EEG-Novelle: Einschnitte bei Dach-Solaranlagen könnten PV-Ausbaupfad gefährden

Das Foto zeigt einen Monteur in Arbeitskleidung, gesichert durch einen Gurt und mit blauem Schutzhelm auf dem Kopf, auf einem roten Dach vor blauem Himmel, der ein PV-Modul installiert.Foto: Elenathewise / stock.adobe.com
Die EEG-Novelle 2026 schwächt Dach-Solaranlagen: Risiken für Ausbauziele, Markt und Energiewende entstehen durch neue Förderregeln.
Der Referentenentwurf zur Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) verschlechtert die Rahmenbedingungen für Dach-Photovoltaik deutlich. Fachleute vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie warnen vor einem Einbruch im Segment der Gebäudeanlagen und Risiken für die Klimaziele. Der Entwurf setzt stattdessen stärker auf den Ausbau von Freiflächenanlagen.

Dach-Solar durch EEG-Novelle 2026 unter Druck

Dach-Solaranlagen stellten in den vergangenen Jahren rund die Hälfte des Photovoltaik-Zubaus in Deutschland. 2024 lag der Zubau bei rund 17 Gigawatt (GW), 2025 bei gut 16 GW. Für das Erreichen der Klimaziele wäre jedoch ein Anstieg auf etwa 20 GW pro Jahr erforderlich. Die aktuelle EEG-Novelle könnte dieses Ziel gefährden. Insbesondere die Wirtschaftlichkeit neuer Gebäudeanlagen verschlechtert sich deutlich – sowohl im privaten als auch im gewerblichen Segment, so Prof. Dr.-Ing. Manfred Fischedick und Dr. Sascha Samadi vom Wuppertal Institut in ihrer Stellungnahme.

Wegfall der Einspeisevergütung und neue Vermarktungspflichten

Für kleine Anlagen bis 25 kWp ist laut Entwurf vorgesehen, die gesetzliche Einspeisevergütung vollständig zu streichen. Damit wird der Eigenverbrauch zum zentralen Wirtschaftlichkeitsfaktor. Analysen des Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE zeigen, dass die Wirtschaftlichkeit kleiner PV-Anlagen maßgeblich vom Eigenverbrauch abhängt. Wird kein ausreichend hoher Eigenverbrauch erreicht, kann sich der Betrieb selbst mit Speicher wirtschaftlich nur eingeschränkt darstellen.

Überschüssiger Strom soll stattdessen verstärkt über die Direktvermarktung abgesetzt werden. Für private Betreiber stellt dies jedoch eine strukturelle Hürde dar. Die Vermarktung kleiner Strommengen verursacht vergleichsweise hohe Kosten, während gleichzeitig die notwendige Infrastruktur – etwa intelligente Messsysteme – noch nicht flächendeckend verfügbar ist. Ohne Übergangsregelungen droht daher ein spürbarer Rückgang im Segment der Kleinanlagen, so die Experten.

Wirtschaftlichkeit auch bei größeren Dachanlagen unter Druck

Auch im Segment oberhalb von 25 kWp verschlechtern sich die Rahmenbedingungen. Der Entwurf sieht vor, die bislang höhere Vergütung bei Volleinspeisung abzuschaffen und einen einheitlichen Fördersatz unabhängig von der Anlagengröße einzuführen. Besonders betroffen sind damit gewerbliche Dachflächen, auf denen nur geringe Eigenverbrauchsanteile realisiert werden können.

Zusätzliche Unsicherheiten ergeben sich aus parallel diskutierten Maßnahmen im Netzanschlussbereich. Geplant sind unter anderem Baukostenzuschüsse durch Netzbetreiber sowie Einschränkungen bei Entschädigungen, wenn Anlagen aufgrund von Netzengpässen abgeregelt werden. Für Projektierer und Investoren erhöhen sich damit sowohl die Kosten als auch die Risiken.

