BUND-Studie: Klimaneutrale Wärmenetze enorme Aufgabe für Kommunen

Ein Tortendiagramm zeigt die Anteile der Energieträger in Wärmenetzen, bei heute 71 % fossiler Energie ist der Weg für klimaneutrale Wärmenetze noch weit.Quelle: BDEW, Grafik: Ifeu
Zusammensetzung von Fernwärme und –kälte in Deutschland. 2024 stammten rund drei Viertel aus fossilen Energieträgern.
Der Ausbau und die gleichzeitige Dekarbonisierung von Wärmenetzen ist eine enorme Aufgabe für die Kommunen. Eine BUND-Studie benennt Anpassungen in der Förderung und bei Gesetzen, die ein ökologisch tragfähiger Aus- und Umbau der Wärmenetze braucht.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat die Studie „Dekarbonisierung von Wärmenetzen – Politische Leitplanken für eine erfolgreiche Transformation“ vorgestellt. Im Auftrag des BUND hat das Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (Ifeu) untersucht, welche Rolle Wärmenetze in der klimaneutralen Wärmeversorgung bis 2045 spielen und welche Anpassungen in der Förderung und bei Gesetzen der ökologisch tragfähige Aus- und Umbau der Wärmenetze braucht.

Das zentrale Ergebnis der Studie: Zwar werden die allermeisten Gebäude auch zukünftig individuell beheizt werden. Die Energieszenarien gehen aber davon aus, dass die Bedeutung von Wärmenetzen in der Wärmeversorgung stark zunimmt. Und der Handlungsdruck ist massiv: Fast drei Viertel der Wärme in Wärmenetzen stammt heute aus fossilen Energien. „Fossile Energie hat keinen Platz in der Wärmeversorgung der Zukunft“, sagt Tina Löffelsend, Abteilungsleiterin Klimaschutz beim BUND. „Damit das Heizen über Wärmenetze klimaneutral und krisensicher wird, muss jetzt in den Kommunen der Turbo beim Umstieg auf erneuerbare Energien eingelegt werden. Für diese zentrale Aufgabe braucht es bundespolitischen Rückenwind und Planungssicherheit.“

Dazu zählt aus Sicht des BUND, die Bundesförderung für effiziente Wärmenetze gesetzlich abzusichern und auf mindestens 3,5 Milliarden Euro aufzustocken. Gleichzeitig müsse die Bundesregierung die Elektrifizierung erleichtern. Zentral ist dafür die Reduktion der Stromsteuer.

Klimaneutrale Wärmenetze brauchen Großwärmepumpen, Geothermie und Solarthermie

In der Studie haben die Autor:innen sechs Szenarien aus drei einschlägigen Studien zur klimaneutralen Energieversorgung bis 2045 in Hinblick auf den Anteil der Versorgung über Wärmenetze und die Zusammensetzung der Energiequellen näher untersucht. „Die Wissenschaft ist sich einig: Der Großteil der Energie in Wärmenetzen soll zukünftig über Großwärmepumpen, Geothermie und Solarthermie bereitgestellt werden“, sagt Irmela Benz Colaço, Leiterin Wohn- und Gebäudepolitik beim BUND. „Außerdem setzen alle Szenarien darauf, dass der Energieverbrauch bis 2045 deutlich sinkt. Energiequellen, die nur eingeschränkt nachhaltig verfügbar sind, wie Wasserstoff, Biomethan, Holz und Abwärme, sollen eine Nebenrolle spielen.“

Die BUND-Studie zeigt mit Blick auf bereits veröffentlichte Wärmepläne aber auch, dass man lokal teils stark auf solche Quellen setzt. Zwar sind die Ausgangsbedingungen in Kommunen sehr unterschiedlich und die lokalen Pläne müsse man vor diesem Hintergrund individuell bewerten. Der BUND warnt jedoch: Es besteht ein massives Risiko für teure und ökologisch nicht tragfähige Fehlinvestitionen vor Ort. „Der nachhaltige Umbau der Wärmenetze muss dem Klimaschutz verpflichtet sein und Ressourcen schützen. Das Verbrennen von Holz ist nicht klimaneutral und verschlechtert den ohnehin kritischen Zustand der Wälder“, sagt Benz Colaço. Wenn man den Einsatz und die Herstellung von Biomethan nicht strikt reguliere, drohen zunehmender Flächenfraß, Artensterben und die Zerstörung wertvoller Böden. „Abwärme aus der Müllverbrennung, der Industrie und Rechenzentren, sollte nicht ungenutzt verpuffen. Sie darf jedoch auch nicht zum Feigenblatt für weitere Energie- und Ressourcenverschwendung werden“, so Benz Colaço

Der BUND fordert die Bundesregierung auf, dafür zu sorgen, dass die Verbrennung wertvoller Ressourcen auf ein Minimum begrenzt wird. Gesetzliche Obergrenzen, strenge Nachhaltigkeitskriterien sowie eine Verpflichtung, den Einsatz konfliktträchtiger Quellen umfassend zu begründen, sind hierzu erste notwendige Schritte.

Kernpunkte der Studie

Alle im Kurzgutachten untersuchten Szenarien zum Erreichen der Klimaneutralität zeigen, dass die Rolle von Wärmenetzen in Zukunft zunimmt und ein massiver Ausbau erforderlich ist. Der Anteil soll von heute 11 auf 17 bis 31 Prozent der Wärmeversorgung steigen. Gleichzeitig setzen Wärmenetze trotz erster Fortschritte bei der Dekarbonisierung noch zu rund 71 Prozent auf klimaschädliche Verbrennung fossiler Energieträger wie Erdgas, Kohle und Öl, sowie fossiler Abfälle. Nur etwa zwei Prozent entfallen auf die Nutzung von Wärmepumpen, Solarthermie und Geothermie, die zukünftig den Großteil der Energie in Wärmenetzen bereitstellen sollen. Damit wird die enorme Aufgabe deutlich, die Kommunen in den nächsten 19 Jahren bewältigen müssen.

Die Auswertungen von kommunalen Wärmeplänen deuten darauf hin, dass die lokalen Planungen in der Summe erheblich von den klimaneutralen Zukunftsszenarien abweichen könnten. Die Kommunen setzen im Schnitt weniger auf Umweltwärme und mehr auf Biomasse und Müllverbrennung. Hier besteht offensichtlich ein Nachsteuerungsbedarf, um die Überplanung knapper Ressourcen zu verhindern.

Die BUND-Studie „Dekarbonisierung von Wärmenetzen – Politische Leitplanken für eine erfolgreiche Transformation“ ist unter diesem Link zu finden.

Quelle: BUND | solarserver.de © Solarthemen Media GmbH

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