Netzpaket gefährdet 32 GW Wind- und Photovoltaikprojekte sowie 45 Milliarden Euro Investitionen
Grafik: envis / Green Planet Energy„Gerade jetzt Milliarden für Wind und Solar zu blockieren, wäre ein Fehler“, sagt Carolin Dähling, Bereichsleiterin Politik und Kommunikation bei Green Planet Energy. Hintergrund ist eine Kurzstudie des Beratungsunternehmens enervis im Auftrag des Ökostromanbieters, die zentrale Elemente des geplanten Netzpakets kritisch bewertet.
Studie sieht Risiken für Photovoltaik- und Windprojekte
Die Analyse kommt zu dem Ergebnis, dass zentrale Elemente des geplanten Netzpakets die Wirtschaftlichkeit von Wind- und Photovoltaikprojekten deutlich verschlechtern könnten. Im Fokus steht dabei die Einführung sogenannter „kapazitätslimitierter Netzgebiete“. In diesen Regionen sollen Betreiber von Wind- und Photovoltaikanlagen künftig keine Entschädigung mehr für Abregelungen (Redispatch) erhalten.
Diese Maßnahme betrifft laut Studie rund 90 Landkreise in Deutschland – insbesondere in Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Sachsen-Anhalt und Bayern. Für die Energiewirtschaft ist das ein relevanter Eingriff: Redispatch-Zahlungen gelten bislang als wichtiger Bestandteil der Erlössicherheit, insbesondere für Projekte in Regionen mit Netzengpässen.
Photovoltaik-Ausbau: 9,2 Gigawatt Freiflächenleistung betroffen
Die Analyse zeigt deutliche Auswirkungen auf den Photovoltaik-Markt. Rund 9,2 Gigawatt an kurzfristig realisierbaren PV-Freiflächenanlagen könnten wirtschaftlich nicht mehr tragfähig sein. Das entspricht etwa 28 Prozent der aktuell geplanten Projekte in diesem Segment.
Mit einem Investitionsvolumen von rund 4,9 Milliarden Euro bewegt sich diese Größenordnung in der Nähe eines typischen Jahreszubaus bei Freiflächenanlagen in Deutschland. Damit würde ein erheblicher Teil des geplanten PV-Wachstums unmittelbar gefährdet.
Besonders kritisch ist dabei die technologieübergreifende Betrachtung: Regionen mit hohem Photovoltaik-Anteil könnten auch neue Windprojekte ausbremsen – und umgekehrt. Für Projektierer entsteht dadurch zusätzliche Unsicherheit bei der Standortwahl.
Windenergie stärker betroffen als Photovoltaik
Noch deutlicher fallen die Auswirkungen im Bereich der Windenergie aus. Laut Studie stehen rund 23 Gigawatt Onshore-Windleistung zur Disposition – etwa 30 Prozent der anstehenden Projekte. Das entspricht einem Investitionsvolumen von rund 40 Milliarden Euro.
Für Investoren ergibt sich daraus ein doppeltes Risiko: Neben steigenden Erlösunsicherheiten durch fehlende Redispatch-Vergütung kommt eine schwer kalkulierbare regulatorische Komponente hinzu. Ob ein Standort als „kapazitätslimitiert“ gilt, kann sich im Projektzeitraum ändern.
Auswirkungen auf Ausschreibungen und Strompreise
Die Studie verweist zudem auf mögliche systemische Effekte für den Markt. „Die höheren Erlösrisiken werden in Gebote eingepreist, und ein geringerer Wettbewerb ermöglicht strategischere Gebote“, sagt Tim Höfer, Energiemarktexperte bei enervis. Dies könne zu steigenden Förderkosten führen.
Ein weiterer Aspekt: Die Zahl der betroffenen Regionen könnte künftig zunehmen. In windstärkeren Jahren steigt der Redispatch-Bedarf, wodurch mehr Netzgebiete als „kapazitätslimitiert“ eingestuft werden könnten. Zudem bleibt dieser Status laut Studie bis zu drei Jahre bestehen – selbst bei rückläufigen Engpässen. Unabhängig davon gilt der Netzausbau weiterhin als zentrale Voraussetzung für die Integration zusätzlicher Erneuerbaren-Kapazitäten.
Fazit: Investitionsrisiken für Photovoltaik und Windenergie steigen
Die geplanten Regelungen könnten die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für neue Wind- und Photovoltaikprojekte verschlechtern. Insbesondere für Freiflächenanlagen ergeben sich laut Studie zusätzliche Erlösrisiken durch mögliche Abregelungen ohne Entschädigung.
Damit rückt die Ausgestaltung des Netzpakets stärker in den Fokus der Branche. Für Projektierer und Investoren gewinnen verlässliche regulatorische Rahmenbedingungen weiter an Bedeutung, um den geplanten Ausbau von Photovoltaik und Windenergie unter den aktuellen Ausbauzielen zu gewährleisten.
Quelle: Green Planet Energy eG | www.solarserver.de © Solarthemen Media GmbH