Erneuerbare Energien: Regionale Wertschöpfung könnte sich bis 2033 mehr als verdoppeln

Die Grafik zeigt die Wertschöpfung 2033 auf eine gelb-orange-braun eingefärbten Deutschlandkarteauf eine gelb-orange-braun eingefärbten Deutschlandkarte auf einer gelb-orange-braun eingefärbten Deutschlandkarte: Was Windenergie und Photovoltaik den Regionen ökonomisch bringen (Landkreise/Städte, Minimalszenario).Grafik: Berlin Institut / IÖW / IW Consult 2026, erstellt mit Datawrapper.
Wertschöpfung 2033: Ermittelt wurde die Nettowertschöpfung bestehend aus Beschäftigteneinkommen, Unternehmensgewinnen sowie Pachtzahlungen und kommunalen Steuereinnahmen sowie Einnahmen aus dem § 6 EEG, die sich aus dem Zubau und dem Anlagenbetrieb im Jahr 2033 ergeben.
Der Ausbau von Wind- und Photovoltaikanlagen kann Kommunen in Deutschland deutlich höhere Einnahmen verschaffen. Laut einer aktuellen Studie könnten sich die regionalen Wertschöpfungseffekte bis 2033 auf rund 12,4 Milliarden Euro jährlich erhöhen. Voraussetzung sind jedoch angepasste Rahmenbedingungen und stärkere lokale Beteiligung.

Studie quantifiziert regionale Effekte von Wind- und Solarenergie

Eine gemeinsame Untersuchung des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung, des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) sowie von IW Consult zeigt: Der Ausbau erneuerbarer Energien entwickelt sich zunehmend zu einem wirtschaftlichen Faktor für Regionen. Bereits im Jahr 2023 erzeugten Windenergie- und Photovoltaikanlagen in Deutschland rund 10 Milliarden Euro direkte Wertschöpfung und sicherten etwa 51.000 Vollzeitarbeitsplätze.

Rund 5,5 Milliarden Euro (55 Prozent) verblieben dabei in den Standortregionen. Dieses Niveau könnte sich laut den Modellrechnungen bis 2033 mehr als verdoppeln, vorausgesetzt, die nationalen Ausbauziele werden erreicht. Dann wären jährlich rund 21 Milliarden Euro direkte Wertschöpfung möglich, wovon etwa 12,4 Milliarden Euro lokal wirksam würden.

Kommunale Einnahmen und Beschäftigung wachsen mit dem Ausbau

Regionale Wertschöpfung als wirtschaftlicher Hebel

Die Studie macht deutlich, dass insbesondere ländliche Regionen mit geeigneten Flächen von Wind- und Solarprojekten profitieren. Neben Gewerbesteuern und Pachteinnahmen entstehen zusätzliche Effekte durch lokale Dienstleistungen, etwa in Betrieb und Wartung von Anlagen.

In ausgewählten Vorreiterregionen wie Dardesheim, Feldheim oder Wunsiedel lassen sich laut Analyse bis zu zehn Prozent des regionalen Wirtschaftswachstums auf den Ausbau erneuerbarer Energien zurückführen. Gleichzeitig steigen die kommunalen Steuereinnahmen und zwar in einigen Landkreisen um bis zu vier Prozentpunkte innerhalb eines Jahrzehnts.

Fachkräftebedarf und regionale Unterschiede

Mit dem Ausbau wächst auch der Bedarf an qualifizierten Fachkräften. Die Studie geht davon aus, dass sich die Zahl der Beschäftigten bis 2033 auf über 100.000 verdoppeln könnte. Voraussetzung dafür sind jedoch gezielte arbeitsmarktpolitische Maßnahmen, insbesondere in strukturschwachen Regionen.

Allerdings zeigen sich deutliche regionale Unterschiede: Während norddeutsche Bundesländer aufgrund besserer Windverhältnisse höhere Wertschöpfungspotenziale aufweisen, können südliche Regionen durch Photovoltaik und integrierte Energiekonzepte aufholen.

Abfluss von Gewinnen bleibt zentrale Herausforderung

Ein zentrales Ergebnis der Untersuchung betrifft die Eigentümerstruktur von Anlagen. Derzeit fließt ein erheblicher Teil der Gewinne – insbesondere aus großen Wind- und Solarparks – an externe Investoren ab. Rund die Hälfte der Betreibergewinne verlässt somit die Standortregionen.

Aus Sicht der Forschenden liegt hier ein wesentliches ungenutztes Potenzial. Kommunale Beteiligungen, Bürgerenergiegesellschaften und regionale Investitionsmodelle könnten dazu beitragen, die lokale Wertschöpfung zu erhöhen und gleichzeitig die Akzeptanz für neue Projekte zu stärken.

Handlungsempfehlungen für Politik und Kommunen

Rahmenbedingungen für Bürgerenergie verbessern

Die Studienautor:innen empfehlen Bund und Ländern, gezielt Hemmnisse abzubauen. Dazu zählen insbesondere vereinfachte Gründungsbedingungen für Bürgerenergiegesellschaften sowie bessere Finanzierungsmöglichkeiten für Kommunen. Auch die Rolle regionaler Energieagenturen sollte gestärkt werden, um Kommunen bei Planung, Beteiligung und wirtschaftlicher Umsetzung zu unterstützen.

Förderpolitik stärker auf regionale Effekte ausrichten

Förderprogramme sollten künftig stärker an Kriterien der regionalen Wertschöpfung gekoppelt werden. Denkbar sind verbindliche Beteiligungskonzepte als Voraussetzung für Fördermittel wie beispielsweise im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative oder regionalpolitischer Programme.

Einordnung: Bedeutung für den Ausbau von Photovoltaik und Windenergie

Die Ergebnisse unterstreichen die zunehmende Systemrelevanz von Photovoltaik und Windenergie über die reine Stromerzeugung hinaus. Für Projektentwickler, Stadtwerke und Investoren gewinnen regionale Wertschöpfungsketten an Bedeutung und dies sowohl aus wirtschaftlicher als auch aus Akzeptanzperspektive. Insbesondere im Kontext steigender Flächenkonkurrenzen und Genehmigungsanforderungen könnten Beteiligungsmodelle künftig ein entscheidender Erfolgsfaktor für den Ausbau sein.

Fazit aus der Studie

Der Ausbau von Wind- und Photovoltaikanlagen kann die regionale Wertschöpfung bis 2033 deutlich steigern und Kommunen neue finanzielle Spielräume eröffnen. Entscheidend ist jedoch, dass ein größerer Anteil der Erträge in den Regionen verbleibt. Dafür braucht es verbesserte Rahmenbedingungen für kommunale Investitionen, Bürgerenergie und regionale Beteiligungsmodelle.

Hintergrund zur Studie
Der Bericht „Stärkung der regionalen Wertschöpfung durch Erneuerbare Energien“ wurde vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz in der 20. Legislaturperiode beauftragt (Redaktionsschluss: Juli 2025). Die Analyse kombiniert Modellrechnungen für alle rund 400 deutschen Landkreise und kreisfreien Städte mit Fallstudien aus ausgewählten Praxisregionen.

Quelle: Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung / Institut für ökologische Wirtschaftsforschung / Institut der deutschen Wirtschaft Köln Consult GmbH | www.solarserver.de © Solarthemen Media GmbH

Schließen