Fraunhofer ISE: Preissimulator zeigt Einfluß von Batteriespeichern
Grafik: Fraunhofer ISEDas Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE hat auf seiner Plattform Energy-Charts.info einen Preissimulator veröffentlicht, um den Einfluß von Batteriespeichern auf die Preisentwicklung darzustellen. Wie das Institut mitteilte, kombiniert das Werkzeug die tatsächlichen Kauf- und Verkaufsgebote der täglichen Strombörsenauktion mit einer frei wählbaren Anzahl von Batteriespeichern. Nutzerinnen und Nutzer sehen für jede Viertelstunde, wie sich der Börsenstrompreis verändert hätte, wie die Batterien laden und entladen und welchen Ladestand sie haben. Der frei zugängliche Simulator werde täglich mit den neuen Ergebnissen des Stromhandels aktualisiert.
»Über die Wirkung von Batteriespeichern auf den Strompreis wird viel diskutiert, meist mit Modellen für die Zukunft. Unser Simulator setzt bei den real getätigten Geboten tagesaktuell an. Jede und jeder kann damit nachvollziehen, was mehr Speicher am Markt bewirkt hätten«, sagt Leonhard Gandhi, Projektleiter für die Energy-Charts am Fraunhofer ISE.
Batterieleistung bis 20 GW simulieren
Herzstück des Simulators sei ein interaktives Diagramm für jede Woche. Es zeige zum einen den realen Day-Ahead-Preis für Deutschland. Zum anderen berechnet es einen Preis mit der gewählten Batterieflotte, dazu die Leistung, mit der die Batterien laden und entladen, ihren Ladestand sowie die mögliche Einspeisung aus Solar- und Windenergie und den Stromverbrauch (Last). Drei Einstellungen ließen sich dabei frei kombinieren: Batterieleistung (0 bis 20 Gigawatt), Speicherdauer (zwei bis sechs Stunden) und Marktszenario. Bei letzterem ließe sich simulieren, wie Kraftwerke mit ihren mehrstündigen Blockgeboten auf die veränderten Preise reagieren. Außerdem würden die Nachbarländer über die Strommarktkopplung mitberücksichtigt. Alle Ergebnisse lägen dann in Viertelstundenauflösung vor und seien herunterzuladen.
Die Datengrundlage des Simulators sei ferner die von der europäischen Strombörse EPEX SPOT aggregierten Kauf- und Verkaufskurven der Day-Ahead-Auktion. In diesen Kurven stecke das gesamte Gebotsverhalten des Marktes eines Tages. Der Simulator füge die Gebote der Batterieflotte hinzu. Sie kaufe Strom, wenn er billig ist, und verkaufe ihn, wenn er teuer ist. Jeder Kauf und Verkauf verschiebe die Kurven und damit den Preis, den alle anderen Marktteilnehmer erhielten. Die Batterien arbeiteten in der Simulation mit einem Wirkungsgrad von 86 Prozent. Ihre Alterungskosten je gespeicherter Megawattstunde (MWh) seien ebenfalls inkludiert.
Besonders aufwändig zu simulieren sei die Reaktion der Kraftwerke und unflexiblen Verbrauchern. Viele kauften oder verkauften ihren Strom in mehrstündigen Blöcken. Ändere die Batterieflotte die Preise, können solche Blöcke aus dem Markt fallen oder neu hineinkommen. Der Simulator rechne die Auktion mit diesen Blockgeboten explizit nach. Ein zweites Marktszenario bezieht die Nachbarländer ein, die über die Strommarktkopplung auf Preisänderungen in Deutschland reagieren. Der Rechenaufwand sei erheblich. Für jede Woche würden zweitausend Kombinationen aus Leistung, Speicherdauer und Szenario durchgerechnet.
2025 zeigt: Speicher würden Preisspitzen deutlich glätten
Das Institut hat ferner eine Auswertung der Ergebnisse des Jahres 2025 vorgenommen, und zwar im Szenario mit Blockgeboten und ohne grenzüberschreitenden Stromhandel. Würden 20 GW Batterien mit 2 Stunden Speicherdauer (entspricht 40 Gigawattstunden Kapazität) eingesetzt, sinke auch die Volatilität zwischen der teuersten und der billigsten Viertelstunde eines Tages von 130 auf 53 Euro pro MWh (-60 Prozent). Die Stunden mit Preisen über 200 Euro pro MWh sinken von 169 auf 20, die Stunden mit negativen Preisen von 575 auf 271. Der Marktwert von Solarstrom steige von 45,08 Euro pro MWh um 35 Prozent auf 61,02 Euro pro MWh.
Zwei Tage aus 2025 zeigen den möglichen Einfluß der Batteriespeicher exemplarisch. Am 20.01.2025, dem teuersten Tag des Jahres, hätten 20 GW Batterien die abendliche Preisspitze von 583 auf 221 Euro pro MWh gesenkt. Am 11.05. dagegen, dem Tag mit dem tiefsten Preis, hätten die Speicher den Mittagsstrom aufgenommen und den Preis von -250 auf -20 Euro angehoben.
Die Entwicklung des Strompreissimulators erhielt eine finanzielle Unterstützung durch ECO STOR GmbH, Bundesverband Neue Energiewirtschaft e.V. (bne), Harmony Energy GmbH, Return J&P GmbH, BELECTRIC GmbH, MaxSolar GmbH, FENECON GmbH, Kyon Energy Solutions GmbH und Remmers Solar GmbH.
Quelle: Fraunhofer ISE | www.solarserver.de © Solarthemen Media GmbH