Kommunale Wärmeplanung: Teils erledigt, teils noch Terra Incognita
Foto: Robert Poorten / stock.adobe.comAuf der Konferenz des Kompetenzzentrums Kommunale Wärmewende (KWW) am 18. Juni in Halle war die Stimmung gut. Robert Brückmann, Leiter des KWW, startete mit guten Neuigkeiten, wie er selbst sagte. Sie beziehen sich auf die „große Frist“ des 30. Juni. Bis zu diesem Tag müssen alle großen Kommunen ab 100.000 Einwohner:innen ihre kommunale Wärmeplanung (kWP) abschließen. „Und so wie es aussieht, haben sie es geschafft. Die haben es wirklich geschafft“, freute sich Brückmann: „Vielleicht ein, zwei Kommunen brauchen noch ein bisschen.“ Dabei sei es vorher angezweifelt worden, ob die kWP in dieser Zeit tatsächlich zu erstellen ist.
Kommunale Wärmeplanung ist nur der erste Schritt
Für den Chef des KWW ist damit ein erster Schritt erreicht. Er betont aber, die Wärmeplanung ende nicht damit, dass ein Plan da sei. „Sondern es geht danach weiter“, so Brückmann.

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Von den Landesbehörden kann dieser Stand nicht unbedingt bestätigt werden. So wartete das Landesamt für Natur, Umwelt und Klima Nordrhein-Westfalen (LANUK) am 29. Juni noch auf 18 von 30 Großstädten. Laut Landeswärmeplanungsgesetz NRW müssen alle Kommunen ihre Pläne beim Landesamt einreichen. Allerdings, so Klaus Vogel, Leiter des Fachgebiets Wärmewende beim LANUK, gebe das Gesetz den Kommunen dafür auch drei Monate Zeit. „Bis Ende September werden wir die restlichen Pläne wohl haben“, erwartet Vogel. Insgesamt erhielt das Amt bis zum 29. Juni 87 Wärmepläne; rund 22 Prozent aller NRW-Kommunen – auch kleinere – haben also ihre KWP komplett abgeschlossen.
In NRW ist auch eine Bewertung der Wärmepläne von Kommunen mit mehr als 45.000 Einwohner:innen obligatorisch. Und das LANUK schaue sich diese sehr genau an. Dabei beobachtet Vogel eine große Heterogenität der Wärmepläne, die in der Detailtiefe auch sehr unterschiedlich seien. Ein Thema ist dabei die Sanierungsquote. Wird sie hoch angesetzt, sinkt der Wärmebedarf bis 2045 möglicherweise deutlich. Manche Kommune unterfüttere eine hohe Sanierungsquote auch mit Maßnahmen, um sie zu erreichen, sagt Vogel. Doch in manchen Fällen seien die Planzahlen überambitioniert und wahrscheinlich nicht erreichbar.
Zu viel Biomethan eingeplant
Ähnlich sei dies, wenn es um den Einsatz von Biomethan und Wasserstoff gehe, berichtet Vogel. Deren für die Wärmeversorgung eingeplante Menge übersteige in manchen Fällen das ausgewiesene Potenzial. Sicherlich, so Vogel, sei es zwar möglich, Biomasse von außerhalb einer Stadt oder Gemeinde zu beziehen – solange nicht viele gleichermaßen diese Brennstoffe einplanen. Doch das LANUK gebe hier in seiner Stellungnahme die Empfehlung, das zu überprüfen.
Ausgerichtet sei die auch im Landesgesetz vorgesehene Stellungnahme des LANUK auf die spätere Fortschreibung der Wärmeplanung, erläutert Vogel. Das Amt wolle keinen Plan durchfallen lassen. Allerdings hat er generell einen Tipp für Kommunen, die noch im Prozess sind. In der regulären Wärmeplanung ist laut Wärmeplanungsgesetz (WPG) ein Zielszenario zu erstellen, auf das die Kommune hinarbeitet. Es sei aber ratsam, so Vogel, auch Szenarienalternativen zu entwickeln, um auf neue Entwicklungen besser reagieren zu können.
