Fahrzeugintegrierte Photovoltaik: Solarmodule auf Lkw könnten Dieselimporte deutlich senken
Foto: ASOMWäre die europäische Lkw- und Aufliegerflotte flächendeckend mit Solarmodulen ausgerüstet, ließen sich rund sechs Milliarden Liter Diesel im Jahr einsparen, gut 104.000 Barrel am Tag. Das entspricht knapp einem Zehntel der europäischen Dieseleinfuhren. Grundlage der Zahlen ist das Projekt Solarmoves, eine Untersuchung im Auftrag der Generaldirektion Mobilität und Verkehr (DG MOVE) der Europäischen Kommission, die in diesem Jahr erschienen ist.
Nach wie vor führt die EU mehr als 90 Prozent ihres Rohöls und rund ein Fünftel ihres Diesels ein. Fahrzeugintegrierte Photovoltaik, englisch Vehicle Integrated Photovoltaics (VIPV), reduziert diese Menge. Der Strom wird auf der Fahrzeugoberfläche erzeugt und steht dort, wo er verbraucht wird, sofort zur Verfügung. Der Dieselverbrauch sinkt unmittelbar, weil die Lichtmaschine weniger leisten muss und der Motor seltener im Leerlauf läuft. Da sich die Solarmodule auf Aufliegern nachrüsten lassen, die heute im Einsatz sind, wirkt die Maßnahme auch bei einem Fahrzeugbestand, dessen Durchschnittsalter auf europäischen Straßen bei 14 Jahren liegt.
„Fahrzeugintegrierte PV ist längst keine Zukunftstechnologie mehr. Die Module, die heute auf europäische Auflieger kommen, sind leicht und mechanisch so robust, dass sie 20 Jahre Straßeneinsatz überstehen. Ihre 4 bis 9 Prozent Einsparung erreichen sie im realen Betrieb, nicht im Labor”, sagt Martin Heinrich, Vorsitzender der Alliance for Solar Mobility (ASOM).
Lkw fahren noch lange mit Diesel
Kaum ein Bereich des Straßenverkehrs löst sich so schwer vom Diesel wie der schwere Güterverkehr, auf den laut ASOM mehr als ein Viertel der CO₂-Emissionen auf Europas Straßen entfällt. Die Elektrifizierung schreitet voran, doch die Lkw und Auflieger, die heute unterwegs sind, bleiben noch Jahre im Dienst, während man diese Flotte aufbaut. Die Technik hilft in beiden Fällen. Während beim Verbrennungsmotor Dieselverbrauch und Emissionen sinken, versorgt sie dieselben Nebenverbraucher, schont die Traktionsbatterie und entlastet das Stromnetz.
In Vecto, dem EU-Simulationsinstrument zur Ermittlung der offiziellen Verbrauchswerte schwerer Nutzfahrzeuge, findet der an Bord erzeugte Solarstrom bislang keine Berücksichtigung. ASOM unterstützt die Ergebnisse von Solarmoves und fordert die Europäische Kommission und die Mitgliedstaaten auf, VIPV in Vecto und dessen Anhängermodul aufzunehmen sowie die Technologie in der europäischen Energiesicherheitsplanung als Maßnahme auf der Nachfrageseite zu behandeln und nicht allein als Fahrzeugtechnik. Erst mit der Anerkennung in Vecto wird aus der Einsparung ein Anreiz, den die Mitgliedstaaten anschließend an die Maut oder Steuer-Vergünstigungen koppeln sollten.
Quelle: ASOM | solarserver.de © Solarthemen Media GmbH