Mehr Photovoltaik im Netzentwicklungsplan

Photovoltaikanlage vor UmspannwerkFoto: AdobeStock/weerayut
Photovoltaik kann den Netzausbau entlasten und belasten.
Die deutschen Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) erwarten bis 2035 rund 120–160 Prozent mehr Photovoltaik-Kraftwerkskapazität. Dies geht aus ihrem Entwurf des aktuellen Netzentwicklungsplans hervor. Der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) begrüßt den wachsenden Stellenwert der Solarenergie in den Ausbauszenarien, sieht aber einen deutlich höheren Bedarf.

Der BSW fordert deshalb von der Bundesregierung den Photovoltaikausbau noch in diesem Frühjahr gesetzlich zu beschleunigen. Der Verband begrüßt den im aktuellen Entwurf gegenüber früheren Prognosen gewachsenen Stellenwert der Photovoltaik im Netzentwicklungsplan Strom der ÜNB.

Der Verband der Solarunternehmen geht aber davon aus, dass die erwarteten solaren Kraftwerkskapazitäten bereits 2026/2027, errichtet sein müssen. BSW-Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig mahnt: „Andernfalls werden die Klimaziele verfehlt und eine Stromerzeugungslücke infolge des Atom- und Kohleausstiegs ist bereits in der ersten Hälfte der 20er-Jahre unvermeidlich.“

BSW fordert 4-fache PV-Leistung bis 2035

„Um den wachsenden Ökostromhunger verbrauchsnah zu decken, benötigen wir bis 2035 keine Verzweieinhalbfachung, sondern eine Vervierfachung der solaren Kraftwerkskapazität“, erklärt Dr. Martin Ammon. Er ist Geschäftsführer von EuPD Research und Autor der Studie „Energiewende im Kontext von Atom- und Kohleausstieg“. Er hat sie gemeinsam mit dem BSW und der Messe The smarter E Europe herausgegeben..

Nach Einschätzung von EuPD und BSW müssen die Kapazitäten von Batteriespeichern bis 2035 auf rund 30 Gigawatt gesteigert werden. Die Netzbetreiber erwarten hier je nach Szenario Zuwächse auf immerhin 16 bis 21 Gigawatt. Bislang wurden nach Angaben von EuPD Research gerade einmal 180.000 Gewerbe-, Heim- und Netzspeicher mit einer Kapazität von insgesamt rund einem Gigawatt in Deutschland installiert. Die installierte Photovoltaikleistung erreicht nach Daten der Bundesnetzagentur in Kürze die 50 Gigawatt-Marke. Nach BSW-Angaben sind in Deutschland inzwischen weit über 1,5 Millionen Solarstromanlagen in Betrieb.

Alle zwei Jahre Netzentwicklungsplan Strom

Die Übertragungsnetzbetreiber sind nach dem Energiewirtschaftsgesetz dazu verpflichtet, alle zwei Jahre einen Netzentwicklungsplan Strom zu erarbeiten. Der vorliegende Szenariorahmenentwurf steht am Beginn dieses Verfahrens. Nach einer öffentlichen Konsultation des Entwurfs und weiterer Prüfung wird die Bundesnetzagentur voraussichtlich im Sommer 2020 den Szenariorahmen genehmigen.

Die vom Bonner Markt- und Wirtschaftsforschungsunternehmen EuPD Research erstellte Studie „Energiewende im Kontext von Atom- und Kohleausstieg – Perspektiven im Strommarkt bis 2040“ liefert viertelstundengenau eine Prognose von Stromangebot und -nachfrage in Deutschland. Die Studie wurde in Kooperation mit dem BSW-Solar und der Innovationsplattform The smarter E Europe erarbeitet. Das Projekt wird unterstützt von BayWa r.e., E3/DC, Fronius, Goldbeck Solar, IBC Solar, Panasonic, SHARP, SIEMENS, sonnen, SUNTECH, TESVOLT und VARTA.

21.1.2020 | Quelle: Bundesverband Solarwirtschaft e.V. | solarserver.de
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