Digitaler Batteriepass zentral für Wartung, Austausch und Weiternutzung von Batteriemodulen von Großspeichern

Im Bild Ricky Thiermann, Leiter des Produktmanagements beim Software-Anbieter Spherity, der die Bedeutung vom digitalen Batteriepass für Großspeicher erläutert.Foto: Spherity
Ricky Thiermann ist Leiter des Produktmanagements beim Software-Anbieter Spherity.
Ab Februar 2027 wird aufgrund der EU-Batterieverordnung ein digitaler Batteriepass für Batterien ab 2 kWh Kapazität verpflichtend. In seinem Gastbeitrag erläutert Ricky Thiermann, Leiter des Produktmanagements bei Spherity, welche Bedeutung dieser Pass für Großspeicher haben wird.

Die sonnenreichen Tage Anfang Mai zeigten: Ein rascher Ausbau von Batteriespeichersystemen (Battery Energy Storage Systems, BESS) ist notwendig. Sie haben das Potenzial, neben den Kraftwerken zur entscheidenden Infrastruktur im Stromnetz zu werden. Einige aktuelle Projekte zeigen die Größenordnung: EnBW plant in Philippsburg ein BESS mit 400 Megawatt Leistung und 800 Megawattstunden Kapazität. RWE baut in Grundremmingen eine Anlage mit 400 Megawatt und 700 Megawattstunden. In Wilhelmshaven realisieren Uniper und NGEN ein BESS mit 50 MW und 100 MWh. TransnetBW hat in Kupferzell einen Netzbooster, der bei einer Störung 250 Megawatt für eine Stunde abgibt.

Diese Projekte zeigen die wachsende Bedeutung von Batteriespeichern. Bei schwankender Einspeisung erneuerbarer Energien können Batteriespeicher überschüssigen Strom aufnehmen und später wieder abgeben. Sie stabilisieren damit das Stromnetz und verringern den Bedarf an konventionellen Reservekraftwerken. Hinzu kommt das Engpassmanagement. Große Batteriespeicher reagieren innerhalb weniger Sekunden auf Netzschwankungen. Netzbetreiber gleichen damit Frequenzschwankungen aus oder vermeiden lokale Überlastungen.

Der regulatorische Rahmen zum digitalen Batteriepass

Durch diese Eingriffe in den Netzbetrieb steigen die Anforderungen an die digitale Steuerbarkeit. Darüber hinaus agieren die Stromspeicher zunehmend als Flexibilitätsassets. Sie werden in virtuelle Kraftwerke eingebunden oder können netzdienlich betrieben werden. Dabei nehmen sie Strom auf, wenn Erzeugung und Preisstruktur dies begünstigen. Sie geben Strom ab, wenn Netz oder Markt es verlangen. Die Betreiber von BESS und Verteilnetzen benötigen deshalb aktuelle Leistungsdaten sowie Informationen über den „State of Health (SoH)“ der einzelnen Batteriemodule.

Zu diesem Zweck ist in den letzten Jahren ein neuer regulatorischer Rahmen entstanden. Ab Februar 2027 macht die EU-Batterieverordnung den digitalen Batteriepass verpflichtend. Industriebatterien mit mehr als 2 kWh Kapazität müssen dann einen besitzen. Er identifiziert jede Batterie eindeutig über einen QR-Code, der zu einer bestimmten Website führt. Handelt es sich aber um mehr als eine digitale Produktseite. Der Batteriepass bietet vielmehr eine Plattform für Lebenszyklusdaten: Herkunft, Lieferkette, CO₂-Fußabdruck, Leistung, Haltbarkeit, Reparatur, Weiterverwendung und Recycling.

Lebenszyklusdaten im Speicherbetrieb

Alle Informationen müssen laut Batterieverordnung verifizierbar, manipulationssicher und rollenbasiert zugänglich sein. Möglich wird das durch offene Standards wie dezentrale Identifikatoren und kryptografisch signierte Nachweise. So kann jeder Interessierte allgemeine Nachhaltigkeitsinformationen einsehen, während die Betreiber, ihre Geschäftspartner und die Behörden auf detaillierte, nichtöffentliche Daten zugreifen. Durch diese Trennung werden sensible Informationen nicht unkontrolliert verbreitet. Für die Hersteller von Industriebatterien verändert der Batteriepass sowohl die Lieferkette als auch den After-Sales-Service. Nun sind Informationen über die Herkunft von Rohmaterialien notwendig und eine dauerhafte Verfolgung der Batterie auch nach dem Verkauf.

