Solarthermie kann den drohenden Ökostrommangel dämpfen

Wir werden voraussichtlich noch zwei oder drei Jahrzehnte lang mit einem Ökostrommangel leben müssen, Solarthermie kann dem Mangel dämpfen.Foto: Ina Röpcke
Die Photovoltaikanlage, hier auf dem Dach eines Einfamilienhauses, sollte vorrangig die elektrischen Verbraucher versorgen. Für die Wärmeversorgung ist die Solarthermie wie hier an der Fassade besser geeignet.
Wir werden voraussichtlich noch zwei oder drei Jahrzehnte lang mit einem Mangel an Ökostrom leben müssen. Deshalb ist Ökostrom zu kostbar, um ihn in Wärme zu verwandeln. Solarkollektoren erzeugen die Wärme effektiver. Ein Kommentar von Detlef Koenemann.

Die erneuerbaren Energien konnten ihren Anteil an der Stromversorgung Deutschlands in den vergangenen 20 Jahren von 5 auf 49 % steigern. Am Pfingstmontag lieferten sie mittags sogar mehr Strom, als gebraucht wurde. Solche Situationen werden sich in den kommenden Jahren des Öfteren wiederholen, und je häufiger diese Überschusssituation vorkommt, desto mehr wird sich der Eindruck verfestigen, dass Ökostrom im Überfluss vorhanden ist, sodass auch die Sektoren Wärme und Mobilität eines Tages vollständig mit Strom versorgt werden können. 20 Millionen Wärmepumpen werden unsere Wohnungen beheizen und 40 Millionen Elektroautos werden uns auf den Straßen voranbringen. Das ist, stark vereinfacht ausgedrückt, der Plan.

Das Konzept, Strom als Universalenergie einzusetzen, berücksichtigt allerdings nicht vorübergehende Mangelsituationen, die vor allem im Winter häufig auftreten. Wir müssen mit starken Schwankungen der Stromeinspeisung rechnen, wie sie zum Beispiel in der 46. Kalenderwoche auftraten. In jener Woche hatten die erneuerbaren Energien am 17. November ihren besten Tag. Sie konnten mittags 48 GW einspeisen und dadurch etwa zwei Drittel der Last von 72 GW decken. Der Tiefpunkt war allerdings schon drei Tage später erreicht. Am 20. November, nachts um 3 Uhr, lieferten die erneuerbaren Energien nur 11 GW, obwohl knapp 46 GW gebraucht wurden.

Ökostrombedarf wird steigen

In den kommenden Jahren werden voraussichtlich zahlreiche Solar- und Windparks gebaut, und die Leistung des eingespeisten Ökostroms wird stetig steigen, aber der Bedarf wird ebenfalls deutlich ansteigen, weil die Versorgung der Wärmepumpen und der Elektroautos immer mehr Strom beanspruchen wird. Wir werden voraussichtlich noch zwei oder drei Jahrzehnte lang mit einem Mangel an Ökostrom leben müssen. Und je länger dieser Engpass andauert, desto länger sind wir auf die Stromerzeugung aus fossilen Energien angewiesen.

Deshalb ist Ökostrom zu kostbar, um ihn in Wärme zu verwandeln. Das ist eigentlich Verschwendung, weil man diese Wärme effektiver auf anderem Wege erzeugen kann. Solarthermische Kollektoren wandeln die Solarenergie mit einem Wirkungsgrad von 70 % in Wärme um. Das bedeutet, dass die verfügbare Dachfläche wesentlich besser ausgenutzt wird als durch eine Photovoltaikanlage, die auf einen elektrischen Wirkungsgrad von rund 20 % kommt. In Verbindung mit einer Wärmepumpe kommt die solarelektrische Wärmeversorgung eines Wohnhauses zwar auch auf etwa 70 % Wirkungsgrad, aber eigentlich wird der Solarstrom vorrangig für das Elektroauto gebraucht, das in der Garage steht oder in naher Zukunft stehen wird.

Hierarchie der Stromversorgung beachten

Ökostrom wird noch lange knapp bleiben, und deshalb muss die Hierarchie der Stromversorgung beachtet werden. Die Photovoltaikanlage eines Einfamilienhauses sollte vorrangig die elektrischen Verbraucher versorgen, also Kühlschrank, Waschmaschine und Elektroauto. Für die Wärmeversorgung ist die Solarthermie besser geeignet, vor allem in Verbindung mit einem großen Pufferspeicher, der die Wärme für viele Tage speichern kann, also wesentlich länger, als eine Batterie den elektrischen Strom speichern kann. Und obendrein preiswerter.

Noch effektiver ist die saisonale Speicherung der solaren Wärme in Großspeichern. Das ist ein besonders wirksames Mittel gegen den drohenden Strommangel. Die Solarthermie kann den Ökostrommangel zwar nicht aus der Welt schaffen, aber sie kann ihn dämpfen. Und das ist dringend notwendig, denn es sollte nicht der Eindruck entstehen, dass die Energiewende zu einem Engpass führt. Das wäre fatal.

Diesen Beitrag hat das Redaktionsteam des Solarthermie-Jahrbuchs verfasst. Sie können das Solarthermie-Jahrbuch unter diesem Link bestellen.

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