Digitaler Zwilling für Energienetze: Kapital für Fraunhofer-Spin-off

Drei Männer in Jeans und weißen T-Shirts stehen in den Geschäftsräumen nebeneinander und blicken lächelnd in die Kamera.Foto: retoflow GmbH
Die Geschäftsführung von retoflow (von links): Simon Drauz-Mauel, Jannis Kupka und Dr.-Ing. Leon Thurner.
Die BM H Beteiligungs-Managementgesellschaft Hessen mbH beteiligt sich mit einem siebenstelligen Betrag an der retoflow GmbH. Die Ausgründung aus dem Forschungsumfeld des Fraunhofer IEE und der Universität Kassel entwickelt Software für die gemeinsame Planung von Strom-, Gas- und Wärmenetzen.

Die Investition von BM H läuft über die HessenFonds Beteiligungen GmbH in retoflow. Deren rechenfähiger digitaler Zwilling für Energienetze führt vorhandene Netzdaten zusammen. Versorgungsunternehmen sollen damit künftige Entwicklungen simulieren, Engpässe erkennen und Ausbauentscheidungen vorbereiten können. Investitionsbetrag und Beteiligungsquote sind nicht genannt.

Digitaler Zwilling für Energienetze verbindet Versorgungssparten

Nach Darstellung der BM H müssen Stromnetze ausgebaut und Wärmenetze neu geplant oder erweitert werden, während Gasnetze perspektivisch zurückgebaut oder stillgelegt werden. Entscheidungen in einer Versorgungssparte können dadurch die Anforderungen an andere Netze verändern. Zugleich liegen Infrastrukturdaten häufig in unterschiedlichen Systemen und Formaten vor.

retoflow führt diese Daten laut Pressemitteilung auf einer gemeinsamen Grundlage für die Netzplanung zusammen. Stadtwerke und Netzbetreiber können verschiedene Szenarien berechnen und mögliche Maßnahmen zur Verstärkung oder zum Ausbau ihrer Netze prüfen. Stromnetze bilden bislang den Schwerpunkt. Die Modellierungs- und Simulationsverfahren kommen jedoch nach Angaben der BM H zunehmend auch bei Gas-, Wasser- und Wärmenetzen zum Einsatz.

Forschung am Fraunhofer IEE als Grundlage

Die Gründer Dr. Leon Thurner, Jannis Kupka und Simon Drauz-Mauel arbeiteten am Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik IEE und an der Universität Kassel an der Modellierung von Netzen. BM H zufolge waren sie maßgeblich an der Entwicklung der weltweit genutzten Open-Source-Standards pandapower und pandapipes beteiligt. Aus diesem Forschungsumfeld heraus gründeten sie die von der BM H als Deep-Tech-Unternehmen bezeichnete retoflow GmbH.

Aus ersten Pilotprojekten sei ein Softwaregeschäft mit langfristigen Kundenbeziehungen und steigenden wiederkehrenden Umsätzen entstanden, teilt die BM H mit. retoflow gewinne erste internationale Kunden und habe über mehrere Geschäftsjahre profitabel gewirtschaftet ohne konkrete Kundenzahlen und Umsätze zu nennen.

Beteiligung soll weitere Anwendungen ermöglichen

„Mit der Finanzierung können wir unseren bisherigen Wachstumskurs fortsetzen und unsere Technologie für weitere Kundengruppen verfügbar machen“, sagt Thurner, Mitgründer und Geschäftsführer von retoflow. Die BM H ist eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der Helaba. Sie verwaltet nach eigenen Angaben sechs Fonds mit einem Gesamtvolumen von 450 Millionen Euro und hat seit ihrer Gründung 2001 in mehr als 500 Unternehmen investiert. Deep Tech und Cleantech gehören zu ihren Investitionsbereichen.

Die Beteiligung soll die Weiterentwicklung und den Vertrieb einer Software unterstützen, mit der Netzbetreiber Veränderungen mehrerer Versorgungssparten gemeinsam berechnen können.

Quelle: retoflow GmbH | www.solarserver.de © Solarthemen Media GmbH

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