Modulpreisanstieg vorerst nicht gestoppt
Illustration: KB3 / stock.adobe.comKontinuierlicher Preisanstieg bei Solarmodulen
Im vierten Monat in Folge sind die Modulpreise wieder über alle Technologieklassen hinweg gestiegen. Zwar ist der Anstieg nicht mehr so rasant, wie Anfang des Jahres, aber er konnte auch nicht gestoppt werden. Im Durchschnitt kletterten die Preise von März zu April nochmals um 5,5 Prozent nach oben. Den größten Preissprung haben Full-Black-Module zu verzeichnen. Die Gründe dafür liegen nicht unbedingt auf der Hand, da auf der Produktionsseite eher gegenläufige Trends zu finden sind. Die Preise für Polysilizium beispielsweise befinden sich aufgrund einer schwachen weltweiten Nachfrage seit Wochen im Sinkflug. Auch die Streichung des bisherigen Exportsteuerrabatts durch die chinesische Regierung, die am 1. April diesen Jahres in Kraft getreten ist, sollte seit Monaten bereits eingepreist sein.
Nachfrageboom trotz politischer Unsicherheiten
So muss man sich fragen, was die Preissteigerung Monat für Monat auslöst und wie lange das Spiel noch so weitergehen wird. Makroökonomisch betrachtet ist es die aktuelle Weltlage mit ihren andauernden Krisen, allen voran die aufkommende Energiekrise. Letztere heizt das Interesse an einer unabhängigen Energieversorgung und damit an Photovoltaikanlagen an. Trotz der indifferenten bis kontraproduktiven Signale aus der Politik scheinen sich Bürger und Unternehmer nicht davon abhalten zu lassen, auf Solaranlagen und Energiespeicher zu setzen. Die Auftragsbücher vieler Installateure sind gut gefüllt. Investoren und Projektierer suchen immer neue Wege, Großanlagen auch ohne Förderung und mit drohendem Redispatch-Vorbehalt umzusetzen.
Produktionskürzungen in China verschärfen Angebotssituation
Auf diese nicht zuletzt durch den Iran-Krieg ausgelöste positive Stimmung und wachsende Photovoltaik-Nachfrage trifft jetzt allerdings ein Versorgungsengpass, der durch Produktionskürzungen in China ausgelöst wurde. Die Devise lautete dort bereits Anfang 2026: kein selbstzerstörerischer Preiskampf mehr durch Überproduktion. So motteten viele Hersteller ihre älteren Produktionslinien freiwillig oder unfreiwillig ein, anstatt sie auf neueste Technik umzubauen. Man hört auch, dass viele verbliebene Linien auf Ein- oder Zweischicht-Betrieb heruntergefahren wurden oder ohnehin nur noch auftragsbezogen betrieben werden. Die Zeit, in der Photovoltaikmodule auf Verdacht nach Europa geliefert wurden und sich containerweise in Rotterdam stapelten, scheint endgültig vorbei zu sein.
Lieferketten unter Druck – steigende Preise und längere Wartezeiten
Stattdessen kommen Module nur noch auf Bestellung beziehungsweise innerhalb der vertraglich abgesicherten Mengen in unseren Gefilden an. Dementsprechend lässt sich eine sprunghaft angestiegene Nachfrage auch nicht so einfach bedienen. Daraus resultieren längere Wartezeiten und – der freien Marktwirtschaft geschuldet – auch immer höhere Abgabepreise. Da im Kleinanlagensektor mittlerweile aber fast ausschließlich rein schwarze Module der höchsten Leistungsklassen eingesetzt werden, ist dieser Bereich besonders von Mangelwirtschaft und Preissteigerungen betroffen. Jede bei uns Großhändlern im Lager eintreffende Lieferung mit entsprechender Ware wird uns wortwörtlich aus den Händen gerissen. Selbst Preiserhöhungen in laufenden Verträgen sind wieder gängige Praxis und müssen von den Playern innerhalb der Lieferkette akzeptiert werden, wollen sie nicht am Ende ohne Ware dastehen.
Energiepolitik als Unsicherheitsfaktor
So weit, so gut … oder schlecht – wie auch immer man es sehen will. Diese gesteigerte Nachfrage nach unabhängiger Energieversorgung trifft nun auf die Beharrlichkeit, besser gesagt Starrsinnigkeit, einer Wirtschaftsministerin in Deutschland. Katherina Reiche redet nach wie vor die Erfolge der Erneuerbaren Energien klein. Sie bremst den weiteren Ausbau und setzt auf eine kontinuierliche Versorgung mit Öl und Gas. Auch wenn die Preise für fossile Energieträger bei jeder neuen globalen Krise durch die Decke gehen. Und an kriegerischen Auseinandersetzungen, bei denen die Weltwirtschaft regelmäßig ins Chaos stürzt, mangelt es dieser Tage nicht. Eigentlich müsste auch der allerletzte Einfaltspinsel verstanden haben, dass ein Energiesystem basierend auf Kohle, Öl und Gas kein zukunftsfähiges Konzept sein kann.
Aber unsere liebe Ministerin Katherina Reiche, übrigens bereits jetzt unbeliebter, als Robert Habeck es als Wirtschaftsminister je war, lamentiert fleißig über die ausufernden Kosten der Erneuerbaren und träumt davon, Deutschland durch den Bau neuer Gaskraftwerke wieder wettbewerbsfähig zu machen. Wie lange ist eine Person mit diesem Realitätsverweigerungspotenzial in der Regierung noch tragbar? Als ob es nicht schon hinreichende Erkenntnisse darüber gäbe, wie unser Energiesystem resilienter und die Stromversorgung bezahlbarer gemacht werden kann. Grundlage sind Studien, die Reiche selbst in Auftrag gegeben hat. Trotzdem ist jetzt die Rede davon, Kernbereiche des Wirtschaftsministeriums an externe Berater auszulagern. Fehlt etwa die Sachkompetenz im Ministerium, nachdem das komplette Team nach Habecks Abgang ausgetauscht wurde? Oder ist der wahre Grund, dass externe Gutachten leichter ignoriert werden können, wenn der Inhalt so gar nicht zur eigenen Agenda passen will? Wir werden es möglicherweise nie erfahren.
Über den Autor
Martin Schachinger ist studierter Elektroingenieur und seit mehr als 30 Jahren im Bereich Photovoltaik und regenerative Energien aktiv. 2004 machte er sich selbständig und gründete die Online-Handelsplattform pvXchange.com.
Quelle: Martin Schachinger / pvXchange.com | www.solarserver.de © Solarthemen Media GmbH