Analyse: wo sich Power-to-X in Deutschland und Europa durchsetzt

Schriftzug H2Ready auf blauem Hintergrund für Wasser.Grafik: Thomas / stock.adobe.com
Noch sind Projekte, um aus grünem Strom Wasserstoff und synthetische Kraftstoffe zu machen, selten. Eine Studie von EY und VDMA zeigt, wo sich die Projekte anfangen durchzusetzen: in Häfen, Chemieparks und Industriezentren.

Eine Analyse des VDMA und der Wirtschaftsberatung EX-Parthenon zeigt den Stand der Dinge bei Power-to-X, also der Produktion von zum Beispiel von Wasserstoff aus grünem Strom. Die Partner haben eine umfassende Standortbestimmung vorgenommen und ein „Power-to-X-Barometer“ vorgestellt. Das basiert laut einer Pressemitteilung auf der PtX-Plattform des VDMA.

Das neue “Power-to-X-Barometer“ will zeigen, wo Deutschland und Europa im internationalen Vergleich stehen, welche Erfolgsfaktoren und Hemmnisse den Markthochlauf prägen und wie gezielte Maßnahmen die Entwicklung beschleunigen können.

Zwischen 2021 und 2023 basierten viele Projektplanungen auf optimistischen Annahmen: niedrige Strompreise, hohe Volllaststunden und schnelle Genehmigungsverfahren. Inzwischen habe sich aber gezeigt, dass die Realität deutlich anspruchsvoller sei. Strompreise bleiben volatil, Netzanschlüsse verzögern sich und die Kapitalkosten sind gestiegen. Die Folge: Der Markt konsolidiert sich. Projekte ohne belastbare wirtschaftliche Grundlage verlieren an Dynamik, während sich Vorhaben mit substanziellen Standort-, Infrastruktur- oder Abnahmevorteilen durchsetzen.

Wenige robuste Projekte

„Wir werden in Deutschland und Europa in den kommenden Jahren weniger, aber dafür robustere Projekte sehen“, erläutert Cornelius Knecht, Sector Lead Industrial Products Europe West von EY-Parthenon. Erfolgreich seien vor allem Vorhaben mit klaren Genehmigungs- und Infrastrukturperspektiven sowie bankfähigen Abnahmeverträgen mit kreditwürdigen Käufern.

Die Analysen von EY-Parthenon und VDMA deuten zudem darauf hin, dass sich clusterorientierte Ansätze verstärken werden – etwa rund um Häfen, Chemieparks und Industriezentren, in denen Strom, Moleküle, CO₂-Logistik und Abnehmer zusammenkommen. „Hybride Portfolios werden zur Norm“, so Knecht. Das bedeute: grüner Wasserstoff
dort, wo erneuerbarer Strom in ausreichender Menge und zu wettbewerbsfähigen Kosten verfügbar ist; blauer Wasserstoff dort, wo CO₂-Speicherung und Gasversorgung verlässlich organisiert werden können. Die Gewinner würden nicht nach Farbe, sondern nach niedrigsten Lieferkosten pro zertifizierter CO2-Intensität optimieren.

„Der Markthochlauf von Power-to-X entscheidet sich an Investitionssicherheit, Nachfrage und Umsetzung, nicht an der Technologie,“ betont Peter Müller-Baum, Managing Director VDMA Power-to-X for Applications.

Als Beleg dafür analysiert die Studie eine Reihe erfolgreicher internationaler Beispiele, die als Blaupause für Europa dienen könnten. Um aber Investoren in Deutschland für vergleichbare Projekte zu begeistern, braucht es bankfähige Cashflows und verlässliche Regeln. Aus Sicht von EY-Parthenon sind vor allem drei Hebel entscheidend, um den Markthochlauf von Power-to-X wirksam zu beschleunigen:

  1. Verlässliche Erlösunterstützung
    Instrumente wie Carbon Contracts for Difference (CCfD) oder H2Global-Ausschreibungen
    können einen kalkulierbaren Mindestpreis für klimafreundliche Moleküle absichern. Solche
    Mechanismen schaffen planbare Cashflows, erhöhen die Bankfähigkeit von Projekten und
    stärken die Investitionssicherheit.
  2. Vertrauenswürdige Zertifizierung
    Ein grenzüberschreitend anschlussfähiges Zertifizierungssystem ist Voraussetzung dafür, dass Käufer, Investoren und Prüfer Klimawirkung und Herkunft verlässlich bewerten können. Unklare oder uneinheitliche Nachweise bremsen Nachfrage und Finanzierung.
  3. Zuverlässiger Infrastrukturzugang
    Netzanschlüsse, Wasserstoffpipelines sowie Transport- und Speicherkapazitäten für CO₂ müssen als verlässliche, planbare und zugängliche Infrastrukturen verfügbar sein. Transparente Tarife und verlässliche Kapazitätsbuchungen sind zentrale Voraussetzungen dafür, dass aus Projektideen finanzierbare Vorhaben werden.

Quelle: EY / VDMA | www.solarserver.de © Solarthemen Media GmbH

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