Wiener Kläranlage baut Solarfaltdach für 1,3 Millionen Euro

Drei Männer präsentieren an einem Klärbecken ein Solarmodul und eine Darstellung des geplanten Solarfaltdachs.Foto: Stadt Wien / Christian Jobst
Wiens Kläranlage nutzt Klärbecken für Sonnenstrom: Geschäftsführer der ebswien Direktor Günther Schmalzer, Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky und Bürgermeister Michael Ludwig.
Die Wiener Kläranlage will ein Vorklärbecken mit einer beweglichen Photovoltaikanlage überspannen. Das kommunale Unternehmen ebswien investiert rund 1,3 Millionen Euro in das Pilotprojekt und prüft anschließend einen weiteren Ausbau.

Auf der Wiener Kläranlage in Simmering soll bis Mitte 2027 ein Solarfaltdach mit 262 kWp Leistung entstehen. Die 504 Solarmodule werden auf 14 Modulbahnen über dem Becken „Vorklärung West 2“ installiert. Sie überspannen eine Fläche von rund 1.750 Quadratmetern und sollen jährlich etwa 260 MWh Solarstrom erzeugen.

Die Investitionskosten belaufen sich nach Angaben der Betreiberin ebswien auf rund 1,3 Millionen Euro. Das kommunale Unternehmen finanziert das Projekt aus seiner laufenden Geschäftstätigkeit. ebswien ist eine hundertprozentige Tochter der Stadt Wien.

Bewegliches Solardach hält Klärbecken zugänglich

Die Solarmodule hängen in Faltdachgruppen an gespannten Tragseilen. Die Konstruktion lässt sich innerhalb von rund 30 Sekunden vollständig ein- oder ausfahren. Dadurch bleibt das darunterliegende Vorklärbecken für Wartungs- und Reinigungsarbeiten zugänglich. Eine fest installierte Photovoltaiküberdachung kommt nach Angaben der Stadt Wien aus betrieblichen Gründen nicht infrage.

Eine Wettersteuerung soll das Solarfaltdach bei starkem Wind, Hagel oder heftigem Schneefall automatisch einfahren. Die wetterbedingten Schutzfahrten sind nach Angaben der Stadt Wien bereits in der Ertragsprognose berücksichtigt. Die Konstruktion erreicht eine Gesamthöhe von 6,3 Metern und wiegt rund 57 Tonnen.

Obwohl die Wiener Kläranlage derzeit mehr Energie erzeugt, als sie selbst benötigt, will die Betreiberin weitere erneuerbare Energiequellen erschließen. Im Jahr 2025 erreichte die Anlage nach Angaben der Stadt Wien bei Strom einen Eigenversorgungsgrad von 110 Prozent und bei Wärme von 173 Prozent.

Neue Abwasserreinigung könnte Strombedarf erhöhen

Künftig rechnet ebswien jedoch mit einem steigenden Energiebedarf. Hintergrund ist unter anderem die novellierte EU-Kommunalabwasserrichtlinie. Sie sieht eine weitergehende Reinigung des Abwassers vor, um anthropogene Mikroschadstoffe wie Rückstände von Medikamenten und Kosmetika zu entfernen. Zugleich führt die Richtlinie stufenweise Vorgaben zur Energieneutralität der Abwasserbehandlung ein. Die konkrete Umsetzung in österreichisches Recht steht noch aus.

Der Betrieb einer solchen vierten Reinigungsstufe könnte den Energieverbrauch der Kläranlage nach Einschätzung von ebswien zum Teil beträchtlich erhöhen. Das gelte insbesondere, wenn dafür eine Ozonung eingesetzt werde. Welches Verfahren in Wien zum Einsatz kommen soll, steht demnach noch nicht fest.

Nach der geplanten Inbetriebnahme des Solarfaltdachs will ebswien untersuchen, wie sich die Konstruktion im laufenden Kläranlagenbetrieb bewährt. Entscheidend seien vor allem die Zugänglichkeit des Beckens bei Wartungsarbeiten und der tatsächlich erzielte Solarstromertrag.

Von diesen Betriebserfahrungen und der Umsetzung der vierten Reinigungsstufe sollen mögliche weitere Investitionen abhängen. Eine Machbarkeitsstudie weist auf dem Gelände insgesamt rund 46.000 Quadratmeter Beckenfläche als grundsätzlich geeignet für Solarfaltdächer aus. DHP Technology errechnet daraus ein theoretisches Erzeugungspotenzial von rund 6,8 GWh Solarstrom pro Jahr. Dabei handelt es sich um eine Hochrechnung des erwarteten Ertrags der Pilotanlage auf die untersuchte Fläche.

Nach dem Solarfaltdach auf der Kläranlage des Abwasserverbandes Grazerfeld in Wildon ist Wien das zweite Projekt dieser Art, das DHP Technology in Österreich umsetzen will.

Quelle: dhp Technology AG / ebswien kläranlage & tierservice Ges.m.b.H. | www.solarserver.de © Solarthemen Media GmbH

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