Solarthermie: Klimaneutrale Fernwärme für Görlitz und Zgorzelec

Zu sehen sind Thomas Schmidt (sächsischer Minister für Regionalentwicklung), Oberbürgermeister Octavian Ursu, Bürgermeister Rafał Gronicz, Wolfram Günther (sächsischer Minister für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft, die eine klimaneutrale Fernwärme wollen.Foto: Nikolai Schmidt
Pressekonferenz anlässlich der Unterzeichnung der Grundsatzvereinbarung: Thomas Schmidt (sächsischer Minister für Regionalentwicklung), Oberbürgermeister Octavian Ursu, Bürgermeister Rafał Gronicz, Wolfram Günther (sächsischer Minister für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft (v.l.)
Die beiden Grenzstädte Görlitz und Zgorzelec verbinden ihre Fernwärmenetze. Bis 2030 soll die Fernwärme klimaneutral sein. Die Einbindung von Abwärme aus dem Abwasser oder von Solarthermie ist geplant.

Ende 2019 stellte die Europäische Kommission ihren „European Green Deal“ vor. Das Ziel: Klimaneutralität bis 2050. Ein Ziel, dass die Europastadt Görlitz/Zgorzelec im Herzen Europas, an der deutsch-polnischen Grenze, mit Fakten untermauern will. Beide Bürgermeister unterzeichneten heute hierzu eine Grundsatzvereinbarung. Es geht um die Verbindung der Fernwärmenetze von Görlitz und Zgorzelec und der gemeinsamen Versorgung der Europastadt durch klimaneutrale Fernwärme – Umsetzung bis Ende 2030. Die Wertigkeit für dieses Großprojekt untermauerten die Sächsischen Staatsminister Wolfram Günther (Staatsminister für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft) und Thomas Schmidt (Staatsminister für Regionalentwicklung) mit ihrer Anwesenheit. Die Vision der Europastadt findet somit bereits Unterstützung auf Landesebene.

Der sächsischen Minister für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft, Wolfram Günther sagt: „Das Ziel von Görlitz und Zgorzelec, ihre Bürgerinnen und Bürger bis Ende 2030 durch klimaneutrale Fernwärme zu versorgen, ist in mehrfacher Hinsicht vorbildlich und wegweisend. Die Europastadt macht deutlich, dass auch Kommunen ihren Weg hin zu einer CO2-freien Energieversorgung gehen und damit einen substanziellen Beitrag zu Energiewende und Klimaschutz leisten können. Außerdem zeigt sie, dass Klimaschutz nicht an Grenzen gebunden sein sollte und sein muss. Und drittens berührt sie mit der Wärmeversorgung einen Sektor, der Aufmerksamkeit und Investitionen verdient. Ganz zu schweigen, dass Zgorzelec und Görlitz mit dem Schritt der gemeinsamen Fernwärmeversorgung auch eine gemeinsame Infrastruktur teilen werden. Mehr Europa geht kaum. Ich wünsche den beiden Städten und den Versorgungsunternehmen viel Erfolg auf diesem Weg.“

Vereinigung der beiden Wärmenetze

Die Vereinigung der beiden Wärmenetze ist keine ganz neue Idee. Bereits im Jahr 2003 wurde dies in einer Studie als Hebel für eine effizientere Bewirtschaftung beider Netze erkannt und empfohlen. Damals scheiterte das Projekt, weil eine kohlebasierte Fernwärmeerzeugung für die deutsche Seite ausgeschlossen war. Heute, 17 Jahre später, muss die ZPEC, der Fernwärmeversorger der Stadt Zgorzelec, ihre Anlagen erneuern und ihre 40 Jahre alten Kohlekessel außer Betrieb nehmen. Somit spricht aus deutscher Sicht nichts mehr gegen den Fernwärmeverbund. Im Gegenteil: „Wir wollen mit gutem Beispiel vorangehen und zeigen wie europäisches Miteinander und Umweltschutz gelingen kann. Hierfür haben wir ein gemeinsames Konzept bis 2030 entwickelt, mit dem wir schrittweise alle Fernwärmeanlagen von Görlitz und Zgorzelec auf erneuerbare Energien umstellen werden. Für unser Vorhaben zur Klimaneutralität bis 2030 ist das eines der wichtigsten Bausteine“, erklärt der Oberbürgermeister von Görlitz, Octavian Ursu.