Viele weiße Stellen auf der bundesweiten Landkarte der Wärmeplanung
Eine große Zahl von Kommunen hat sich schon mit der kWP befasst. Laut einer Statistik, die das KWW erstellt (siehe Tabelle) haben bereits 3.430 Kommunen, ein Drittel aller deutschen Städte und Gemeinden, ihre Wärmeplanung erledigt. Weitere 2.659 befinden sich im Prozess. Der große Sprung gegenüber dem Vorjahr (siehe Energiekommune 7/2025) ist in der hohen Zahl der abgeschlossenen Planungen zu sehen. Im Mai 2025 waren erst 4,2 Prozent der Kommunen so weit.
Jedoch gibt es weiterhin viele, die sich offenbar noch gar nicht mit der kWP befasst haben oder bei denen dies zumindest dem KWW nicht bekannt ist. Vor einem Jahr waren es rund 45 Prozent aller Kommunen. Jetzt sind es immer noch rund 43 Prozent.
Novelle des Wärmeplanungsgesetzes
Für Jan Peter Klatt, Referatsleiter für Wärmeplanung, Grundsatzfragen der Wärmeversorgung und Wärmenetzfinanzierung im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, ist diese Zahl ein Motiv für die anstehende Novelle des Wärmeplanungsgesetzes. Eine Schlussfolgerung des Ministeriums ist, dass die Wärmeplanung für kleine Kommunen sehr herausfordernd sei und daher vereinfacht werden solle. Klatt ist dabei zuversichtlich, dass die Novelle wie von der Regierung vorgesehen, rasch durchs parlamentarische Verfahren gleitet. Und dies, obwohl sich einige Bundesländer sehr kritisch insbesondere zur „kleinen Wärmeplanung“, die in der Novelle vorgesehen ist, geäußert haben. Klatt sagte auf der KWW-Konferenz: „Das parlamentarische Verfahren steht nun an und so wie wir die Diskussion im politischen Raum verfolgt haben, gibt es da auch einen großen politischen Konsens, sodass dann im Herbst das novellierte Wärmeplanungsgesetz in Kraft treten sollte.“
Auch kleine Gemeinden schaffen das
Man sollte jedoch nicht übersehen, dass es offenbar auch vom Bundesland abhängt, ob kleine Gemeinden sich in den Prozess der kWP begeben. So ist etwa Rheinland-Pfalz durch eine große Zahl kleiner Gemeinden gekennzeichnet, die in Verbandsgemeinden zusammengeschlossen sind.
Stefan Müller, Referent Kommunale Wärmeplanung bei der Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz, sieht keinen großen Vorteil in der sogenannten „kleinen“ Wärmeplanung. Im Verbund und in Kooperation könnten auch die kleinen Gemeinden die kWP gut leisten und verfügten dann über wesentlich bessere Daten. „Wir sind der Meinung und nicht nur wir, dass das, was jetzt mit der Novellierung geplant ist, der falsche Weg ist“, so Müller.
Die bislang erstellten Wärmepläne seien eine gute Grundlage für die weitere Arbeit, so Müller: „Und das, was ich beobachte, ist tatsächlich, dass die Wärmepläne auch in die Umsetzung gehen, vielleicht nicht ganz flächendeckend, aber doch sehr, sehr überwiegend im Gegensatz zu den Klimaschutzkonzepten.“
Autor: Andreas Witt | www.solarserver.de © Solarthemen Media GmbH

Dieser Artikel ist original in der Ausgabe 7/2026 der Zeitschrift Energiekommune erschienen. Energiekommune ist der Infodienst für die lokale Energiewende. Er erscheint monatlich. Bestellen Sie jetzt ein kostenloses Probeabonnement mit drei aktuellen Ausgaben!