Bund der Energieverbraucher startet Energy Sharing: Mitmachstrom
Foto: alphaspirit / stock.adobe.comDer Bund der Energieverbraucher hat mit Mitmachstrom ein Modell zum Energy Sharing ins Leben gerufen. Die Idee sogenannter Strom-Communitys sei wie geschaffen für den Bund der Energieverbraucher, teilte die Organisation mit. Erzeuger und -verbraucher schließen sich zusammen, um sich gemeinschaftlich, günstig und sauber mit Strom zu versorgen. Die Community “Mitmachstrom” stehe Mitgliedern und anderen Vereinen offen. Auch Firmen und Kommunen könnten sich anschließen..
Hintergrund für den nun erfolgten Startschuß sei, dass die Bundesnetzagentur im Juli 2026 klargestellt habe, dass: Netzbetreiber keine eigene Infrastruktur für Energy Sharing (§ 42c EnWG) bauen müssen. Echtes Sharing bräuchte flächendeckende Smart Meter, deren Rollout kaum vorankommt. Praktisch heiße das, dass Mitmachstrom das Bilanzkreismodell nutze – nur mit einem Lesekopf am vorhandenen digitalen Zähler. Das Modell biete ferner jetzt schon die 2027 für neue kleinen Anlagen zur Pflicht werdende Direktvermarktung des Solarstroms an.
Konkret vernetze Mitmachstrom die Erzeuger und Verbraucher von PV-Strom unkompliziert digital. Die einen verkauften Strom, die anderen kauften ihn. Den Preis legten die Mitglieder individuell fest. Reiche die Menge des in der Community produzierten Stroms nicht aus, komme der Rest automatisch aus zertifiziertem Ökostrom.
Digitaler Lesekopf notwendig
Nach der Anmeldung legten die Mitglieder über eine Web-App fest, von wem sie ihren Strom vorrangig beziehen bzw. an wen sie ihn bevorzugt verkaufen wollen. Der Strom fließe dabei über das öffentliche Netz. Physikalisch stamme die Kilowattstunde also in aller Regel nicht aus der PV-Anlage des jeweiligen Lieferanten. Aber es sei sichergestellt, dass nur so viel von ihm bezogen werden könne, wie er einspeise. Übersteige der Verbrauch die Erzeugung, steuere die Community den Rest aus zertifiziertem Ökostrom bei. Sei die Erzeugung höher als der Verbrauch, fließe der Überschuss zu den Konditionen der EEG-Vergütung ins öffentliche Netz.
Alle teilnehmenden Haushalte benötigen einen digitalen Stromzähler. Darauf werde ein digitaler Lesekopf befestigt, der für 3,90 Euro gemietet oder einmalig für 89 Euro erworben werden könne. Er übertrage Erzeugung und Verbrauch im Viertelstundentakt an die Community-Software und ermögliche so die Abrechnung.
Die PV-Stromerzeugenden sollen für ihren Strom mindestens so viel erhalten, wie sie bekämen, wenn sie ihn zu EEG-Konditionen ins Netz einspeisen würden. Liege der Preis in der Community über der EEG-Vergütung, bekommen sie die Differenz abzüglich einer Marge von einem Cent je Kilowattstunde. Mit Streichung der EEG-Vergütung gewännen die Erzeuger mit der Community zudem ein unkompliziertes Vermarktungsinstrument.
Der Anbieter der technischen Plattform sei die Düsseldorfer Firma WeShareEnergy. Sie organisiere bereits zahlreiche Strom-Communitys bundesweit – und künftig auch die des Vereins unter dem Namen Mitmachstrom. Für ihre Dienste berechne sie einen Cent je gehandelter Kilowattstunde. Der Bund der Energieverbraucher verdiene nichts an dem Angebot.
Quelle: Bund der Energieverbraucher | www.solarserver.de © Solarthemen Media GmbH