wir jetzt Restposten neuwertiger Module. Kürzlich konnten wir beispielsweise 465 kW nagelneuer Lagerware erstehen.“
Besonderes Augenmerk liegt jetzt auf notstromfähigen Batterie-Wechselrichtern. Damit stellt die Biohaus-Stiftung jeweils Komplettsystemen mit standardmäßig 30-kVA-Wechselrichter-Leistung zusammen, die bis zu 50 Kilowatt Module verkraften. „Wir empfehlen den Krankenhäusern: schließt daran OP und Medikamentenkühlschränke an“, so Ernst.
Krieg und Energiekrise
Polina Kolodiaschna, Leiterin des Greenpeace-Büros in Kiew, unterstreicht die Dringlichkeit: „Wir versorgen Krankenhäuser in der Ukraine in diesen für unser Land so harten Zeiten.“ Laut Greenpeace wurden im Krieg bereits 800 Mitarbeiter des Energiesystems getötet und Hunderte verletzt; das Stromnetz ist hoch belastet und versagt regelmäßig – nicht nur in Haushalten, sondern auch in Schulen und Kliniken.
Für 2026 steht deshalb die Ausrüstung mit Batterien im Vordergrund. „Unser wichtigster Vorsatz in diesem Jahr ist es, die Krankenhäuser mit Batterien auszustatten. 2024 haben wir begonnen, Frauen zu schulen, diese Installationen zu machen“, erklärt Kolodiaschna.
Frauen als Solarpionierinnen in der Ukraine
Denn in der männerdominierten Branche fehlen Fachkräfte. Viele Männer sind verletzt, gefallen oder an der Front. Darum haben Greenpeace und Women in Tech Ukraine die Initiative „Women in Solar“ gestartet: Von März bis Dezember 2025 wurden 30 Frauen aus fünf Regionen ausgebildet – aus 250 Bewerbungen qualifizierten sich 80. Fünfzehn Prozent der Absolventinnen sammelten bereits Praxiserfahrung, und drei eröffneten ein Labor in Charkiw zur solaren Weiterbildung von Frauen und Binnenvertriebene.
„Zusammen mit Biohaus haben wir die Weiterbildungseinrichtungen für PV-Installateurinnen mit Equipment versorgt“, betont Kolodiaschna. Die kostenlosen Kurse verbinden Theorie mit Praxis und zielen auf den nachhaltigen Wiederaufbau ab.
Ziel für 2026: Mindestens 12 Krankenhäuser solarisieren
„Wir bereiten jetzt den nächsten Transport für fünf Städte vor. Wir wollen in diesem Jahr mindestens 12 Krankenhäuser ausstatten. Je nach Spendenaufkommen auch mehr“, plant Willi Ernst. Denn die Nachfrage, die das Kiewer Greenpeace-Büro ermittelt hat, ist riesig: Von 135 Ineressensbekundungen für Solar-Batteriesysteme erfüllen 104 Krankenhäuser die Kriterien.
Weitere Infos zu “Solar für die Ukraine” gibt es unter https://biohaus-stiftung.org
Spendenkonto der Biohausstiftung:
GLS Gemeinschaftsbank eG
IBAN: DE16 4306 0967 4092 8583 00
BIC: GENO DE M 1 GLS
Stichwort: “Solar for Ukraine”
Autor: Guido Bröer | www.solarserver.de © Solarthemen Media GmbH