Photovoltaik: Brandschutz gewährleistet auch bei weniger Abstand zum Nachbarn

Ein Solarschrägdach mit zwei MonteurenFoto: Martina Lohrbach / stock.adobe.com
Viel mehr Dächer lassen sich mit Photovoltaik bestücken, wenn der Mindestabstand zum Nachbarn keine Rolle spielt.
Um das volle Potenzial der Photovoltaik nutzen zu können, fordert der LEE NRW eine Verringerung der Mindestabstände zu Nachbarhäusern. Das genüge auch den Anforderungen an den Brandschutz. Eine entsprechende Änderung der Landesbauordnung wird derzeit im Düsseldorfer Landtag debattiert.

Bei der Photovoltaik kann der Brandschutz sichergestellt sein, auch wenn der Abstand zum Nachbarn geringer ausfällt. Das sagt der Landesverband Erneuerbare Energien (LEE) NRW im Zusammenhang mit etwaigen Änderungen der Landesbauordnung zu Abständen von Solaranlagen. Deshalb fordert die Organisation, die geltenden Abstände von Solaranlagen zu benachbarten Häusern abzuschaffen, mindestens aber deutlich zu verkleinern. Das würde helfen, Photovoltaik und Brandschutz zusammenzubringen und landesweit mehr Solaranlagen zu realisieren.

„Es ist richtig und wichtig, dass der Bauausschuss des Landtages darüber debattiert, die aus angeblichen Brandschutzgründen viel zu üppig bemessenen Abstände von Solaranlagen auf Dachflächen deutlichen zu verkleinern“, betont Christian Mildenberger. Der LEE NRW-Geschäftsführer hat als Sachverständiger an der Sitzung des Bauausschusses am 21. Januar 2022 teilgenommen. Dabei hat er sich für deutlich geringere Abstände als der aktuell geltende halbe Meter bei nicht-brennbaren Solaranlagen ausgesprochen.

Solarpotenzial bleibt ungenutzt

„So, wie die Abstände in der Landesbauverordnung heute vorgeschrieben sind, können die vorhandenen Solar-Potenziale auf den Dächern nicht ausreichend genutzt werden.“ Vielfach würden solare Dachanlagen deshalb zu klein dimensioniert, was nicht nur zu Lasten der Wirtschaftlichkeit geht. Oft genug würde das Vorhaben ganz fallengelassen.

Bei derzeit bundesweit rund zwei Millionen Solarstromanlagen und rund 60.000 Megawatt Leistung sind Brände nur in wenigen Fällen aufgetreten. Ausgangspunkte dieser Brände sind meist Fehler bei Verkabelung und Anschlüssen gewesen. „Die Planung und Installation der Dachanlagen durch qualifizierte Fachkräfte ist daher nach wie vor der beste Brandschutz“, betont Mildenberger.

Nach Einschätzung des LEE NRW gibt es kein erhöhtes Brandrisiko von Solarstromanlagen im Vergleich zu anderen technischen Anlagen. Daher ließe sich der Abstand von Solaranlagen ohne Abstriche am Brandschutz verringern oder sogar auf null reduzieren.

Der LEE NRW drängt seit längerem auf eine Solarpflicht für alle Neubauten und bei Dachsanierungen im Land. Gestärkt sieht er sich durch die Energieversorgungsstrategie der Landesregierung bis zum Jahr 2030. Danach soll es möglichst eine Drei- beziehungsweise Vervierfachung der installierten PV-Leistung von rund 6.000 Megawatt (2020) auf rund 18.000 bis 24.000 MW. „Diese begrüßenswerten Ziele sind nur dann erreichbar, wenn möglichst alle Dächer im urbanen Raum komplett und dann auch optimal mit Solarmodulen bestückt werden“, sagt der LEE NRW-Geschäftsführer.

Abstände hohe Hürden für Klimaschutz im Ruhrgebiet

Der angekündigten Drei- beziehungsweise Vervierfachung der Solarleistung hinkt NRW derzeit ein großes Stück hinterher. Nach aktuellen Zahlen des Internationalen Wirtschaftsforums Regenerative Energien gab es in NRW im vergangenen Jahr einen Zubau von rund 625 MW. „Bei diesen Zahlen wird klar, dass wir für den weiteren Solarausbau jedes Dach brauchen, und zwar möglichst ohne bauordnungsrechtliche Einschränkungen“, fordert Mildenberger. „Gerade für das dichtbesiedelte Land Nordrhein-Westfalen ist es von besonderer Bedeutung, möglichst alle Hemmnisse für Dachflächen-Photovoltaik zu beseitigen. Vor allem im Ruhrgebiet haben die Städte aufgrund der dichten Gebäudebebauung ansonsten kaum eine andere Möglichkeit ihre Klimaziele zu erreichen.“

21.1.2022 | Quelle: LEE NRW | solarserver.de © Solarthemen Media GmbH

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