Tesvolt-Großspeicher sollen Lastspitzen auf dem Oktoberfest abfangen
Foto: Tesvolt AGMP Elektrotechnik führt Stromausfälle auf Überlastungen zurück
Laut MP Elektrotechnik stellen viele Wirte seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine von Gas- auf Elektrogeräte um. Auch strengere städtische Abgasvorgaben trügen zu dieser Entwicklung bei. Hinzu kommen leistungsstarke Heizstrahler im Außenbereich, die nach Angaben des Elektrobetriebs zeitweise bis zu 150 Kilowatt (kW) pro Zelt benötigen.
Nach weiteren Angaben stehen einem großen Festzelt rund 420 kW Anschlussleistung zur Verfügung. Der tatsächliche Bedarf stieg demnach in Spitzenzeiten auf mehr als 500 kW. Im vergangenen Jahr kam es im Löwenbräu-Festzelt zweimal zu einem kompletten Stromausfall; im Zelt der Pschorr-Bräurosl einmal während des laufenden Betriebs. MP Elektrotechnik zufolge führten Überlastungen des Zeltnetzes zu den Ausfällen. Eine unabhängige Bestätigung von Ursache oder Messwerten durch die Stadtwerke München liegt bisher nicht vor.
Großspeicher arbeiten als Peak-Shaver, nicht als Notstromanlage
Der Münchner Fachbetrieb MP Elektrotechnik hat die beiden Festzelte mit drei Großspeichern des Typs Tesvolt Forton ausgestattet. Die Systeme waren zum Zeitpunkt der Auskunft mechanisch montiert und sollten im Laufe dieser Woche im Testbetrieb ans Netz gehen. Jeder Speicher verfügt nach Angaben von Tesvolt über eine nutzbare Kapazität von 92 kWh. Im Zelt der Pschorr-Bräurosl sind zwei Speicher mit zusammen 184 kWh gekoppelt. Das System erreicht dort eine Lade- und Entladeleistung von 92 kW. Im Löwenbräu-Festzelt ist ein Speicher mit 92 kWh Kapazität und 92 kW Leistung installiert.
Die Systeme arbeiten parallel zur jeweiligen Niederspannungshauptverteilung. Übersteigt der Strombedarf die verfügbare Anschlussleistung, sollen sie innerhalb von Millisekunden bis zu 92 kW zusätzliche Leistung bereitstellen. Damit decken sie die von MP Elektrotechnik mit rund 80 kW bezifferte Differenz zwischen Anschlussleistung und Lastspitze ab.
Wichtig für die Einordnung ist: Bei voller Leistung kann das System in der Pschorr-Bräurosl die Lastspitze rechnerisch rund zwei Stunden abfangen, im Löwenbräu-Festzelt etwa eine Stunde. Die Speicher dienen dabei nicht der Vollversorgung bei einem kompletten Netzausfall. Eine autarke Netzersatzanlage für den Inselbetrieb ist nicht installiert. Die gewonnene Zeit soll dem Elektrobetrieb vor Ort die Möglichkeit geben, bei Bedarf einzelne Verbraucher wie Heizstrahler gezielt herunterzuregeln, bevor es zur Überlastung kommt. “Ein Stromausfall im voll besetzten Zelt ist der absolute Albtraum für jeden Wirt”, sagt Matthias Poeting, Geschäftsführer von MP Elektrotechnik München. Die Speicher verschafften ihm jetzt die nötige Zeit, um steuernd einzugreifen.
Kosten eines Netzausbaus nicht unabhängig beziffert
MP Elektrotechnik hält den Einsatz der mobilen Batteriespeicher für wirtschaftlicher als einen Ausbau der örtlichen Netzinfrastruktur. Nach Einschätzung des Fachbetriebs würde ein tiefgreifender Umbau mindestens sechsstellige Investitionen erfordern. Eine Kostenschätzung oder Stellungnahme der Stadtwerke München dazu liegt jedoch nicht vor.
Die in der Pressemitteilung genannte Amortisationszeit der Speicher von zwei bis drei Jahren lässt sich anhand der nachgereichten Angaben nicht nachvollziehen. MP Elektrotechnik erklärte auf Nachfrage, bei einer Nutzung an den 16 Tagen des Oktoberfests sei eine klassische Amortisation über den Strompreis kaum darstellbar. Die Angabe beruhe vielmehr auf einem Vergleich mit den angenommenen Kosten eines Netzausbaus. Angaben zu den Investitionskosten und zu den Eigentumsverhältnissen der Speicher machte das Unternehmen nicht.
“Das Oktoberfest ist für jede Technologie ein absoluter Stresstest unter Extrembedingungen”, sagt Tesvolt-Mitgründer Daniel Hannemann. Dem Unternehmen zufolge kommen die eingesetzten Speicher ohne Flüssigkeitskühlung aus. Das reduziere den Platzbedarf und mache flüssige Kühlstoffe entbehrlich.
Quelle: Tesvolt AG / MP Elektrotechnik München GmbH | www.solarserver.de © Solarthemen Media GmbH