BSH-Insolvenz: Solartechnikbetrieb sucht Investor
Grafik: CrazyCloud / stock.adobe.comDas Amtsgericht Schweinfurt hat die vorläufige Insolvenzverwaltung angeordnet und Rechtsanwalt Dr. Alexander Zarzitzky von der Anchor Rechtsanwaltsgesellschaft mbH bestellt. BSH beschäftigt derzeit rund 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Augustgehälter seien laut Pressemitteilung regulär ausgezahlt worden; für die kommenden Monate werde die Vorfinanzierung des Insolvenzgeldes vorbereitet.
BSH-Insolvenz nach Nachfragerückgang und Forderungsausfällen
Als Ursachen für die wirtschaftliche Schieflage nennt das Unternehmen mehrere Faktoren. Bereits 2024 sei die Nachfrage im Privatkundengeschäft deutlich zurückgegangen. Ein 2025 erstelltes und validiertes Restrukturierungskonzept habe nicht die erwartete Wirkung erzielt. Es sah unter anderem einen Personalabbau und niedrigere Fixkosten vor. Zusätzlich hätten Forderungsausfälle insolventer Tochtergesellschaften die Bilanz belastet. In der vorangegangenen Wachstumsphase hatte BSH seine Belegschaft auf durchschnittlich 153 Beschäftigte im Jahr 2025 ausgebaut.
Das 2009 gegründete Unternehmen plant, vertreibt, installiert und wartet Photovoltaikanlagen und Batteriespeicher. Zum Angebot gehören außerdem Wärmepumpen, Wallboxen und Energiemanagementsysteme sowie die Vermittlung von Stromtarifen. Im Endkundengeschäft konzentrierte sich BSH nach eigenen Angaben in erheblichem Umfang auf Produkte der Senec GmbH.
Laufende Solarprojekte sollen fortgeführt werden
Der vorläufige Insolvenzverwalter prüft derzeit die wirtschaftliche Lage und führt Gespräche mit Geschäftspartnern. Der laufende Betrieb sei nicht eingestellt worden. BSH und der Insolvenzverwalter wollen kurzfristig Kontakt zu Kundinnen und Kunden aufnehmen, um möglichst viele geplante Projekte fortzuführen und abzuschließen. „Die Aufrechterhaltung des laufenden Betriebs und die Sicherstellung der Gehaltsfortzahlung haben für uns jetzt oberste Priorität”, sagt Zarzitzky. Dafür müsse sich das vorläufige Insolvenzverwaltungsteam zunächst einen Überblick über die Auftragslage verschaffen.
Kurzfristig soll eine gezielte Investorensuche beginnen. Ziel ist nach Angaben des Insolvenzverwalters eine Sanierungslösung, bei der ein Investor in das Unternehmen einsteigt und den Geschäftsbetrieb fortführt.
Solarhandwerk im Umbruch
Die BSH-Insolvenz fällt in eine Konsolidierungsphase des deutschen Solarmarkts. Besonders unter Druck stehen Anbieter, deren Geschäft vor allem auf Photovoltaikanlagen für private Hauseigentümer ausgerichtet ist. Nach einer vorläufigen Auswertung des Bundesverbands Solarwirtschaft (BSW-Solar) wurden 2025 in Deutschland Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von rund 17,5 Gigawattpeak neu installiert. Das lag etwa auf dem Niveau des Vorjahres, für das der Verband rund 17,7 Gigawattpeak ausweist.
Hinter dem insgesamt nahezu stabilen Markt entwickelten sich die einzelnen Segmente unterschiedlich. Während der Zubau von Solarparks 2025 gegenüber 2024 zulegte, ging die neu installierte Leistung im PV-Heimsegment mit Anlagen bis einschließlich 30 Kilowattpeak laut BSW-Solar von rund 6,8 auf rund 5,2 Gigawattpeak zurück. Das entspricht einem Rückgang von rund einem Viertel.
Ein stabiler Gesamtmarkt bedeutete damit nicht automatisch eine stabile Auftragslage für Betriebe, die vor allem private Dachanlagen planen und installieren. Bei BSH kamen nach Unternehmensangaben zum Nachfragerückgang im Privatkundensegment ein nicht ausreichend wirksames Restrukturierungsprogramm sowie Forderungsausfälle insolventer Tochtergesellschaften hinzu. Ob der Betrieb dauerhaft fortgeführt werden kann, hängt nun insbesondere davon ab, in welchem Umfang laufende Kundenprojekte gesichert und abgeschlossen werden können und ob die Investorensuche zu einer tragfähigen Sanierungslösung führt.
Quelle: Anchor / BSW-Solar | www.solarserver.de © Solarthemen Media GmbH