Flexible Netzanschlussvereinbarung: Suena Energy vermarktet Photovoltaik-Graustrom-Speicher
Foto: Suena Energy Flexible Netzanschlussvereinbarungen können dazu beitragen, Batteriespeicher trotz knapper Netzkapazitäten schneller anzuschließen. Die Umsetzung im operativen Betrieb zeigen der Hamburger Batterievermarkter Suena Energy und der Allgäuer Projektentwickler Cell Mind am Standort Nägeleried in Bayern. Unter den Bedingungen eines dynamischen Flexible Connection Agreements (FCA) vermarktet Suena Energy dort einen Co-Located Graustrom-Speicher. Das von Cell Mind betriebene Batteriespeichersystem mit 6,9 MW Leistung und 13,8 MWh Kapazität ergänzt eine Photovoltaik-Anlage mit 5,7 MW Leistung. Beide Anlagen nutzen denselben Netzverknüpfungspunkt. Als Graustromspeicher kann die Batterie sowohl aus der PV-Anlage als auch aus dem Netz laden. Die Photovoltaik-Anlage vermarktet Suena Energy seit 2025, den Batteriespeicher seit 2026.
Für den gemeinsamen Netzanschluss gilt ein dynamischer FCA mit dem Netzbetreiber Allgäunetz. Dieser kann die zulässige Einspeise- und Entnahmeleistung für den Speicher reduzieren, wenn man für den Folgetag einen lokalen Netzengpass prognostiziert. Dazu übermittelt die Netzleitstelle am Vortag die zulässigen Maximalwerte über eine digitale Schnittstelle, eine sogenannte API. Die Leistungsgrenzen von Allgäunetz fließen dadurch automatisch in die Handelsoptimierung und Anlagensteuerung des Speichers ein. Gibt Allgäunetz keine Einschränkung vor, steht die vereinbarte Leistung am Netzverknüpfungspunkt vollständig zur Verfügung. Demnach kann der Speicher im Normalfall seine volle Leistung nutzen. Nur bei einem erwarteten Netzengpass begrenzt man den Speicherbetrieb vorübergehend in den betroffenen Zeiträumen.
Eine dynamische Leistungsbegrenzung ist laut Suena Energy vor allem dann mit dem operativen Betrieb vereinbar, wenn die Vorgaben des Netzbetreibers zuverlässig und automatisiert in die Fahrplanerstellung einfließen. Die Fahrpläne legen fest, wann und mit welcher Leistung der Speicher Strom aufnimmt oder abgibt. Für Nägeleried hat man deshalb eine individuell entwickelte Schnittstelle geschaffen, die die von Allgäunetz bereitgestellte API direkt mit dem Suena Energy Trading Autopilot verbindet. Die KI-basierte Vermarktungsplattform verarbeitet dadurch die übermittelten Grenzwerte als zusätzliche Bedingungen für die Optimierung. Auf dieser Grundlage werden Fahrpläne automatisiert für die Großhandels- und Regelenergiemärkte erstellt und der Speicherbetrieb an die tatsächlich verfügbare Netzanschlussleistung angepasst. So kann man den der Speicher in dem Umfang vermarkten und steuern, wie es das Netz vor Ort zulässt.
„Nägeleried war für uns das erste Projekt mit einer vollständig dynamischen FCA im operativen Betrieb. Weil der Netzbetreiber die Beschränkungen mit ausreichendem Vorlauf ankündigt, können wir unsere Handelsstrategie rechtzeitig anpassen und das Erlöspotenzial unter diesen Bedingungen bestmöglich nutzen. Entscheidend war die konstruktive und transparente Zusammenarbeit von Energiekoppler, Allgäunetz, Cell Mind und Suena Energy. Die dabei gewonnenen Erfahrungen fließen direkt in weitere Projekte ein“, sagt Ida Ballmann, Senior Energy Market Manager bei Suena Energy.
Die technische Schnittstelle zwischen Netzanschluss und Anlage sowie die Steuerung übernimmt das Dresdener Technologieunternehmen Energiekoppler. Damit reicht die digitale Prozesskette von der Vorgabe des Netzbetreibers über die Handelsoptimierung bis zur physischen Steuerung des Batteriespeichers.
Flexible Netzanschlussvereinbarung im EnWG vorgesehen
Flexible Netzanschlussvereinbarungen sind in § 17 Abs. 2b EnWG vorgesehen und für Erneuerbare-Energien-Anlagen enthält § 8a EEG ergänzende Regelungen. Netzbetreiber können darin statische oder dynamische Begrenzungen der maximalen Einspeise- und Entnahmeleistung vereinbaren. Für Speicher besteht bisher jedoch keine ausdrückliche Verpflichtung des Netzbetreibers, einen flexiblen Anschluss anzubieten. Die konkrete Ausgestaltung erfolgt daher bilateral. Unterschiede bei Leistungsgrenzen, Vorlaufzeiten, Datenformaten und technischen Prozessen erhöhen dadurch den Implementierungsaufwand für Betreiber, Vermarkter und Dienstleister.
Das Graustrom Co-Located-Speicherprojekt in Nägeleried zeigt, dass sich ein dynamischer FCA technisch und operativ in die Speichervermarktung integrieren lässt. Damit sich dieses Modell auf weitere Projekte und Netzgebiete übertragen lässt, braucht es aus Sicht von Cell Mind und Suena Energy einheitliche Kommunikationsstandards für den Datenaustausch zwischen Netzbetreiber, Vermarktungsplattform und Anlage sowie verlässliche regulatorische Leitplanken. Nägelried schafft dafür eine technisch erprobte Grundlage und dient als Referenz für weitere gemeinsame Projekte.
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Quelle: Suena Energy | solarserver.de © Solarthemen Media GmbH