Honorarprofessur für Solarpionier Klaus Lambrecht
Foto: HFRLambrecht trug seit den Anfängen des Studiengangs Erneuerbare Energien an der HFR als einer der Lehrbeauftragten der ersten Stunde maßgeblich dazu bei, den damaligen Forsthochschul-Standort für die Themen nachhaltige Energieversorgung und Gebäudetechnik zu öffnen. Neben der Lehre im Hörsaal und bei Exkursionen betreute er zahlreiche Abschlussarbeiten und brachte Praxiserfahrung und hochaktuelles Wissen aus seiner Beratertätigkeit in die Ausbildung ein.
Impulsgeber für die Hochschulausbildung
Die HFR begründet die Verleihung des Titels auch mit Lambrechts strategischem Beitrag zur Weiterentwicklung der Studiengänge. Seinem Engagement sei es unter anderem zu verdanken, dass Studierende parallel zum Bachelorstudium die Qualifikation zur Gebäude-Energieberaterin oder zum Gebäude-Energieberater erwerben können. Zudem initiierte Lambrecht die Zusammenarbeit der Hochschule mit dem Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks. Daraus entstand ein Modell für einen Doppelabschluss aus Gesellenbrief und Bachelor.
Kritischer Politikberater mit Praxisbezug
Über die Hochschule hinaus ist Lambrecht als wissenschaftlicher Politikberater und Sachverständiger ein gefragter Mann. Er wirkte und wirkt in Forschungsprojekten unter anderem zu GEG, EnSimiMaV, EnEV, Wärmegesetzen, Normung, Energieberatung und Förderprogrammen mit. Als Mitglied des Gutachterteams des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie zur Novelle des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) arbeitete er beispielsweise an einer Begleitforschung mit, die im Vorfeld der jüngsten Novelle des GEG zum Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG) deutlich andere Akzente setzte als letztlich im beschlossenen Gesetz politisch umgesetzt wurden. Als assoziierter Wissenschaftler am Institut für Energie- und Umweltforschung (ifeu) in Heidelberg war Lambrecht zudem an der Entwicklung des Sanierungsfahrplans Baden-Württemberg und des Sanierungsfahrplans für Nichtwohngebäude beteiligt.
Lambrechts Beratungs- und Gutachtertätigkeit erstreckte sich in den vergangenen Jahren auf Kommunen, Bauwirtschaft, Fonds, Industrie, Ministerien, Verbände, Banken, Planungsbüros, Energieagenturen, die KfW, die dena und die GIZ. Auch international war Lambrecht in Projekten in China, auf dem Balkan und in den Maghreb-Staaten aktiv. Darüber hinaus coacht er Architektur- und Planungsbüros bei Energiekonzepten und energetischen Nachweisen, insbesondere beim Einsatz der DIN V 18599. Als Initiator und Leiter des Deutschen Energieberatertags sowie als Referent und in Webinaren verschiedener Organisationen erreicht er ein großes Fachpublikum.
Pionier des Solarbaus
Lambrechts fachlicher Ruf gründet auch auf seiner Pionierarbeit im solaroptimierten Bauen. Der gelernte Schornsteinfeger studierte Physik und Volkswirtschaftslehre in Freiburg, Edinburgh und München und gründete 1995 nach Stationen in Industrie und Forschung das Beratungsbüro ECONSULT Lambrecht Jungmann Partner mit Standorten in Rottenburg und Stuttgart.
Leben und Arbeiten mit der Sonne
Sein eigenes Wohn- und Bürogebäude „Solaroffice“ im schwäbischen Seebronn plante Klaus Lambrecht bereits in den 1990er Jahren. Er bewohnt und nutzt es bis heute. Das Gebäude erreicht nach Angaben des Bauherrn eine solarthermische Deckung von mehr als 70 Prozent des jährlichen Wärmebedarfs. Der gemessene Endenergiebedarf für Heizung und Warmwasser liegt bei 14,4 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr und damit deutlich unter den ursprünglichen Planwerten. Der Heizwärmebedarf beträgt weniger als zehn Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr und liegt damit unter dem Passivhausstandard. Gebäudehülle und Anlagentechnik hatte Lambrecht mithilfe dynamischer Gebäudesimulation optimiert und über nahezu drei Jahrzehnte weiterentwickelt.
HFR-Rektor Bastian Kaiser betonte in seiner Laudatio, dass die Hochschule den Titel nur selten vergibt. Die Ernennung sei einerseits eine Ehrung und ein Dank an Lambrecht, andererseits fühle sich die HFR selbst geehrt, ihn seit Langem als Lehrbeauftragten und nun als Mitglied des Professorenkollegiums gewonnen zu haben. Mit der Honorarprofessur will die HFR dabei auch den Praxisbezug eines Studiengangs würdigen und stärken, der Fachkräfte für die Energiewende im Gebäudebestand, in der kommunalen Wärmeplanung und in der Integration erneuerbarer Energien ausbildet.
Lambrecht erklärte, er verstehe die Auszeichnung als zusätzliche Motivation: „Die Hochschule und ihre Studierenden liegen mir einfach am Herzen und die Themen, die ich hier lehre sind nunmal meine Lebensaufgabe!“
Quelle: Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg, eigene Recherchen | www.solarserver.de © Solarthemen Media GmbH