Photovoltaik-Solarpark in Varel kombiniert Moor-PV, Agri-PV und Freiflächenanlage

Der Solarpark in Varel in Niedersachsen, kombiniert Moor-PV, Agri-PV und klassische Photovoltaik-Freiflächennutzung.Foto: WI Energy
Bei der Photovoltaik-Modulwahl setzten die Partner auf bifaziale Solarpanele.
In Varel in Niedersachsen vereint ein Solarprojekt Moor-PV, Agri-PV mit einer klasssichen Photovoltaik-Freiflächenanlage. Insbesondere der sehr saure Moorboden machte das Projekt technisch anspruchsvoll.

Auf rund 40 Hektar im niedersächsischen Varel entstand im Jahr 2025 ein Solarpark mit einer installierten Leistung von 38,8 Megawatt. Als eine der ersten Anlagen Deutschlands, vereint die Photovoltaik-Freiflächenanlage Moor-PV, Agri-PV und klassische Freiflächennutzung an einem zusammenhängenden Standort. Das Photovoltaik-Projekt in Varel haben die WI Energy GmbH, die emt²gruppe sowie die Landwirte Andreas Rengstorf und Lars Kaper gemeinsam realisiert.

Die ökologische wie wirtschaftliche Logik des Projekts ist dabei eng verknüpft: Entwässerte Moorflächen zählen zu den größten Einzelquellen von Treibhausgasen in Deutschland. Durch gezielte Wiedervernässung dieser Flächen und die gleichzeitige Installation von Photovoltaik-Anlagen entsteht ein doppelter Klimanutzen – Reduktion von CO₂-Emissionen und CO₂-freie Stromerzeugung. Auf einer Teilfläche von etwa einem Hektar wird zudem Agri-PV mit Rinderhaltung praktiziert. Die Solarmodule sind mindestens 2,10 Meter hoch aufgeständert. Damit können neben Schafen auch Rinder unter den Solarpanelen grasen und die Landwirte können Fläche kann ganzflächig bewirtschaften.

Das Projekt wurde vom Zusammenspiel regionaler Expertise und professioneller Projektentwicklung getragen. Die Projektpartner und Landwirte Andreas Rengstorf und Lars Kaper brachten ihre Flächen ein, sprachen weitere Grundeigentümer an und sicherten so mit ihrer Ortskenntnis die zusammenhängende Flächenkulisse. Pachtverträge mit einer Laufzeit von 30 Jahren gewährleisten die langfristige Nutzung. Als Generalunternehmen für die bauliche Realisierung zeichnet sich die emt²gruppe verantwortlich. WI Energy verantwortet Planung, Finanzierung und laufendes Management des Standorts. „Von Beginn an wurde das Projekt gemeinsam entwickelt und hat vom engen Austausch aller Beteiligten profitiert“, sagt Andreas Rengstorf, Landwirt und Mitgestalter des Projekts.

Moor-PV in Varel technisch anspruchsvoll

Die technische Umsetzung stellte das Projektteam vor außergewöhnliche Herausforderungen. Der sehr saure Moorboden mit einem pH-Wert von 4,2 machte Spezialbeschichtungen erforderlich. Die Gründungen reichten bis zu 4,5 Meter tief. Achtzehn bis zu 25 Tonnen schwere Trafostationen musste man teilweise per Traktor auf das Gelände transportieren.

Trotz dieser Komplexität konnte man den Netzanschluss im Dezember 2025 realisieren – mehr als sechs Monate früher als ursprünglich für das dritte Quartal 2026 geplant. Möglich wurde das durch parallele Bauabläufe. Während man die Solarmodule installiert hat, verlief der Bau der Kabeltrasse zeitgleich.

Bei der Photovoltaik-Modulwahl setzten die Partner auf bifaziale Solarpanele. Diese nutzen nicht nur direkte Sonneneinstrahlung, sondern zusätzlich das von der nassen Mooroberfläche reflektierte Licht. Dieser technische Vorteil soll die spezifischen Bedingungen des Standorts gezielt in Mehrertrag überführen.

Bürgerbeteiligung an Solarpark mit Sharing-Economy-Modell

Die Stromvergütung ist über das EEG Ausschreibungsverfahren für 20 Jahre gesichert. Ein zusätzlicher Schutzmechanismus des Direktvermarkters federt negative Strompreise ab. Die Finanzierungsstruktur basiert auf dem Sharing-Economy-Modell von WI Energy: Bürgerinnen und Bürger sowie Landwirte der Region konnten sich in einer frühen Projektphase vorrangig beteiligen – über Realeigentum, Direktbeteiligungen oder Crowdfunding. Die Gründung einer Bürgerenergiegenossenschaft, an der sich auch die Volksbank und die Stadt Varel beteiligt haben, ermöglichte die Beteiligung an der PV-Anlage auch mit kleineren Geldbeträgen. Durch einen eigenständigen Solaranlagen-Betrieb sind in dem Modell die Investoren zugleich Unternehmer. Ein Smart Metering-System erfasst die Stromproduktion jeder Einheit des Solarparks in Echtzeit und gewährleistet Transparenz für alle Beteiligten.

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Quelle: WI Energy | solarserver.de © Solarthemen Media GmbH

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