Abwasserwärme: Borken erhält 6,1 Millionen Euro für kaltes Nahwärmenetz
Foto: Anoo / stock.adobe.comKaltes Nahwärmenetz mit Abwasserwärme aus Kläranlage
Das geplante Wärmenetz soll gereinigtes Abwasser aus dem Ablauf der Kläranlage als Wärmequelle nutzen. Vorgesehen ist die Versorgung des Kreishauses, der Kläranlage, der Jodocus-Nünning-Gesamtschule sowie weiterer kommunaler Einrichtungen. Dafür soll ein Wärmetauscher im Ablauf der Kläranlage installiert werden, um die Wärme anschließend über ein kaltes Nahwärmenetz zu transportieren.
Nach Angaben der Projektpartner liegt die Temperatur des gereinigten Abwassers auch im Winter bei mindestens 10 Grad Celsius. Die vergleichsweise konstanten Temperaturen gelten als Vorteil für den effizienten Betrieb von Wärmepumpensystemen.
Die Wärmeversorgung der angeschlossenen Gebäude soll über dezentrale Großwärmepumpen und Pufferspeicher erfolgen. Die Beteiligten sehen darin auch Potenzial für einen flexiblen Strombezug bei hoher Einspeisung erneuerbarer Energien.
Investitionsvolumen von rund 10,5 Millionen Euro
Die geschätzten Gesamtkosten des Projekts betragen rund 10,5 Millionen Euro brutto. Nach Abzug der Förderung verbleibt ein Eigenanteil von etwa 4,4 Millionen Euro. Die Mittel stammen aus dem Förderaufruf für investive kommunale Klimaschutz-Modellprojekte im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative.
Die Umsetzung ist laut den Projektpartnern bis Sommer 2030 geplant. Das Vorhaben soll wissenschaftlich begleitet werden.
Abwasserwärme gewinnt für kommunale Wärmeplanung an Bedeutung
Abwasserwärme gilt als bislang wenig genutzte Wärmequelle für die kommunale Wärmewende. Insbesondere größere Kläranlagen und Kanalnetze bieten konstante Temperaturniveaus, die sich für Wärmepumpenanwendungen eignen. Mit dem Wärmeplanungsgesetz und steigenden Anforderungen an die Dekarbonisierung kommunaler Gebäude rücken solche Projekte stärker in den Fokus von Stadtwerken und Kommunen. In Borken wird die Wärme nicht direkt aus dem Kanalnetz entnommen, sondern erst nach dem Reinigungsprozess im Ablauf der Kläranlage. Laut den Beteiligten soll dies Vorteile bei Betriebssicherheit und Hygiene bieten.
Die Landesgesellschaft für Energie und Klimaschutz NRW.Energy4Climate verweist in diesem Zusammenhang auf Potenziale der Abwasserwärme in Nordrhein-Westfalen. Geschäftsführer Christian Mildenberger sagte, perspektivisch könnten „rund zehn Prozent des Gebäudewärmebedarfs“ im Land aus Wärme von Kläranlagen und Kanalnetzen gedeckt werden.
Perspektive für weitere Anschlüsse
Nach Angaben der Stadtwerke ist eine spätere Erweiterung des Netzes möglich. So seien weitere öffentliche Gebäude sowie Wohn- und Gewerbegebiete als Anschlussnehmer denkbar. Ob und in welchem Umfang solche Erweiterungen wirtschaftlich umgesetzt werden können, dürfte unter anderem von Strompreisen, Förderbedingungen und der lokalen Wärmenachfrage abhängen.
Fazit und Ausblick
Mit dem geplanten kalten Nahwärmenetz setzt Borken auf ein Wärmekonzept, das Abwasserwärme mit Großwärmepumpen kombiniert. Das Projekt zeigt, wie Kommunen lokale Wärmequellen für die Dekarbonisierung öffentlicher Gebäude nutzen wollen. Für Stadtwerke und kommunale Betreiber könnte die Nutzung von Kläranlagen als Wärmequelle angesichts der kommunalen Wärmeplanung an Bedeutung gewinnen.
Quelle: Stadt Borken / NRW.Energy4Climate | www.solarserver.de © Solarthemen Media GmbH