Andritz modernisiert Wasserkraftwerke in Neuseeland – Leistung steigt um 76 MW

Das Foto zeigt ein Wasserkraftwerk in einer bewaldeten Hügellandschaft, dass einen Fluß in ein Oben und ein Unten teilt.Foto: Mercury / Stephen Wells
Andritz modernisiert Wasserkraftwerke in Neuseeland: plus 76 MW Leistung und mehr Flexibilität für ein erneuerbares Stromsystem, hier das Kraftwerk Ōhakuri.
Die Andritz AG erhält einen Großauftrag zur Modernisierung von drei Wasserkraftwerken in Neuseeland. Die Maßnahmen sollen die Leistung deutlich steigern und die Versorgungssicherheit im stark erneuerbaren Stromsystem des Landes erhöhen. Für den Betreiber Mercury NZ Limited ist das Projekt Teil einer langfristigen Investitionsstrategie.

Modernisierung bestehender Wasserkraft als Schlüsseltechnologie

Mercury hat die Andritz Gruppe mit der Lieferung und Installation von neun Turbinen und 13 Generatoren für die Kraftwerke Maraetai I, Ātiamuri und Ōhakuri beauftragt. Die Anlagen liegen am Waikato-Fluss, der rund 10 Prozent der neuseeländischen Stromproduktion liefert. Neben Turbinen und Generatoren umfasst die Modernisierung auch Reglertechnik sowie elektromechanische Komponenten. Ziel ist es, die Effizienz der Bestandsanlagen aus den 1950er- und 1960er-Jahren deutlich zu erhöhen und ihre Lebensdauer zu verlängern. Der Auftragswert liegt im unteren dreistelligen Millionen-Euro-Bereich und wurde im ersten Quartal 2026 verbucht.

Mehr Leistung und höhere Jahreserzeugung

Durch das Retrofit steigt die installierte Gesamtleistung der drei Kraftwerke von derzeit 376 MW um rund 76 MW auf 452 MW. Gleichzeitig erhöht sich die jährliche Stromproduktion um etwa 87 GWh. Für ein Stromsystem wie das neuseeländische, das bereits heute zu bis zu 90 Prozent auf erneuerbaren Energien basiert, sind solche Effizienzsteigerungen besonders relevant. Sie ermöglichen zusätzliche Erzeugung ohne Flächenverbrauch oder neue Eingriffe in Ökosysteme, ein Ansatz, der auch international an Bedeutung gewinnt.

Relevanz für Energiemarkt und Systemintegration

Neuseeland verfolgt das Ziel, bis 2030 einen Anteil von über 98 Prozent erneuerbarer Stromerzeugung zu erreichen. Wasserkraft spielt dabei eine zentrale Rolle als flexible und regelbare Energiequelle. Für die Integration fluktuierender Erzeugung aus Wind- und Solarenergie ist diese Flexibilität entscheidend. Modernisierte Wasserkraftwerke können schneller auf Laständerungen reagieren und tragen zur Netzstabilität bei, eine Funktion, die auch in europäischen Energiesystemen zunehmend gefragt ist.

Mercury selbst erzeugt jährlich rund 8.000 GWh Strom aus erneuerbaren Quellen und deckt damit etwa 20 Prozent des nationalen Strombedarfs.

Trend: Retrofit statt Neubau

Das Projekt unterstreicht einen globalen Trend: Statt Neubauten rückt die Modernisierung bestehender Wasserkraftwerke in den Blick. Laut internationalen Energieanalysen lassen sich durch Retrofit-Maßnahmen Effizienzsteigerungen von 5 bis 20 Prozent erzielen.

Für Investoren und Betreiber ergeben sich daraus vergleichsweise risikoarme Möglichkeiten, zusätzliche Kapazitäten zu erschließen. Gleichzeitig profitieren Netzbetreiber von verbesserter Regelbarkeit und höherer Versorgungssicherheit.

Fazit und Ausblick

Die Modernisierung der Waikato-Kraftwerke zeigt, wie Bestandsanlagen zur Stütze erneuerbarer Energiesysteme werden können. Für Märkte mit wachsendem Photovoltaik- und Windanteil gewinnt dieser Ansatz zudem an Bedeutung. Auch in Europa dürfte die Nachrüstung bestehender Wasserkraftwerke künftig eine größere Rolle spielen, insbesondere im Kontext steigender Anforderungen an Flexibilität und Netzstabilität.

Mehr zum Thema

Repowering-Vorhaben mit dem Ziel der Erhöhung der installierten Leistung spielen bei der Modernisierung von Wasserkraft-Bestandsanlagen auch bei Photovoltaik und Windenergie eine Rolle.

Quelle: Andritz AG | www.solarserver.de © Solarthemen Media GmbH

Schließen