Forschungsprojekt in Bremen: Menschen vor Ort in Wärmewende einbinden
Grafik: snyGGG / stock.adobe.comDas Forschungsprojekt „KWP Boost – Bürgerschaftliche Mitwirkung als Schlüssel zur Umsetzung der Kommunalen Wärmeplanung“ untersucht in Bremen, wie Kommunen die Menschen vor Ort für eine praxistaugliche und sozial tragfähige Wärmeversorgung einbinden können. Anfang April 2026 hat der Bremer Senat den kommunalen Wärmeplan für die Stadt Bremen beschlossen. Auch für andere Kommunen mit mehr als 100.000 Einwohner:innen steht bis zum Sommer die Veröffentlichung der kommunalen Wärmepläne an. Sie zeigen, wie die Wärmeversorgung der Zukunft aussehen könnte und sind von zentraler Bedeutung, damit Deutschland bis 2045 Klimaneutralität erreicht und sich weiter aus der Abhängigkeit von Öl und Gas befreit.
Die große Herausforderung ist jetzt die Verwirklichung der vorgeschlagenen Maßnahmen vor Ort. Hier setzt das Forschungsprojekt an. In ausgewählten Bremer Quartieren erproben die Projektpartner:innen neue Wege zielgruppenspezifischer Ansprache und Beteiligung. Zusätzlich entwickeln die Partner:innen praxisnahe Handlungsempfehlungen für die Initiierung von erneuerbaren Energiegemeinschaften. Die Ergebnisse sollen anderen Kommunen, Planer:innen und Initiativen künftig als Orientierung für eine erfolgreiche Umstellung der Wärmeversorgung in urbanen Räumen dienen.
Kommunaler Wärmeplan in Bremen soll Klimaschutz, Kostenstabilität und soziale Sicherheit zusammenbringen
„Die Wärmewende in Städten ist für den Klimaschutz und die Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern fundamental“, sagt Henrike Müller, Senatorin für Umwelt, Klima und Wissenschaft in Bremen. „Für ihren nachhaltigen Erfolg sind die Expertise und die Tatkraft der Menschen vor Ort unverzichtbar – ebenso wie verlässliche Rahmenbedingungen und Planungssicherheit für Haushalte und Unternehmen.“
Wie groß der Handlungsbedarf ist, zeigt ein Blick auf die Situation vor Ort: „Etwa zwei Drittel der Gebäude in Bremen und Bremerhaven werden noch mit Öl und Gas beheizt“, sagt Martin Grocholl, Geschäftsführer der Bremer Klimaschutzagentur Energiekonsens. „Das verstärkt die Klimakrise und sorgt angesichts steigender CO2-Preise sowie der geplanten Grüngasquote für absehbar höhere Kosten. Hinzu kommen große Sorgen und Verunsicherungen im Falle von geopolitischen Krisen, wie wir sie derzeit wieder erleben.“
Die Sozialverträglichkeit der Maßnahmen ist ein zentrales Anliegen des Projekts und gerade in Großstädten wie Bremen besonders wichtig. Denn nur, wenn auch Menschen mit geringem Eigenkapital und begrenzten Mitteln bezahlbar und zukunftssicher Heizen, kann die Wärmewende gelingen. Jürgen Knies, Professor von der Hochschule Bremen betont, dass technische Lösungen allein nicht ausreichen: „Kommunikation aus der Gießkanne funktioniert nicht. Das Projekt setzt genau da an: So unterschiedlich die Lebenslagen der Menschen sind, so unterschiedlich müssen Informationen aufbereitet und sinnvolle Handlungsoptionen aufgezeigt werden.“
Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) fördert das Projekt im Rahmen des 8. Energieforschungsprogramms der Bundesregierung über den Förderaufruf „Vom Plan zur Wende“ über zwei Jahre. Die gemeinnützigen Klimaschutzagentur Energiekonsens und die Hochschule Bremen (HSB) bearbeiten das Projekt. Weitere Projektpartner sind das Berliner Beratungsunternehmen Adelphi Research sowie das Ecolog-Institut aus Lüneburg.
Quelle: Hochschule Bremen | solarserver.de © Solarthemen Media GmbH