LEE fordert Änderungen an der EEG-Novelle 2027

LEE-Vorsitzende Bärbel Heidebroek sitzt im grünen Hosenanzug auf einem Podium und spricht in ein Handmikrofon. Im Hintergrund sind Windenergie-Motive zu sehen.Foto: LEE Niedersachsen/Bremen
Bärbel Heidebroek bei einem früheren Branchentag des LEE Niedersachsen/Bremen. Die Verbandsvorsitzende fordert verlässlichere Rahmenbedingungen für Erneuerbare-Projekte.
Der LEE Niedersachsen/Bremen fordert sechs Änderungen an der EEG-Novelle 2027 und am Netzanschlusspaket. Der Verband warnt vor Investitionshemmnissen und wirtschaftlichen Folgen insbesondere für Niedersachsen und Bremen.

Das Bundeskabinett hat die Entwürfe für die EEG-Novelle 2027 und das Netzanschlusspaket nach Angaben des LEE am 29. Juli 2026 beschlossen. LEE-Vorsitzende Bärbel Heidebroek bezeichnete die Auseinandersetzung beim aktuellen Branchentag ihres Verbandes als „scharfen Konflikt zwischen Bund und Ländern“. Der LEE kritisiert insbesondere die von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche verantworteten Entwürfe. Aus Sicht des Verbandes gefährden sie die Industrie- und Standortpolitik der Länder. Heidebroek befürchtet, dass die Regelungen Investitionen in erneuerbare Energien erschweren und Arbeitsplätze sowie regionale Wertschöpfung gefährden könnten.

EEG-Novelle 2027: Kritik am Redispatch-Vorbehalt

Besonders kritisch bewertet der LEE die vorgesehenen Regelungen für sogenannte kapazitätslimitierte Gebiete. Dort soll nach Darstellung des Verbandes der Anspruch auf einen Netzanschluss entfallen. Betreiber müssten demnach ein Vertragsangebot des Netzbetreibers akzeptieren und mindestens sechs Jahre lang auf bis zu 20 Prozent ihrer Entschädigung für netzbedingte Abschaltungen verzichten.

Der LEE fordert, diesen Redispatch-Vorbehalt zu streichen. Banken würden keine Anlagen finanzieren, deren Einnahmen vom nicht kalkulierbaren Verhalten der Netzbetreiber abhingen, argumentiert der Verband. Nach Angaben des LEE bezweifeln zudem zwei Gutachten die Vereinbarkeit der Regelung mit dem EU- und Planungsrecht. Nähere Angaben zu diesen Gutachten enthält das Forderungspapier nicht. Konkrete Fälle bereits verweigerter Finanzierungen nennt der Verband ebenfalls nicht.

Leistungsgrenzen nur bei tatsächlichen Netzengpässen

Ab 2027 sollen neue Solarparks laut Forderungspapier höchstens 70 Prozent ihrer Leistung einspeisen dürfen. Für neue Windenergieanlagen an Land sei eine Grenze von 280 Watt je Quadratmeter Rotorfläche vorgesehen. Der LEE hält eine Begrenzung von Einspeisespitzen grundsätzlich für sinnvoll, lehnt ihre bundesweite und dauerhafte Einführung jedoch ab.

Nach seinem Vorschlag sollten die Grenzen nur in kapazitätslimitierten Gebieten gelten. Für bereits genehmigte oder bezuschlagte Projekte verlangt der Verband Übergangsfristen und Vertrauensschutz. Speicher am Anlagenstandort sollten angerechnet werden. Positiv bewertet der LEE, dass die Begrenzung am Netzanschluss und nicht an der Erzeugungsanlage gemessen werden soll. Dadurch könnte der Strom weiterhin vor Ort gespeichert oder für Wärme und Elektromobilität genutzt werden.

Auch die geplanten Differenzverträge will der Verband ändern. Mehrerlöse sollten erst abgeschöpft werden, wenn der Marktwert den Zuschlagswert um 15 Prozent übersteigt. Oberhalb dieser Grenze sollen Betreiber zehn Prozent der zusätzlichen Einnahmen behalten dürfen.

Weitere Forderungen betreffen Bioenergie und Photovoltaik

Darüber hinaus verlangt der LEE, jährlich mindestens 2.500 Megawatt Bioenergieleistung auszuschreiben. Im Entwurf soll die jährliche Ausschreibungsmenge nach Darstellung des Verbandes auf etwa 500 Megawatt sinken. Die geplante Obergrenze für Windflächenpachten von 3,5 Prozent des möglichen Ertrags lehnt der LEE ebenfalls ab. Für Dachanlagen fordert er den Marktwert für Photovoltaik als Übergangslösung. Agri-PV, Moor-PV und Parkplatz-PV sollten in einem eigenen Ausschreibungssegment berücksichtigt werden.

Ergänzend haben LEE, Unternehmerverbände Niedersachsen, Avacon und EWE ein gemeinsames Forderungspapier zur Systemintegration der erneuerbaren Energien vorgelegt. Dazu gehören flexible Netzanschlüsse, die Überbauung von Netzverknüpfungspunkten und eine stärkere regionale Nutzung überschüssigen Stroms statt Abregelung. Nach Einschätzung der stellvertretenden UVN-Hauptgeschäftsführerin Bianca Beyer gefährdet fehlende Planungssicherheit Investitionen in Milliardenhöhe in Niedersachsen.

Quelle: LEE Niedersachsen/Bremen | www.solarserver.de © Solarthemen Media GmbH

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