SUNRISE entwickelt formbare Photovoltaikprodukte

Gruppenfoto der Partner des EU-Projekts SUNRISE vor einem Gebäude des AIMEN Technology Centre im spanischen O Porriño.Foto: AIMEN Technology Centre
Zwölf Partner aus acht europäischen Ländern entwickeln im Projekt SUNRISE formbare und recycelbare Photovoltaikprodukte aus Faserverbundwerkstoffen.
Das EU-Projekt SUNRISE entwickelt glasfreie Photovoltaikprodukte aus Faserverbundwerkstoffen. Die leichten, recycelbaren und frei formbaren Lösungen richten sich an Fahrzeuge, Gebäude, Infrastruktur und maritime Anwendungen.

Zwölf Partner aus acht europäischen Ländern wollen eine gemeinsame Fertigungsplattform für Photovoltaikprodukte aus faserverstärkten Kunststoffen aufbauen. Die Solarzellen werden dabei direkt in die Verbundstrukturen eingebettet. Das Projekt läuft über 36 Monate bis Mai 2029 und verfügt über ein Gesamtbudget von 7,27 Millionen Euro. Die EU steuert im Rahmen von Horizon Europe 6,43 Millionen Euro bei.

Der Projektstart fand bereits am 25. und 26. Juni 2026 in O Porriño in Spanien statt, wie jetzt bekannt wurde. Gastgeber und Koordinator ist das AIMEN Technology Centre. Das Konsortium plant, die entwickelten Fertigungsverfahren auf industriellen Maßstab zu übertragen. Drei Demonstratoren sollen Technologiereifegrad 7 erreichen.

Fertigungsplattform für Photovoltaikprodukte aus Faserverbund

SUNRISE verbindet die Verarbeitung von Faserverbundwerkstoffen mit automatisierter Prozessüberwachung, neuen Verschaltungs- und Verkapselungstechniken sowie digitalen Werkzeugen. Flexible Laserverfahren sind dafür vorgesehen, Solarzellen in unterschiedliche Geometrien zu schneiden. Für die elektrische Verbindung entwickelt das Konsortium unter anderem einen bandbasierten Stringing-Prototyp mit höherer Drahtdichte und Materialien, die mit Faserverbundstrukturen kompatibel sind.

Multifunktionale Oberflächen entstehen durch Laserstrukturierung und Rolle-zu-Rolle-Replikation. Nach Angaben des Projekts sollen sie die Lichtaufnahme erhöhen, die Betriebstemperatur senken und die mechanische Widerstandsfähigkeit verbessern. Einschritt-Laminierung und Flüssig-Composite-Formgebung sollen flache, gekrümmte und komplex geformte Bauteile ermöglichen.

Das Konsortium plant zudem reversible Verbindungen für Reparatur, Demontage und Materialrückgewinnung. Digitale Zwillinge, Prozesssimulationen, Inline-Sensorik und ein digitaler Produktpass begleiten Entwicklung und Fertigung.

Demonstratoren für Fahrzeuge, Lärmschutzwände und Boote

Für die fahrzeugintegrierte Photovoltaik (VIPV) entwickelt SUNRISE gekrümmte Module. Das Projekt strebt mindestens 80 Prozent weniger Gewicht, um 30 Prozent geringere Balance-of-System-Kosten und mehr als halbierte Laminierungszeiten an.

Ein zweiter Demonstrator umfasst flache Module für Photovoltaik-Lärmschutzwände und damit für infrastrukturell integrierte Photovoltaik (IIPV). Nach Angaben des Konsortiums sollen sie mindestens 30 Prozent leichter sein und 98 Prozent des Wirkungsgrads eines TOPCon-Referenzmoduls erreichen. Vorgesehen ist zudem eine Belastbarkeit von 5.400 Pascal.

Für maritime Anwendungen plant SUNRISE eine komplex geformte PV-Struktur, die bündig und ohne Zwischenraum in ein Bootsdeck integriert wird. Das Konsortium nennt eine vergleichbare rutschhemmende Oberfläche und eine Kostensenkung von mehr als 20 Prozent als Ziele. Alle drei Demonstratoren sollen Beständigkeitsprüfungen nach IEC 61215 und IEC 61730 durchlaufen.

Integrierte Photovoltaik benötigt neue Bauformen

Konventionelle, glasgeschützte Module sind der Mitteilung zufolge schwer, starr und nur eingeschränkt für gekrümmte oder komplexe Oberflächen geeignet. Dauerhafte Verklebungen erschweren zudem Demontage, Reparatur und Recycling. SUNRISE adressiert damit neben der fahrzeugintegrierten Photovoltaik (VIPV) auch infrastrukturell integrierte Photovoltaik (IIPV), gebäudeintegrierte Photovoltaik (BIPV) sowie mobile Solaranwendungen.

Den politischen Rahmen bilden laut Projektmitteilung der Net-Zero Industry Act und der Green Deal Industrial Plan der EU. Sie sollen den Ausbau europäischer Fertigungskapazitäten für Solartechnik unterstützen. Am Konsortium sind sechs Forschungseinrichtungen und Hochschulen, fünf kleine und mittlere Industrieunternehmen sowie ein Dienstleister beteiligt. Aus Deutschland wirken das ISC Konstanz, die Fraunhofer-Gesellschaft, Forster System-Montage-Technik und die Universität Freiburg mit.

Quelle: Becquerel Institute / AIMEN Technology Centre | www.solarserver.de © Solarthemen Media GmbH

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