AGFW fordert Vorfahrt für grüne Fernwärme

Eine Wärmenetz im Bau.Foto: struvictory / stock.adobe.com
Wärmenetze spielen einen wichtige Rolle für die Wärmewende.
Der Energieeffizienzverband AGFW spricht sich im Zuge der bevorstehenden Bundestagswahl für eine Stärkung der grünen Fernwärme aus. So ließen sich auch die Klimaziele im Gebäudesektor erreichen.

Der Energieeffizienzverband für Wärme, Kälte und KWK AGFW fordert eine Stärkung für grüne Fernwärme. Zum Auftakt des Bundestagswahljahrs 2021 wendet sich der Verband mit zentralen Forderungen an die Bundesregierung. Ziel dabei ist, die ambitionierten deutschen und europäischen Klimaschutzziele bis 2030 und 2050 zu erreichen.

Vor allem dem Gebäudesektor komme dabei eine zentrale Bedeutung zu, erklärte John Miller. Er ist stellvertretender AGFW-Geschäftsführer sowie Bereichsleiter Energiewirtschaft und Politik. „Der Neustart der deutschen Wirtschaft und eine zielgerichtete Klimapolitik gehen Hand in Hand.“

Erfolgversprechend seien insbesondere investive Maßnahmen in Infrastrukturen, CO2-arme Technologien und Klimaschutzlösungen im Strom- und Wärmesektor. „Grüne Fernwärme erfüllt all diese Kriterien. Als System ist sie besonders zukunftsfest und bietet ein hohes Maß an Flexibilität hinsichtlich integrierbarer Wärmequellen und Technologien“, so Miller. Um das große Potenzial der Fernwärme optimal zu nutzen, seien weitere Anpassungen der Rahmenbedingungen nötig.

Klimaziele im Gebäudesektor erreichen mit grüner Fernwärme

Für AGFW-Geschäftsführer Werner Lutsch spielen dabei die Förderkonditionen eine zentrale Rolle. Die Fernwärmeversorger-Branche investiere schon heute Milliarden. Das betreffe etwa die Erschließung von zusätzlichen klimaneutralen Wärmequellen. Dazu zählten beispielsweise Umweltwärme, Solar- und Geothermie, Abwärme, Wärme aus Abfall und Power-to-Heat. Die bestehende Förderlandschaft trage diesen Bestrebungen bisher aber nur zum Teil Rechnung. Denn sie fokussiere eher auf kleinen Lösungen im Bereich von Neubauten, mit nur geringen Laufzeiten und eher kleinen Förderbudgets.

„Das wird den Erfordernissen einer Wärmewende nicht gerecht“, so Lutsch. „Es bedarf daher dringend anderer Instrumente und Ansätze, um Transformationsprojekte für Wärmenetze zu starten und zu beschleunigen. Das Bundesförderprogramm effiziente Wärmenetze besitzt das Potenzial, der Integration von erneuerbaren Energien und klimaneutralen Quellen in Wärmenetzen den notwendigen Anschub zu geben. Das erfordert politischen Mut und Entschlossenheit. Mut, um das Programm mit einer geeigneten Laufzeit – bis 2030 – und den notwendigen Mitteln auszustatten. Entschlossenheit, das Richtige in angemessener Höhe zu fördern.“

Konkret fordert der AGFW von der Bundesregierung, das Programm-Budget des BEW auf eine Milliarde Euro pro Jahr bis 2030 und die projekt-bezogenen Höchstgrenzen auf 100 Millionen Euro anzuheben. Ebenfalls wichtig sei es, weitere Fördertatbestände aufzunehmen. Außerdem zentral: Verlässlichkeit für langfristige Investitionsprojekte wie Geothermie-Anlagen herzustellen und eine Kumulierung mit anderen Förderprogrammen zuzulassen.

Zudem sei die Erschließung und Nutzung von Abwärmepotenzialen in vielen Städten eine sinnvolle und teilweise notwendige Option, um den Einsatz von erneuerbaren Energien zu ergänzen oder zu ersetzen. Bis heute fehlten jedoch die entsprechenden Rahmenbedingungen und ein geeignetes Anreizsystem, um diese Potenziale für die Wärmeversorgung zu heben, so Lutsch. „Damit werden volkswirtschaftlich kostengünstige CO2-Einsparpotenziale bereits heute verschenkt, denn die Nutzung von Abwärme ist zu 100 Prozent frei von Emissionen.“ Dementsprechend fordert der AGFW die Bundesregierung unter anderem dazu auf, unvermeidbare Abwärme jeglicher Herkunft als 100 Prozent CO2-frei anzuerkennen und einen verlässlichen Förderrahmen für Abwärmenutzung und -anbindung an Fernwärme zu schaffen.

Wärmenetze in Städten ausbauen

Fernwärme sei heute fast in jeder Stadt in Deutschland anzutreffen, so der stellvertretende AGFW-Geschäftsführer John Miller. „Über die Infrastruktur werden mehr als sechs Millionen Wohnungen in Deutschland mit Wärme versorgt. Das sind 14 Prozent des Wohnungsmarktes.” Bis 2030 sei eine Erhöhung des Marktanteils auf 30 Prozent und ein Ausbau der Infrastruktur um weitere 40.000 Kilometer möglich.

Am leichtesten und effektivsten gelinge dies durch Verdichtung bestehender Netze, insbesondere in urbanen Quartieren. Dafür gelte es, entsprechende Instrumente bereitzustellen und bestehende Regelungen anzupassen. Das Mietrecht und die Wärmelieferverordnung (WärmeLV) beispielsweise erschwerten derzeit nicht nur generell den Einsatz von erneuerbaren Energien im Gebäudebestand, sondern auch eine Verdichtung von klimafreundlichen Wärmenetzen, so Miller.

„Die Systematik der WärmeLV führt dazu, dass bestehende alte und fossile Einzelheizungen nicht gegen moderne und CO2-sparende Heizungstechnologien, insbesondere auch der Anschluss an Fernwärme, ersetzt werden können. Es bedarf daher eines grundlegenden Perspektivwechsels in der Verordnung.“ Basis sollten nicht die Kosten aus der Vergangenheit sein, beispielsweise für den billigen Ölkessel. Vielmehr sollten das die zu erwartenden Kosten einer in die Zukunft gerichteten, modernen und klimafreundlichen Heizungstechnologie sein.

Investitions- und Planungssicherheit herstellen

„Um einen erfolgreichen und nachhaltigen Aus- und Umbau von Fernwärme und KWK zu gewährleisten, ist es unerlässlich, dass für die Branche Investitions- und Planungssicherheit hergestellt wird“, erklärte Werner Lutsch. Das betreffe die Weiterentwicklung der für die Branche maßgeblichen Gesetze und Verordnungen. Außerdem zähle dazu, die Umsetzung von europäischen Richtlinien (EED, RED II) in nationale Gesetzgebung stets im Hinblick auf den Infrastrukturcharakter der Technologie zu treffen.

16.2.2021 | Quelle: AGFW | solarserver.de © Solarthemen Media GmbH

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