EU-ETS 1: Emissionsrückgang in Deutschland verliert 2025 an Tempo
Foto: Britta Laser / stock.adobe.comDer Rückgang der Emissionen im EU-ETS 1 hat sich in Deutschland 2025 deutlich abgeschwächt. Die 1.794 stationären Industrie- und Energieanlagen stießen rund 264 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente aus und damit 3,2 Prozent weniger als im Vorjahr. 2024 hatte der Rückgang noch 5,5 Prozent betragen. Nach Angaben der Deutschen Emissionshandelsstelle (DEHSt) im Umweltbundesamt entwickelten sich Industrie und Energieversorgung dabei unterschiedlich.
Die Emissionen der energieintensiven Industrieanlagen gingen um 5,5 Prozent zurück. Nach Angaben des Umweltbundesamtes ist dies vor allem auf die anhaltend schwache wirtschaftliche Entwicklung und damit verbundene Produktionsrückgänge zurückzuführen. Die Emissionen der Energieversorgung sanken dagegen nur noch um rund zwei Prozent, nachdem sie im Vorjahr noch um 9,5 Prozent zurückgegangen waren. Die Emissionen des von Deutschland verwalteten Luftverkehrs gingen um 2,2 Prozent auf rund 8,8 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente zurück.
Photovoltaik und Strommix prägen Emissionsentwicklung
Die Emissionen der Energieversorgung gingen auf rund 167 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente zurück und erreichten damit den niedrigsten Stand seit Einführung des EU-ETS im Jahr 2005. Nach Angaben der DEHSt waren dafür vor allem die gestiegene Stromerzeugung aus Photovoltaikanlagen sowie die rückläufige Stromproduktion aus Braunkohlekraftwerken verantwortlich.
Dem standen jedoch mehrere gegenläufige Entwicklungen gegenüber. Höhere Emissionen aus Stein- und Erdgaskraftwerken, eine geringere Stromerzeugung aus Wind- und Wasserkraft sowie sinkende Nettoimporte von Strom bremsten den Emissionsrückgang. Der Anteil erneuerbarer Energien am Bruttostromverbrauch lag 2025 bei rund 55 Prozent und damit nur geringfügig über dem Vorjahreswert.
Industrieemissionen sinken überwiegend konjunkturbedingt
Die Emissionen der energieintensiven Industrie beliefen sich 2025 auf rund 97 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente. Besonders starke Rückgänge verzeichneten die Eisen- und Stahlindustrie sowie die Industrie- und Baukalk-, Papier- und Zellstoffindustrie. Nach Angaben des Umweltbundesamtes ist diese Entwicklung vor allem auf Produktionsrückgänge infolge der schwachen wirtschaftlichen Entwicklung zurückzuführen.
UBA-Präsident Dirk Messner erklärte, die zuletzt geringeren Emissionsrückgänge zeigten eine Verlangsamung auf dem Weg zur Klimaneutralität. Die Erkenntnisse sollten nach seiner Einschätzung in die anstehende Reform des Emissionshandels einfließen. Er verwies zudem darauf, dass die Emissionsminderungen in der Industrie in den vergangenen Jahren nach seiner Einschätzung zu großen Teilen auf die schwache Wirtschaftsleistung und nicht auf die Umstellung auf emissionsarme Produktionsverfahren zurückzuführen seien.
Christoph Kühleis, kommissarischer Leiter des Fachbereichs Klimaschutz, Energie und Deutsche Emissionshandelsstelle im Umweltbundesamt, verwies darauf, dass Elektrifizierung, grüner Wasserstoff und CO₂-arme Produktionsverfahren schneller ausgebaut werden müssten.
Für den seit 2024 in den EU-ETS 1 einbezogenen Seeverkehr liegen für 2025 nach Angaben der DEHSt noch keine belastbaren Emissionsdaten vor, da zahlreiche Emissionsberichte noch nicht vollständig ausgewertet werden konnten. Für 2024 hatten rund 640 von Deutschland verwaltete Schifffahrtsunternehmen Emissionen von rund 11 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalenten im Rahmen des EU-ETS 1 gemeldet.
Gesamtemissionen stagnieren trotz Rückgang im EU-ETS
Die Daten verdeutlichen, dass sich die Emissionsminderung im EU-ETS 1 verlangsamt hat. Für den Stromsektor zeigen sie zugleich das Zusammenspiel von Photovoltaik, Wind- und Wasserkraft sowie fossiler Stromerzeugung bei der Entwicklung der Emissionen. Gleichzeitig blieben die deutschen Treibhausgasemissionen 2025 nach vorläufigen Angaben des Umweltbundesamtes nahezu unverändert, da Emissionsanstiege im Gebäude- und Verkehrssektor die Rückgänge im EU-ETS 1 weitgehend ausglichen.
Quelle: Umweltbundesamt | www.solarserver.de © Solarthemen Media GmbH