Rafał Gronicz, Bürgermeister von Zgorzelec, ist vom Projekt überzeugt: „Ich sehe große Vorteile in diesem gemeinsamen Vorgehen. In einer Doppelstadt dieser Größe macht es Sinn auch Infrastrukturen zu teilen. Dadurch können wir uns Investitions- und Betriebskosten teilen, Netze und Anlagen besser auslasten und in Summe wirtschaftlicher agieren, was zum Vorteil für die Einwohner der Europastadt ist“.

Erhebliche Effizienz-Steigerung

Neben der erheblichen Effizienz-Steigerung kann der CO2-Austoß beider Städte erheblich reduziert werden: Erste Schätzungen gehen von einer Einsparung von rund 57 000 Tonnen jährlich aus. Ein klarer Punkt für die Verbesserung der Lebensqualität in der Europastadt.

Als maßgeblicher Partner für die Umsetzung dieser Vision ist der hiesige Energiedienstleister, die Stadtwerke Görlitz AG (SWG), mit im Boot. Für die SWG sind die polnischen Nachbarn bereits alte Bekannte. „Wir pflegen seit Jahren eine gute Beziehung zu den polnischen Kollegen in Zgorzelec. Bisher ging es vor allem um einen fachlichen Austausch über Wasser- und Energiethemen. Nun wollen wir enger zusammenarbeiten und haben hierfür eine Arbeitsgruppe mit Vertretern der SWG und der ZPEC, die Wärmeversorgungsgesellschaft aus Zgorzelec, gegründet. Gemeinsam wird man das Fernwärmekonzept bis 2030 für die Europastadt entwickeln“, erklärt Matthias Block, der Vorstandsvorsitzende der Stadtwerke Görlitz AG.

Umstellung auf klimaneutrale Fernwärme in Teilschritten: Phase eins bis 2022

Im ersten Schritt erfolgt die Modernisierung der Wärmeerzeugungsanlage in Zgorzelec/Grozowa – mit dem maßgeblichen Ziel die Emissionswerte schnell zu reduzieren, um EU-Vorgaben einhalten zu können. Hierzu wird die Leistung der alten Kohlekessel reduziert und durch neue Erdgas-Blockheizkraftwerke teilweise ersetzt. Begleitend zu den Maßnahmen in Polen wird eine Machbarkeitsstudie zu dem geplanten Fernwärmeverbund erstellt sowie die notwendige Fördermittelakquise auf Landes-, Bundes- und europäischer Ebene forciert.

Die Überarbeitung der Erzeugungsstrategie für die Fernwärme-Standorte in Görlitz soll ebenfalls in Phase eins erfolgen.

Phase zwei ab 2023 bis 2030

In der zweiten Projektphase ist der Bau der 2,5 kilometerlangen Verbindungsleitung zwischen den Versorgungsgebieten Zgorzelec und Görlitz-Königshufen sowie die komplette Umstellung vom

Heizwerk in Zgorzelec auf Biomasse geplant. Die bestehenden Kohlekessel in Groszowa-Zgorzelec würden gänzlich vom Netz genommen werden. In der Endausbaustufe soll das Wärmenetz Königshufen den überwiegenden Teil seines Wärmebedarfs aus Zgorzelec beziehen. Da die Verbindungsleitung über das Gelände der Görlitzer Kläranlage läuft, werden hier Wärmepotentiale ins Netz direkt eingebunden. Es handelt sich beispielsweise um die Nutzung der Abwärme aus dem Abwasser oder die Einbindung von Solarthermie.

Auch die Umstellung der weiteren Fernwärmegebiete in Görlitz auf erneuerbare Energien soll in diesem Zeitraum erfolgen. Die Fernwärmeerzeugung erfolgt somit 2030 in beiden Städten komplett klimaneutral.

10.7.2020 | Quelle: Veolia | solarserver.de © Solarthemen Media GmbH

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