Vier Hebel für die Wirtschaftlichkeit von Batteriespeichern in der Industrie

Eine Grafik zeigt Solarmodule als Dach über Batterien, die mit Solarzellen ummantelt sind, Voltvera sieht vier Hebel für die Wirtschaftlichkeit der Batteriespeicher in der Industrie.Foto: Bluedesign / stock.adobe.com
Photovoltaik-Anlagen sind auf vielen Industriedächern Standard. Doch erst mit Batteriespeicher entfaltet sich ihre wirtschaftliche Nutzung so richtig.
Voltvera aus Münster ist auf Batteriespeicher in der Industrie spezialisiert. Das Energie-Start-Up hat vier Hebel identifiziert, die die Stromkosten deutscher Unternehmen senken und den Energiebezug flexibilisieren.

Steigende und volatile Strompreise erhöhen laut Voltvera den wirtschaftlichen Druck auf energieintensive Unternehmen. Gleichzeitig wächst das Angebot an Lösungen, die diesem Druck konkret begegnen. Industrielle Batteriespeicher gehören heute dazu — nicht als Zukunftstechnologie, sondern als erprobtes Instrument mit dokumentierten Einsparungen. Entscheidend ist dabei, wie man einen Stromspeicher in der Industrie einsetzt: Wer alle vier wirtschaftlichen Hebel kombiniert, erzielt Stromkosteneinsparungen von über 30 Prozent bei Amortisationszeiten von zwei bis fünf Jahren. Entscheidend für die Wirtschaftlichkeit von Batteriespeichern in der Industrie ist dabei vor allem die Qualität des Energiemanagementsystems.

Hebel 1: PV-Eigenverbrauch erhöhen

Photovoltaik-Anlagen sind auf vielen Industriedächern längst Standard. Doch ihre wirtschaftliche Nutzung bleibt oft hinter den Möglichkeiten zurück. Ohne Batteriespeicher liegt die Eigenverbrauchsquote trotz hohem Gesamtverbrauch in der Industrie häufig unter 50 Prozent. Der Grund ist einfach: PV-Strom entsteht vor allem mittags, während der Bedarf auch morgens und abends hoch ist.

Ein Batteriespeicher überbrückt diese zeitliche Diskrepanz. Er nimmt Überschüsse aus der Mittagszeit auf und stellt sie in verbrauchsstarken Stunden wieder bereit. In der Praxis steigt die Eigenverbrauchsquote dadurch oft auf über 80 Prozent. Da jede selbst verbrauchte Kilowattstunde den teureren Netzbezug ersetzt, summieren sich die Einsparungen schnell auf 20 Prozent oder mehr der gesamten Stromkosten.

Hebel 2: Lastspitzen kappen

Weniger bekannt, aber wirtschaftlich oft noch wirkungsvoller ist die Reduktion von Leistungsspitzen. Der leistungsbezogene Anteil der Stromrechnung — berechnet auf Basis der höchsten Viertelstundenleistung des gesamten Jahres — macht in Industrie- und Gewerbebetrieben regelmäßig 20 bis 40 Prozent der Gesamtkosten aus.

Das Besondere an diesem Mechanismus: Eine einzige kurze Lastspitze, etwa durch das parallele Anlaufen mehrerer Maschinen, bestimmt den Leistungspreis für zwölf Monate. Moderne Energiemanagementsysteme (EMS) prognostizieren solche kritischen Momente anhand historischer Lastprofile und entladen den Stromspeicher exakt dann, wenn sich der Leistungsbezug dem Schwellenwert annähert. Das Ergebnis sind stabile, planbare Einsparungen — bei mittelgroßen Anlagen häufig im sechsstelligen Bereich pro Jahr.

Hebel 3: Stromeinkauf optimieren

Mit der zunehmenden Verbreitung dynamischer Stromtarife wird der Zeitpunkt des Strombezugs für Unternehmen wirtschaftlich relevant. Die Börsenstrompreise schwanken im Tagesverlauf erheblich — von negativen Werten in Zeiten hoher PV-Einspeisung bis zu mehreren hundert Euro pro Megawattstunde in windstillen Abendstunden.

Ein Stromspeicher entkoppelt Einkauf und Verbrauch: Er lädt dann, wenn Energie günstig ist, und ersetzt in teuren Stunden den Netzbezug. Betriebe, die bereits früh morgens oder bis in den Abend hinein produzieren, profitieren besonders stark von diesem Mechanismus — denn genau dann klaffen Marktpreis und Verbrauchsbedarf am weitesten auseinander.

Hebel 4: Automatisierter Stromhandel

Freie Speicherkapazitäten lassen sich heute nutzen, um an Strombörsen zu handeln oder Systemdienstleistungen zur Netzstabilisierung bereitzustellen. Moderne Energiemanagementsysteme übernehmen das vollständig automatisiert — KI-gestützt, auf Basis von Preis- und Lastprognosen. Damit entstehen zusätzliche Erlöse, die die Wirtschaftlichkeit eines Stromspeichers in der Industrie weiter verbessern.

Wirtschaftlichkeit: Was Betriebe in der Industrie heute realistisch von Batteriespeichern erwarten können

Industrielle Batteriespeicher kosten heute laut Voltvera typischerweise bei 150 bis 250 Euro pro Kilowattstunde Speicherkapazität. Werden mehrere der genannten Hebel kombiniert, erzielen Betriebe häufig Einsparungen von über 30 Prozent ihrer Stromkosten — bei Amortisationszeiten zwischen zwei und fünf Jahren. Voltvera nennt ein Beispiel aus der Praxis: Ein System mit 1 MW Leistung und 2 MWh Kapazität senkt bei Gesamtinvestitionskosten von rund 550.000 Euro die jährliche Stromrechnung von 600.000 auf unter 400.000 Euro. Nach gut drei Jahren ist der Speicher abbezahlt — und arbeitet noch ein Jahrzehnt weiter.

Entscheidend für die Wirtschaftlichkeit ist nicht allein die Hardware — sondern die Qualität des Energiemanagementsystems dahinter. Es muss in der Lage sein, alle vier Hebel automatisch und gleichzeitig zu optimieren: Eigenverbrauch, Lastspitzen, Einkaufsstrategie und Markterlöse. Nur so wird die Speicherkapazität immer dem aktuell wirtschaftlichsten Einsatz zugeführt.

Batteriespeicher entwickeln sich immer mehr zu einem strategischen Baustein der industriellen Energieinfrastruktur — weit über ihre ursprüngliche Rolle als Notstromlösung hinaus. Sie erhöhen die Resilienz, ermöglichen flexible Beschaffungsstrategien und schaffen Planbarkeit in einem zunehmend komplexen Energiemarkt.

Über die häufigsten Fehler bei der Wirtschaftlichkeitsberechnung von Gewerbespeichern hat der Solarserver kürzlich einen Gastbeitrag veröffentlicht.

Quelle: Voltvera | solarserver.de © Solarthemen Media GmbH

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