Strategiewechsel hin zu Freiflächenanlagen

Während Dach-Solaranlagen an Attraktivität verlieren, setzt die Bundesregierung stärker auf Freiflächen-Photovoltaik. Ab 2027 soll das jährliche Ausschreibungsvolumen von derzeit 9,9 auf 14 GW steigen. Damit verschiebt sich der geplante Ausbaupfad deutlich: Pro Jahr würden rund 4 GW zusätzlich auf Freiflächen entfallen, während der Zubau bei Gebäudeanlagen entsprechend sinken würde.

Begründet wird dieser Kurs mit Kostenvorteilen. Freiflächenanlagen erreichen aufgrund von Skaleneffekten deutlich niedrigere Stromgestehungskosten als Dachanlagen. Gleichwohl ist die Umsetzbarkeit dieses Ausbaupfads unsicher. Die installierte Leistung müsste laut Fischedick und Samadi von derzeit etwa 40 Gigawattpeak (GWp) bis 2032 auf rund 130 GWp steigen und perspektivisch bis 2040 sogar auf bis zu 240 GWp anwachsen. Neben technischen und regulatorischen Herausforderungen spielen dabei auch Akzeptanzfragen eine wachsende Rolle, etwa durch Nutzungskonflikte mit der Landwirtschaft oder regionale Widerstände.

Folgen für Akzeptanz, Sektorkopplung und Beschäftigung

Dach-Photovoltaik gilt als die gesellschaftlich am breitesten akzeptierte Form der erneuerbaren Energien und ermöglicht eine direkte Teilhabe von Haushalten und Unternehmen an der Energiewende. Umfragen der letzten Jahre, etwa von Eon oder der Initiative Klimaneutrales Deutschland, zeigen zudem, dass Haushalte mit Photovoltaik-Anlagen häufig auch in weitere Technologien wie Elektroautos oder Wärmepumpen investieren. Eine Abschwächung dieses Segments könnte daher auch die Elektrifizierung in den Bereichen Verkehr und Wärme bremsen.

Darüber hinaus ist Dach-PV stärker mit regionaler Wertschöpfung verbunden. Installation und Wartung erfolgen überwiegend durch lokale Handwerksbetriebe, sodass eine Verschiebung hin zu großskaligen Freiflächenprojekten auch beschäftigungspolitische Effekte haben dürfte.

Kostenvorteile bleiben begrenzt

Die erwarteten Einsparungen durch eine stärkere Fokussierung auf Freiflächenanlagen fallen vergleichsweise moderat aus. Nach Berechnungen von Fischedick und Samadi vom Wuppertal Institut könnten die jährlichen Stromsystemkosten bis 2035 um rund 0,9 Prozent (1,5 Milliarden Euro, 2024) und bis 2045 um etwa 1,5 Prozent (2,8 Milliarden Euro, 2024) sinken. Bezogen auf den Stromverbrauch entspricht dies langfristig einer Entlastung von etwa 0,3 Cent pro Kilowattstunde. Diese potenziellen Vorteile stehen jedoch erheblichen Unsicherheiten beim Ausbau sowie möglichen negativen Effekten für Akzeptanz und Systemintegration gegenüber.

Fazit: Ausbaupfad braucht ausgewogene Rahmenbedingungen

Die EEG-Novelle verfolgt das Ziel, die Kosten der Energiewende zu begrenzen, verschiebt jedoch gleichzeitig die Balance im Photovoltaik-Ausbau deutlich zulasten der Dachanlagen. Angesichts ihrer bisherigen Rolle als zentraler Treiber des PV-Zubaus birgt dies Risiken für die Ausbaugeschwindigkeit und die Erreichung der Klimaziele. Aus Sicht der Energiewirtschaft erscheint den Experten ein gestufter Übergang sinnvoll. Dazu zählen insbesondere zeitlich verzögerte Vorgaben für die Direktvermarktung kleiner Anlagen sowie verbesserte Rahmenbedingungen für deren Umsetzung. Entscheidend wird sein, ob es gelingt, Dach- und Freiflächen-Photovoltaik in einem ausgewogenen Verhältnis weiterzuentwickeln.

Quelle: Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie gGmbH | www.solarserver.de © Solarthemen Media GmbH

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