Moor-PV: Neue Handreichung beziffert Potenzial von bis zu 268 GWp

Cover der Fraunhofer-ISE-Handreichung „Moor-PV: Doppelter Klimaschutz durch Photovoltaik-Systeme auf wiedervernässten Moorböden“. Zu sehen sind Photovoltaikmodule auf einer nassen Moorfläche mit dem Titel der Publikation und dem Fraunhofer-ISE-Logo.Cover: Fraunhofer ISE
Die neue Handreichung des Fraunhofer ISE bündelt den aktuellen Stand der Technik sowie Empfehlungen für Planung und Umsetzung von Moor-PV auf wiedervernässten Moorböden.
Für PV-Anlagen auf wiedervernässten Moorböden liegt erstmals eine umfassende Handreichung vor. Sie nennt für geeignete Moorflächen in Deutschland ein technisches Potenzial von 134 bis 268 Gigawatt Peak (GWp). Zudem fasst sie den aktuellen Wissensstand zu Technik, Planung und Recht zusammen und richtet sich an Landwirtschaft, Solarbranche und öffentliche Verwaltung.

Seit 2023 wird die Stromerzeugung auf wiedervernässten Moorböden im Rahmen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) gefördert. Vor diesem Hintergrund haben das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE, das Greifswald Moor Centrum, die Humboldt-Universität zu Berlin, das Institut für Landwirtschaftsrecht der Universität Göttingen sowie die Kanzlei Becker Büttner Held (BBH) eine Handreichung zur Moor-PV veröffentlicht. Sie beschreibt den aktuellen Stand der Technik und enthält Empfehlungen für Planung, Umsetzung, Wartung und Rückbau entsprechender Photovoltaikanlagen.

Moor-PV verbindet Wiedervernässung und Stromerzeugung

Moor-PV bezeichnet die Nutzung degradierter Moorflächen zur Stromerzeugung durch Photovoltaikanlagen bei gleichzeitiger dauerhafter Wiedervernässung. Die Handreichung behandelt außerdem Potenziale, technische Herausforderungen und rechtliche Rahmenbedingungen.

Nach Angaben des Fraunhofer ISE sind derzeit rund 70 Prozent der ehemals intakten Moore in Deutschland für die landwirtschaftliche Nutzung trockengelegt. Diese Flächen verursachten knapp sieben Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen Deutschlands. Projektleiterin Agnes Katharina Wilke erklärt, dass zur Erreichung der nationalen Klimaziele jährlich 50.000 Hektar degradierter Moorflächen wiedervernässt werden sollen.

Empfehlungen für Landwirtschaft und Projektentwicklung

Nach Angaben der Autoren kann Moor-PV die Wiedervernässung für landwirtschaftliche Betriebe wirtschaftlich attraktiver machen. Die Stromerzeugung biete eine zusätzliche Einnahmequelle für Flächeneigentümer und landwirtschaftliche Betriebe und könne zugleich den Flächendruck beim Ausbau der Photovoltaik verringern.

Franziska Tanneberger vom Greifswald Moor Centrum betont jedoch, dass ausschließlich entwässerte und stark degradierte Moorflächen für diese Doppelnutzung erschlossen werden sollten. Naturschutzfachlich wertvolle Moore sowie Moorböden innerhalb gesetzlicher Schutzgebiete seien davon auszunehmen.

Potenzial auf degradierten Moorflächen

Trotz dieser Einschränkungen weist die Handreichung auf ein großes Potenzial für die Moor-PV hin. Nach Angaben der Handreichung umfassen degradierte Moorböden in Deutschland rund 334.500 Hektar. Für landwirtschaftlich genutzte Moorböden ohne naturschutzrechtliche Einschränkungen wird ein technisches Potenzial von rund 134 bis 268 Gigawatt Peak (GWp) genannt. Zugleich weisen sie darauf hin, dass bislang nur wenige praktische Erfahrungen mit Moor-PV vorliegen und weiterer Forschungsbedarf besteht. Untersucht wird zudem, wie sich Photovoltaikanlagen künftig mit Paludikulturen kombinieren lassen.

Die Handreichung richtet sich an Landwirtschaft, Solarbranche, Behörden und weitere Akteure, die Moor-PV-Projekte planen oder begleiten. Sie basiert auf Forschungsarbeiten aus dem vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) geförderten Projekt „MoorPower“.

Die Publikation „Moor-PV: Doppelter Klimaschutz durch Photovoltaik-Systeme auf wiedervernässten Moorböden” steht auf der Webseite des Fraunhofer ISE zum Download bereit.

Quelle: Fraunhofer ISE | www.solarserver.de © Solarthemen Media GmbH

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