Solarthermie kann Kostendegression

Harald Drück und Helmut Jäger auf dem Solarthermie Symposium berichten über Potenziale zur Kostendegression.Foto: Screenshot
Solarthermie Symposium: auch in diesem Jahr am Bildschirm.
Auf dem 31. Symposium Solarthermie und innovative Wärmesysteme stellten Harald Drück vom IGTE und Helmut Jäger von Solvis die Arbeitsgruppe Solarthermie im Forschungsnetzwerk Energiewende-Bauen vor.

Ein Ziel der Arbeitsgruppe Solarthermie ist die Kostendegression der Solarthermie, die durch F&E und mehr Vorfertigung zu erreichen ist.

Harald Drück, Leiter Quartiersentwicklung und Koordinator Forschung am Institut für Gebäudeenergetik, Thermotechnik und Energiespeicherung (IGTE) an der Universität Stuttgart, eröffnete den Tandemvortrag mit Helmut Jäger auf dem Solarthermie-Symposium. Er berichtete von dem Positionspapier „Solarpflicht“, das die Arbeitsgruppe in diesem Frühjahr veröffentlicht hat. Es ist die Antwort auf Solarpflicht-Vorhaben zum Beispiel in Hamburg und Baden-Württemberg, die, so Drück, eine Photovoltaik-Pflicht seien. „Wenn schon eine Solarpflicht eingeführt wird, dann soll die Solarthermie adäquat berücksichtigt werden“, forderte er. Der größte Teil der Energie im Gebäude benötige die Wärme, die Integration von Solarthermie sei ohne große Infrastruktur-Änderungen möglich und die Technik habe eine hohe Flächeneffizienz, begründete er die Forderung und das Potenzial von Solarwärme-Anlagen. 

Multifunktionale statt reine Solarthermie Speicher

Des Weiteren hat die Arbeitsgruppe eine „Förderinitiative 100 Solare Wärmenetze mit saisonalem Multifunktions-Wärmespeicher“ vorgeschlagen. Früher seien reine Solarwärme-Speicher passend gewesen, heute sei die Situation eine ganz andere, erklärte Drück. Mit der Einbindung von weiteren Wärmeerzeugern wie KWK- und Power-to-Heat-Anlagen seien heutzutage multifunktionale Speicher notwendig.

Die Förderung würde laut Drück gut zu der Bundesförderung für effiziente Wärmenetze passen, die noch in diesem Jahr kommen soll. Dies hatte Ulrich Benterbusch, Abteilungsleiter im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi), zuvor in seinem Vortrag bekannt gegeben. Neben den Investitionskosten sollte das BMWi auch Forschung und Entwicklung ebenso wie die wissenschaftliche Evaluation fördern, sagte Drück weiter.

Faktor 8 beim Solarthermie-Zubau für Kostendegression nötig

Helmut Jäger, Leiter der Verbandsarbeit bei der Braunschweiger Solvis GmbH, stellte ein Positionspapier für Forschung und Entwicklung vor, das die Autoren im März veröffentlicht haben. „Solarthermie kann auch Kostendegression und zwar in der gleichen Dimension wie die Photovoltaik“, bekräftigte er. Wie die Universität Kassel nachgewiesen habe, sei die Solarthermie auch kostengünstig, wenn sie die passenden Rahmenbedingungen vorfinde. „Die Lernkurve muss realisiert werden, dafür braucht es aber Mengen“, so Jäger weiter. Nach dem Einbruch des Solarthermie-Marktes seit 2010 gehe es durch die stark verbesserte Förderung und die CO2-Bepreisung seit dem vergangenen Jahr glücklicherweise wieder bergauf. „Wir brauchen Faktor 8 beim jährlichen Zubau, dann können wir mit den Kosten runter“, so Jäger.

Kostendegression der Solarthermie sei ein wichtiges Zukunftsthema. „Das Kostensenkungspotenzial muss durch Forschung und Entwicklung, aber auch Vorfertigung vorangebracht werden. Das wollen wir auch mit Handwerkern zusammen realisieren.“ Den Montageaufwand auf der Baustelle zu reduzieren, sei ein wichtiger Hebel.

Ein weiteres Tätigkeitsfeld der Arbeitsgruppe sind Hybridmodule (PVT). Bei begrenzten Flächen sollte man Synergieeffekte von Solarthermie und Photovoltaik besser nutzen. In der Forschung und Entwicklung liege der Fokus auf Systemeffizienz von PVT.

Digitalisierung zur Akzeptanz-Steigerung

Als weiteren Hebel, die Solarthermie voranzubringen, nannte Helmut Jäger die Digitalisierung. Sie könne die Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit von Anlagen erhöhen und für mehr Akzeptanz sorgen, wenn Kunden jederzeit die Leistung ihre Anlage überprüfen könnten.

Die Arbeitsgruppe 10 Solarthermie im Forschungsnetzwerk Energiewende-Bauen ist 2017 als informeller Zusammenschluss aus der Deutschen Solarthermie-Technologie-Plattform (DSTTP) heraus entstanden. Weitere Mitwirkende sind laut Drück willkommen. Interessierte müssen zunächst Mitglied im Forschungsnetzwerk werden.

Das Solarthermie-Symposium findet, wie schon 2020, wegen der Corona-Pandemie online statt und läuft noch bis Freitag, 30. April.

Wenn Sie mehr über die neuen Veranstaltungsformate von Conexio lesen möchten, finden Sie hier ein Interview mit dem Geschäftsführer Bernd Porzelius.

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Diesen Artikel hat das Redaktionsteam des Solarthermie-Jahrbuchs verfasst. Das Solarthermie-Jahrbuch SOLARE WÄRME fasst jährlich die wichtigsten Informationen zur Entwicklung der Solarwärme-Branche zusammen. Sie können das Solarthermie-Jahrbuch unter diesem Link bestellen.

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