Pilotprojekt bidirektionales Laden: Photovoltaik in Vehicle-to-Grid integrieren

Ein Auto an Ladesäule mit schematisch angedeuteter leuchtend grüner Batterie, im Pilotprojekt BDL Next will man Photovoltaik in Vehicle-to-Grid integrieren.Grafik: paul_craft / stock.adobe.com
Nach den Vorstellungen von BDL Next soll Das E-Auto zum zentralen Manager eines ganzheitlichen Energiehaushalts werden.
Im Pilotprojekt BDL Next wollen die Beteiligten erforschen, wie bidirektionales Laden zu einem Massenmarkt werden kann und gleichzeitig die Stromnetze stabilisiert. Die Einbindung von privaten Photovoltaik-Anlagen ist ein Schwerpunkt des Projektes.

Ein branchenübergreifendes Konsortium aus Industrie, Netzbetrieb und Forschung startet ein Pilotprojekt zum bidirektionalen Laden. Im Projekt BDL Next wollen die Projektpartner unter realen Bedingungen erproben, welche Voraussetzungen für eine zukünftige breite Skalierung der Technologie erforderlich sind. Das Ziel: E-Fahrzeuge in den Energiemarkt zu integrieren, um das Stromnetz zu unterstützen und die Energiewende in die Haushalte zu bringen.

Bisher bieten Unternehmen wie Eon, das an dem Projekt beteiligt ist, bidirektionales Laden in Form von Vehicle-to-Grid (V2G) an. Dabei sind Besitzer:innen von Photovoltaik-Anlagen ausgenommen. Durch Interoperabilität und die Einbindung von Photovoltaik, Heim-Batteriespeichern und intelligentem Energiemanagement soll BDL Next nun ein offenes System schaffen, das die Basis für den herstellerübergreifenden und flächendeckenden Einsatz von V2G legen soll.

Zum Start des Pilotbetriebs hat man kürzlich BMW-Fahrzeuge an die teilnehmenden Pilothaushalte übergeben. Die Pilotphase ist auf mehrere Monate angelegt. Die Ergebnisse fließen in die Weiterentwicklung der Technologie ein – auch mit Blick auf die erforderlichen regulatorischen Rahmenbedingungen, etwa bei Steuerbarkeit, Messkonzepten und der Einbindung von Flexibilität in bestehende Markt- und Netzprozesse.

„Der nächste Schritt beim bidirektionalen Laden ist klar: Weg von der Einzellösung hin zur Nutzung im Energiesystem. Der Pilotbetrieb macht konkret, woran wir schon seit einiger Zeit arbeiten: Eine steuerbare, messbare und netzdienliche Nutzung im großen Maßstab“, sagt Stefan Padberg, Leiter Innovation bei Eon. „Damit wird Flexibilität aus Haushalten zu einem echten Baustein der Energiewende – für mehr Stabilität im Netz, eine effizientere Nutzung erneuerbarer Energien und ein bezahlbares Energiesystem. Gleichzeitig eröffnen sich für Kundinnen und Kunden neue Möglichkeiten, finanziell zu profitieren, wenn sie ihre Flexibilität zur Verfügung stellen.“

Wichtige Schritte zur Netzdienlichkeit und zum Redispatch 3.0

Statt das bidirektionale Laden aus der Perspektive des einzelnen Haushalts zu betrachten, denkt BDL Next größer. Ziel ist es, tausende kleinteilige Kapazitäten aus Haushalten zu koordinieren, um das Gesamtsystem zu entlasten. Eon testet hierbei gemeinsam mit den Projektpartnern, wie man Flexibilität aus Elektroautos gezielt aktivieren und in Echtzeit steuern kann, ohne den Alltag der Kundinnen und Kunden zu beeinträchtigen. Eine zentrale Herausforderung ist dabei die präzise Messung und Zuordnung der Energieflüsse – zum Beispiel wann Strom aus dem Fahrzeug kommt, ob er aus Photovoltaik-Anlagen stammt und wie man ihn bilanziell erfassen kann.

Gleichzeitig wollen die Projektbeteiligten untersuchen, wie man diese Flexibilität in bestehende Netz‑ und Marktprozesse integrieren kann, etwa in Form von standardisierten Signalen zwischen Transportnetzbetreiber, Verteilnetzbetreiber und Haushalt. Dies sind entscheidende Schritte hin zum Redispatch 3.0. Einem modernen Engpassmanagement, das erstmals dezentrale Ressourcen auf Niederspannungsebene nutzt, um das Stromnetz der Zukunft stabil zu halten. Hierfür braucht es einheitliche Prozesse, die eine koordinierte Steuerung von vielen einzelnen Anlagen ermöglichen. Die Praxiserkenntnisse aus BDL Next sollen diese Lücke schließen.

Photovoltaik-Integration schafft Brücke zwischen Eigenheim und Strommarkt

Ein weiterer Schwerpunkt des Pilotbetriebs ist die intelligente Verknüpfung von V2G mit Photovoltaik. Im Projekt BDL Next will man die Fahrzeuge für die Maximierung des Eigenverbrauchs nutzen, mit V2G die Flexibilität vermarkten und ebenso die Netzdienlichkeit berücksichtigen. Dieser hybride Ansatz soll die private Erzeugung mit den öffentlichen Netzanforderungen harmonisieren. Das E-Auto wird so zum zentralen Manager eines ganzheitlichen Energiehaushalts.

Offene Standards als Schlüssel für die branchenweite Skalierung

Ein zentrales Zielbild des Projekts ist daher die Interoperabilität zwischen den eingesetzten Komponenten – von Fahrzeug, über Wallbox bis hin zum Energiemanagementsystem, PV-Anlage und Heimspeicher. Entscheidend dabei ist die enge Zusammenarbeit von Automobilindustrie, Energiewirtschaft und Forschung, die gemeinsam an herstellerübergreifend funktionierenden Lösungen arbeiten. Nur durch solche offenen Standards lassen sich Flexibilitäten in einem Maßstab bündeln, der das Energiesystem nachhaltig stützt.

Unter der Leitung der Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FfE) beteiligen sich der Automobilhersteller BMW, die Netzbetreiber Bayernwerk Netz und Tennet sowie das Energieunternehmen Eon am Projekt BDL Next. KEO und Compleo decken die Bereiche EEBUS-Kommunikationstechnik und Ladeinfrastruktur ab. Komplettiert wird das Konsortium mit dem KIT, der Universität Passau und der EBZ Business School, die sich im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitung beteiligen.

Weitere Informationen und technische Details zum Projekt BDL Next sind unter diesem Link zu finden.

Quelle: Eon | solarserver.de © Solarthemen Media GmbH

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