Für Großspeicher ist der Batteriepass eine entscheidende Architektur, denn die Daten ändern sich im laufenden Betrieb. Einige Beispiele: Unterschiedliche Modulalterung, Austausch von defekten Batterie-Packs, Wartungsdokumentationen und Aufzeichnung von Störungen oder Reparaturen. Das gesamte Paket an Informationen ist deutlich umfangreicher als bei einzelnen Industrie- oder Fahrbatterien. Besonders wichtig wird das bei der Wartung der Systeme, dem Austausch von einzelnen Modulen oder Batteriepacks sowie der Weiternutzung im „Second Life“ und dem Remanufacturing.

Dateninfrastruktur für komplexe Speichersysteme

Die heterogene Zusammensetzung der BESS-Systeme bewirkt, dass ihr digitaler Batteriepass aus mehreren einzelnen Produktpässen besteht, die über die jeweiligen Bauelemente berichten. Wiederverwendete oder aufgearbeitete Batterien erhalten einen neuen Pass, der mit dem ursprünglichen Pass verknüpft ist. Der digitale Batteriepass erfordert deshalb von den Herstellern eine leistungsfähige technologische Infrastruktur, wie sie beispielsweise die Spherity GmbH mit ihrer VERA-Plattform bietet.

Sie ist die Grundlage für einen vertrauenswürdigen Datenaustausch zwischen den Akteuren im BESS-Markt. Das sind OEMs, Systemintegratoren und Servicepartner sowie Vermarkter und Betreiber. Zwischen diesen Rollen müssen alle Daten geteilt werden, was zu einer wichtigen Anforderung führt: Da es sich hier um kritische Infrastruktur handelt, geht es neben Datenaustausch auch um Datenhoheit, Zugriffsrechte und Identitäten.

Digitaler Batteriepass wird zur Betriebsplattform

Der Batteriepass geht demnach weit über eine Dokumentationspflicht hinaus. Er wird zum zentralen Instrument für Betrieb, Wartung und Wiederverwertung komplexer Speichersysteme. So schafft er eine verlässliche Identität für Batterien und ihre Daten. Er dokumentiert, welche Einheit in welchem Zustand ist, welche Ereignisse stattgefunden haben und welche Informationen aus welcher Quelle stammen. In Verbindung mit Datenräumen wie Energy Data-X entsteht daraus eine Infrastruktur, in der Produktdaten, Betriebsdaten und Marktdaten kontrolliert zusammenfließen.

Aus technischer Sicht ist das eine konsequente Weiterentwicklung zu einem Datenobjekt, das in Energie- und Betriebsprozesse eingebunden ist. Strategisch sinnvoll ist hierfür eine Architektur, die von Beginn an offene Standards, Interoperabilität, Rollenmodelle und sichere Datenfreigaben unterstützt. Damit entsteht eine digitale Infrastruktur, die technische, betriebliche und nachhaltigkeitsbezogene Daten über den Lebenszyklus der Batteriesysteme hinweg verbindet. Sie wird zu einer zentralen Voraussetzung für den wirtschaftlichen und netzdienlichen Betrieb moderner Batteriespeicher.

Gastautor Ricky Thiermann ist Leiter des Produktmanagements bei Spherity und Experte für digitale Produktpässe (DPPs), dezentrale Identitäten und europäische digitale Vertrauensinfrastrukturen. Seine Produktstrategie legt den Schwerpunkt auf den Digitalen Produktpass (DPP), Self-Sovereign Identity (SSI) und Datenräume, die im Einklang mit EU-Vorschriften stehen. Daneben ist er am European Business Wallet-Ökosystem EUBW sowie der Catena-X-Expertengruppe beteiligt. In seiner Arbeit verbindet er regulatorische Anforderungen, Standardisierungsbemühungen und skalierbare Produktlösungen.

Quelle: Spherity | solarserver.de © Solarthemen Media GmbH

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