Grüne Fernwärme: Hannover schaltet ersten Block des Kohlekraftwerks ab

Vertreter:innen von Polkitik und Unternehmen bei der Abschaltung von Block I des Kohlekraftwerks in Hannover, die Landeshauptstadt ist beim Kohleausstieg vorn.Foto: Philipp Sonnack / Enercity
Niedersachsens Energie- und Umweltminister Christian Meyer, Enercity-CEO Aurélie Alemany, Enercity-Aufsichtsratsvorsitzende und Hannovers Dezernentin für Wirtschaft und Umwelt Anja Ritschel sowie Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay vor dem grün illuminierten Block I (vlnr).
Die niedersächsische Landeshauptstadt schreitet beim Kohleausstieg voran und schaltet den ersten Block des Kohlekraftwerks ab. Block II wird spätestens nach der Heizperiode 2027/28 durch klimaneutrale Fernwärme ersetzt.

Am Wochenende hat der Energieversorger Enercity den 75 Meter hohen Block I des Kohlekraftwerks Stöcken in Hannover außer Betrieb genommen. Mit der Abschaltung spart die Landeshauptstadt jährlich eine halbe Million Tonnen CO₂ ein. Damit ist die Hälfte des Kohleausstiegs in Hannover geschafft. „Was mich besonders freut: Der Kohleausstieg erfolgt schneller als gesetzlich gefordert. Hannover ist damit Vorbild beim Klimaschutz und der Nutzung Erneuerbarer Energien“, sagt Niedersachsens Energie- und Umweltminister Christian Meyer.

Zukünftig stammt jede zweite Kilowattstunde Fernwärme aus klimaneutralen Quellen. In Hannover gelingt dieser Schritt ohne den Neubau eines fossilen Gaskraftwerks. Stattdessen setzt Enercity auf einen breiten Mix regionaler, erneuerbarer Energiequellen. „Wir schaffen den Kohleausstieg ohne den Umweg über neue fossile Großkraftwerke, sagt Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay.

Kohleausstieg in Hannover bis 2028 vollendet

Das Enercity verfolgt beim weiteren Umbau der Fernwärme einen ambitionierten Zeitplan. In gut zwei Jahren soll der Anteil grüner Energie bereits 75 Prozent betragen. Denn der zweite Block des Kohlekraftwerks soll spätestens nach der Heizperiode 2027/28 durch klimaneutrale Anlagen ersetzt und in die Reserve gehen. Ab Mitte der 2030er Jahre soll das verbliebene Gaskraftwerk Wasserstoff-ready sein. Dann wäre die vollständige Klimaneutralität der Fernwärme möglich, wenn dann ausreichend Wasserstoff zu wirtschaftlichen Konditionen verfügbar sein sollte.

Die bisher von Block I des Kohlekraftwerks erzeugte Wärme ersetzt Enercity durch fünf dezentrale Anlagen, die nicht mehr recyclefähiges Altholz, Klärschlamm, Abwärme und Biomethan als Wärmequellen erschließen. Insgesamt hat das Energieunternehmen seit 2020 in rund 246 Megawatt thermische Leistung aus erneuerbaren Energien investiert. Weitere Projekte mit mehr als 300 Megawatt sind bereits im Bau oder in Planung. Bis 20240 will Enercity Investitionen in Höhe von rund 1,5 Milliarden Euro in das Gesamtportfolio neuer Wärmeerzeugungsanlagen stecken. Der technologische Ansatz ist breit aufgestellt: Neben Biomasse- und Klärschlammverwertung spielen weitere Abwärmenutzungen und Großwärmepumpen eine zentrale Rolle. Auch Geothermie spielt in den Plänen ein Rolle.

Klare politische Leitlinien gefordert

Für die künftige Planungssicherheit fordert Enercity-CEO Aurélie Alemany klare politische Leitlinien: „Wie ein ETS2, der transparent macht, was CO2 wirklich kostet und die Investitionen honoriert, die wir heute für die klimaneutrale Wärme von morgen tätigen. Nur mit dieser Klarheit können Unternehmen wie Enercity das Tempo halten, das Deutschland für seine Klimaziele braucht“, sagt Alemany.

Bereits 2017 hatte Enercity den Ausstieg aus der Kohle beschlossen. Seit Jahren investiert Enercity in dezentrale, erneuerbare Wärmeerzeugung. Das Ziel dabei bleibt klar: Nach der Heizperiode 2027/28 wird auch Block II des Kohlekraftwerks durch klimafreundliche Energieträger ersetzt – rund zehn Jahre früher als der von der Bundesregierung beschlossene Zielkorridor 2038.

Die Landeshauptstadt hatte ihre kommunale Wärmeplanung frühzeitig vorgelegt und 2025 beschlossen. Sie bildet die Grundlage für die vollständige Dekarbonisierung der Wärmeversorgung. Im Zielszenario sollen in Hannover zwei Drittel aller Gebäude Heizenergie aus Wärmenetzen beziehen Der Rest, meist Ein- bis Zweifamilienhäuser sollen eine individuelle Lösung wie eine Wärmepumpe nutzen.

Quelle: Enercity | solarserver.de © Solarthemen Media GmbH

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