Simulation: Batteriespeicher senken Strompreisspitzen

Eine Kurve mit Windenergie und Photovoltaik im Hintergrund, zusätzliche 20 GW Batteriespeicher würden in Deutschland die Börsenstrompreise senken.Foto: Miha Creative / stock.adobe.com
Ein Batteriespeicher-Ausbau um 20 GW könnte laut Simulation die Zahl der Stunden mit Preisen über 200 Euro pro MWh von 169 auf 20 senken.
Eine neue Fraunhofer-Simulation hat ergeben, dass zusätzliche 20 GW Batteriespeicher in Deutschland zu deutlich weniger Hochpreisstunden führen würden. Der Marktwert für Solarstrom würde um 35 Prozent steigen und das senkt den EEG-Förderbedarf um 1,2 Milliarden Euro pro Jahr.

Batteriespeicher können extreme Börsenstrompreise deutlich eindämmen und den Förderbedarf für Strom aus erneuerbaren Energien senken. Das zeigt eine neue Simulation des Fraunhofer ISE auf Basis realer Kauf- und Verkaufsgebote am Day-Ahead-Strommarkt des Jahres 2025. Die Simulation hat ergeben, dass zusätzliche Batteriespeicher die Zahl der Stunden mit Börsenstrompreisen über 200 Euro pro Megawattstunde senken und gleichzeitig den Marktwert von Solarstrom erhöhen. Zusätzliche 20 GW Batteriespeicherleistung könnte den Bundeshaushalt laut Hochrechnung um 1,2 Milliarden Euro bei den EEG-Kosten entlasten.

Weniger Strompreisspitzen, mehr Wert für Strom aus Erneuerbaren

Batteriespeicher kaufen Strom in günstigen Stunden und verkaufen ihn, wenn er teuer ist. Am Markt sinken dadurch die Preise in Hochpreisstunden, während besonders niedrige Preise steigen. Die Jahresauswertung für zusätzliche 20 GW Batteriespeicher mit einer Speicherdauer von nur 2 h zeigt:

  • Die Zahl der Stunden mit Preisen über 200 Euro/MWh sinkt von 169 auf 20 – ein Rückgang um rund 88 Prozent.
  • Die Dauer negativer Strompreise sinkt von 575 auf 271 Stunden – ein Rückgang um rund 53 Prozent.
  • Der Marktwert von Solarstrom steigt dabei von rund 45 auf 61 Euro/MWh – ein Plus von rund 35 Prozent.
  • Der höhere Marktwert von Solarstrom kann damit den EEG-Förderbedarf rechnerisch um bis zu 1,2 Milliarden Euro jährlich senken

„Die Studienergebnisse zeigen sehr konkret, wie Speicher aus einem volatilen Stromangebot ein flexibleres System machen. Wer über bezahlbaren Strom spricht, muss deshalb auch über Speicher sprechen“, sagt Urban Windelen, Geschäftsführer des BVES.

Regulatorischer Rahmen hemmt Batteriespeicher-Ausbau

Der Markt reagiert bereits auf den wachsenden Flexibilitätsbedarf. Nach Daten von Energy-Charts stieg die installierte Batteriespeicherleistung in Deutschland allein im ersten Halbjahr 2026 von 16,8 auf 19,2 GW. Doch viele dieser Batteriespeicher orientieren sich noch nicht konsequent am Markt. Gerade im Heimbereich speichern diese Strom schon morgens ein und während der Mittagsspitze ist der Speicher dann bereits voll. Gleichzeitig wird der Ausbau weiterhin durch regulatorische und netzseitige Rahmenbedingungen begrenzt. Aus Sicht der Bundesverbände Neue Energiewirtschaft (BNE) und Energiespeicher Systeme (BVES) muss der Bund jetzt sicherstellen, dass Speicher ihre Wirkung auch tatsächlich entfalten können.

„Die Fraunhofer Daten eröffnen einen Blick in die Zukunft: Batteriespeicher fangen Preisspitzen ab, machen Solarstrom wertvoll und entlasten so den Bundeshaushalt. Der wissenschaftliche genaue Blick zeigt: Speicher und Erneuerbare sind natürliche Partner“, sagt BNE-Geschäftsführer Robert Busch. Wenn man sie lässt, machen sie günstigen heimischen Strom jederzeit für jedermann verfügbar.“

Drei Stellschrauben für mehr Flexibilität

Netzanschlüsse beschleunigen

Betreiber müssen Großspeicher nach Ansicht der Verbände schnell und transparent an das Stromnetz anschließen können. Wo Netzkapazitäten knapp sind, braucht es nachvollziehbare Priorisierungskriterien und praktikable flexible Netzanschlussmodelle. Entscheidend sollte der konkrete Beitrag eines Projekts zur jeweiligen Netzsituation sein – nicht die Technologie allein.

Co-Location ermöglichen

Speicher können insbesondere gemeinsam mit Solar- und Windanlagen einen zusätzlichen wirtschaftlichen Nutzen schaffen. Der aktuelle EEG-Reformprozess darf deshalb nicht dazu führen, dass der Bund solche Kombinationen wirtschaftlich schlechter stellt. Der geplante Abschöpfungsmechanismus muss so ausgestaltet werden, dass er Investitionen in zusätzliche Flexibilität nicht ausgebremst.

Heimspeicher aktivieren

Heimspeicher müssen am Strommarkt teilnehmen können. Dafür braucht es einen schnelleren Smart-Meter-Rollout, verlässliche Messdaten und bundesweit einheitliche, digitale Prozesse für die Direktvermarktung kleiner Anlagen. Dynamische Stromtarife und perspektivisch dynamische Netzentgelte müssen Flexibilität auch für Haushalte wirtschaftlich attraktiv machen.

Die vollständigen Ergebnisse der Simulation des Fraunhofer ISE zur Auswirkung von Batteriespeichern auf Börsenstrompreise sind interaktiv unter diesem Link verfügbar.

Quelle: BNE | solarserver.de © Solarthemen Media GmbH

Schließen