Stadtwerke: Bilanzkreismodell als Alternative für Energy Sharing
Foto: ASEW / ModjourneyImmer mehr kommunale Stadtwerke wenden sich dem Bilanzkreismodell zu, um potenzielle Erzeuger von erneuerbaren Energien und Verbraucher zusammenzubringen. Wie Analysen und Befragungen des Stadtwerke-Netzwerkes Arbeitsgemeinschaft für sparsame Energie- und Wasserverwendung (ASEW), ist das für die Versorger attraktiver als das Energy Sharing nach § 42c EnWG.
So habe eine Umfrage unter 77 Stadtwerken im Rahmen eines thematisch verbundenen ASEW-Workshops gezeigt, dass rund ein Drittel das Modell konkret für Kommunen oder Gewerbekunden umsetzen zu wollen. Weitere 10 Prozent beschäftigen sich sowohl mit dem Bilanzkreismodell als auch mit Energy Sharing.
Auch die Einschätzung der aktuellen Entwicklungen in den jeweiligen Stadtwerken zeige eine zunehmende Relevanz des Themas. Rund 39 Prozent der Befragten berichteten von konkreten Anfragen zum Bilanzkreismodell. Etwa 24 Prozent beschäftigten sich aktiv mit der Entwicklung entsprechender Lösungen. Demgegenüber gaben rund 21 Prozent an, Anfragen zum Energy Sharing nach § 42c EnWG erhalten zu haben. Und nur sechs Prozent arbeiteten derzeit aktiv an Energy-Sharing-Modellen.
„Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass viele Stadtwerke aktuell nach praktikablen Möglichkeiten suchen, um lokal erzeugten Strom wirtschaftlich und rechtssicher nutzbar zu machen“, ordnet Christoph Landeck, Abteilungsleiter EDL & Innovationen bei der ASEW, die Ergebnisse ein. „Das Bilanzkreismodell wird dabei zunehmend als interessante Ergänzung oder Alternative zu komplexen Energy-Sharing-Konzepten wahrgenommen.“
Energy Sharing zu komplex
Ein wesentlicher Grund hierfür liege in den Herausforderungen, die derzeit mit Energy Sharing verbunden seien. Neben komplexen Prozessen bestünden weiterhin offene regulatorische Fragestellungen. Hinzu kämen vergleichsweise hohe Prozess- und Dienstleistungskosten für Direktvermarktung und Bilanzkreismanagement.
Das Bilanzkreismodell biete hier einige Vorteile. Erzeugungs- und Verbrauchsstellen würden innerhalb eines gemeinsamen Bilanzkreises zusammengeführt und einer juristischen Person, beispielsweise einer Kommune, zugeordnet. Voraussetzung sei eine Viertelstundenmessung. Gleichzeitig seien die zusammengefassten Strommengen deutlich größer als bei vielen Energy-Sharing-Anwendungen, wodurch die spezifischen Kosten für notwendige Dienstleistungen je Kilowattstunde sinken können.
Im Rahmen des ASEW-Austauschs stellten ferner fünf Stadtwerke unterschiedliche Varianten des Bilanzkreismodells vor. Im Mittelpunkt standen kommunale Anwendungsfälle, bei denen Strom aus kommunalen Erzeugungsanlagen bilanziell verschiedenen Verbrauchsstandorten zugeordnet werde. Ergänzend wurde ein Praxisbeispiel für einen Industriekunden präsentiert, dessen Verbrauchsstandorte bundesweit verteilt sind.
Die Diskussion machte jedoch auch deutlich, dass weiterhin erheblicher Klärungsbedarf besteht. Von einer Standardisierung der Modelle könne noch keine Rede sein. Die meisten Anwendungen befinden sich nach wie vor im Pilotstadium. Darüber hinaus wurden Fragen zur Wirtschaftlichkeit, zu steuerlichen Rahmenbedingungen, zur Bilanzierung sowie zur Kommunikation gegenüber Bürgerinnen und Bürgern intensiv diskutiert.
„Das Bilanzkreismodell entwickelt sich aktuell sehr dynamisch, gleichzeitig sind viele Fragestellungen noch nicht abschließend geklärt“, betont Landeck. „Deshalb sehen wir einen großen Bedarf für den Erfahrungsaustausch zwischen Stadtwerken. Gerade jetzt ist es wichtig, Best Practices sichtbar zu machen, Erkenntnisse zu teilen und gemeinsam tragfähige Lösungen zu entwickeln.“
Besonders aufmerksam verfolgten die Teilnehmer die Diskussion über wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Als positives Beispiel wurde ein Förderprogramm in Rheinland-Pfalz genannt, das Kommunen bei der Umsetzung entsprechender Modelle unterstützt und auch die Einbindung externer Dienstleister ermöglicht. Gleichzeitig wurden offene Fragen zur Strom- und Umsatzsteuer sowie zu den Auswirkungen der EmpCo-Richtlinie auf die Kommunikation kommunaler Projekte thematisiert.
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