Energiekrise in Österreich: Warum Photovoltaik und Speicher jetzt entscheidend sind
Foto: Michael Hedl objektiv.gesehen / PV AustriaDas geopolitische Geschehen verschärft erneut die Lage auf dem österreichischen Energiemarkt. PV Austria warnt, dass fehlende gesetzliche Rahmenbedingungen und energiepolitische Weichenstellungen die Auswirkungen der aktuellen Öl- und Gaskrise zusätzlich verstärken. Gleichzeitig sieht der Verband in Photovoltaik und Stromspeichern zentrale Bausteine für mehr Energieunabhängigkeit.
Aus Sicht der Branche braucht es dafür vor allem rasche politische Maßnahmen:
- Umsetzung des Elektrizitätswirtschaftsgesetzes (ElWG): Die notwendigen Verordnungen der E-Control müssten rasch folgen, damit neue Marktregeln wirksam werden.
- Beschluss des Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetzes (EABG): Ziel ist der Abbau bürokratischer Hürden und einheitliche Genehmigungsverfahren für PV- und Speichersysteme.
- Start einer Speicheroffensive: Gefordert werden ein klarer Ausbaupfad, gezielte Anreize sowie der Abbau regulatorischer Barrieren zur besseren Integration von PV und Stromspeichern.
PV-Ausbau wächst – Dynamik lässt nach
Trotz unsicherer Rahmenbedingungen wächst der Photovoltaik-Ausbau in Österreich weiter. Im vergangenen Jahr gingen 62.300 neue Anlagen mit einer Leistung von 1,6 Gigawatt in Betrieb. Nach den Rekordjahren entspricht das jedoch einem Rückgang von 22 Prozent gegenüber 2024. Insgesamt deckt Photovoltaik mit rund 9,8 Terawattstunden inzwischen etwa 15 Prozent des Stromverbrauchs.
Die Ausbauziele von 21 TWh bis 2030 und 41 TWh bis 2040 gelten als erreichbar – vorausgesetzt, die politischen Rahmenbedingungen werden konsequent weiterentwickelt. Vor allem die Kombination aus PV und Stromspeichern gewinnt dabei an Bedeutung: Sie erhöht den Eigenverbrauch, senkt Kosten und verbessert die Abstimmung von Stromerzeugung und -verbrauch.
Mit Blick auf ein zunehmend volatiles Energiesystem komme es künftig weniger auf die reine Strommenge an als auf die zeitliche Verfügbarkeit, so PV Austria. Entscheidend sei, Energie dann bereitzustellen, wenn sie im System benötigt wird. Dafür gilt die Kombination aus Photovoltaik und Speichern als zentraler Baustein.
PV und Speicher senken Abhängigkeiten und stabilisieren Strompreise
Die Österreichische Energieagentur bewertet Photovoltaik und Stromspeicherung als zentral für eine schnelle Reduktion der Abhängigkeit von Energieimporten. Österreich habe einen großen Teil seiner Energieversorgung ins Ausland verlagert und damit auch Kontrolle abgegeben, so Energieexperte Christoph Dolna-Gruber.
Auch wirtschaftlich gewinnen PV und Speicher an Bedeutung: Einmal installiert, liefern Photovoltaik-Anlagen über Jahrzehnte Strom und wirken zugleich dämpfend auf die Preise am Großhandelsmarkt. Damit rückt zunehmend ein systemischer Ansatz in den Fokus. Entscheidend ist das Zusammenspiel von Stromerzeugung, Speicherung sowie den Sektoren Wärme und Mobilität, um die Vorteile erneuerbarer Energien vollständig zu nutzen.
Speicher werden zum Schlüssel für Flexibilität im Energiesystem
Photovoltaik und Stromspeicher entwickeln sich zunehmend zur integrierten Systemlösung für Strom, Wärme und Mobilität. Entscheidend ist dabei vor allem die Flexibilität: Strom soll nicht nur erzeugt, sondern gezielt gespeichert und dann genutzt oder eingespeist werden, wenn das System ihn benötigt. Dafür sind angepasste Strommarkt- und Netztarife erforderlich, die flexible Erzeugung und Nutzung honorieren.
Stromspeicher spielen dabei eine zentrale Rolle. „Neun von zehn neuen PV-Anlagen werden mittlerweile mit einem Stromspeicher gebaut“, berichtet PV-Austria-Vorstand Christoph Mair. Sie erhöhen den Eigenverbrauch, entlasten die Netze und machen das Energiesystem insgesamt effizienter.
Auch in der Praxis zeigt sich der wachsende Stellenwert: In Einfamilienhäusern sind Eigenverbrauchsquoten von 60 bis 80 Prozent möglich. Unternehmen profitieren insbesondere von reduzierten Netzgebühren, etwa im Zusammenspiel mit Elektromobilität. Gleichzeitig verkürzen sich die Umsetzungszeiten deutlich – kleinere PV-Speichersysteme sind innerhalb weniger Wochen realisierbar.
Rahmenbedingungen bleiben entscheidend für weiteren PV-Ausbau
Für eine stärkere Energieunabhängigkeit kommt es aus Sicht der Branche vor allem auf verlässliche politische Rahmenbedingungen an. Photovoltaik und Stromspeicher können einen wesentlichen Beitrag zu Versorgungssicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und stabilen Strompreisen leisten.
Aktuell bremsen jedoch mehrere Faktoren den Ausbau. Laut einer Mitgliederbefragung von PV Austria zählen dazu insbesondere eine anhaltende Investitionszurückhaltung, ein nachlassender politischer Rückhalt sowie die angespannte Preissituation im Markt.
Die technischen Lösungen für ein stärker integriertes Energiesystem sind vorhanden. Entscheidend wird sein, ob die Politik zeitnah die regulatorischen Voraussetzungen schafft, um den Ausbau von Photovoltaik und Speichern weiter zu beschleunigen.
Zu weiteren Grafiken zum PV- und Batteriespeicherausbau in Österreich.
Quelle: PV Austria | www.solarserver.de © Solarthemen Media GmbH