Fraunhofer IEE entwickelt Konzept für Mikrowärmenetze

Ein Kunststoffleitungssystem auf einer Rolle zur Versorgung eines Quartiers mit einem Wärmemedium.Foto: Oliver Ristau
Das Fraunhofer IEE will mit Partnern im Projekt GemeinsamWaermer eine Blaupause für die kommunale Wärmewende entwickeln. Es geht um Mikrowärmenetze.

Am Fraunhofer Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik IEE entwickeln Forschende ein Konzept für Mikrowärmenetze in Kommunen. Wie das Institut mitteilte, handelt es sich dabei um das Projekt “GemeinsamWaermer”. Das soll in den nächsten zwei Jahren Ergebnisse liefern, die sich als Blaupause für die kommunale Wärmewende eignen. Und zwar zusammen mit dem Werra-Meißner-Kreis, der Stadt Kassel, dem Institut für Klimaschutz, Energie und Mobilität e.V. (IKEM), dem Netzwerk Energiewende Jetzt sowie dem House of Energy. Das Projekt erhält eine Förferung vom Bundeswirtschaftsministerium in Höhe von rund 1,4 Mio. Euro.

Mikrowärmenetze sind neben Einzelheizungen und großskaligen Nah- und Fernwärmenetzen eine Versorgungsoption für die Kommunen. Mikrowärmenetze können dabei bis zu 15 Gebäude mit einer gemeinsamen Wärmeversorgung verbinden. Anders als bei klassischen Wärmenetzen handelt es sich um kleinskalige Systeme, die insbesondere für kleinere Quartiere, Dorflagen oder Bestandsgebiete geeignet sind.

„Trotz ihres großen Potenzials werden Mikrowärmenetze bislang nur vereinzelt umgesetzt. Gründe dafür sind fehlende Erfahrungswerte, komplexe rechtliche Rahmenbedingungen sowie Unsicherheiten bei Wirtschaftlichkeit und Akzeptanz“, sagt Holger Schülbe, Klimaschutzmanager des Werra-Meißner-Kreises.

Abrufbare Informationen zu Mikrowärmenetzen schaffen

Ziel des Projektes GemeinsamWaermer ist es Kommunen, Energiegenossenschaften, Energieversorgungunternehmen und Gebäudeeigentümern passgenaue, umsetzungsorientierte Informationen zu Mikrowärmenetzen online zugänglich zu machen. „Ergänzend werden Akteure vor Ort durch paxisorientierte Werkzeuge, Entscheidungshilfen, Leitfäden und Best‑Practice‑Beispiele schrittweise handlungsfähig“, sagt Alwina Kaiser, Projektleiterin am Fraunhofer IEE.

„Die kommunale Wärmeplanung hilft uns, gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern eine bezahlbare und nachhaltige Wärmeversorgung für Kassel zu entwickeln. So machen wir die Wärmewende für alle greifbar“, freut sich Stadtklimarätin Simone Fedderke.

Peter Birkner, Geschäftsführer des House of Energy: „Mikrowärmenetze sind ein Schlüssel für die Wärmewende im Kleinen. Jetzt gilt es, praxistaugliche Lösungen schnell in die Breite zu bringen.”

Schwerpunkte des Projekts

  • Analyse, Bewertung und Konzeption erneuerbarer Wärmesysteme: Das Fraunhofer IEE entwickelt als Projektleitung technische sowie techno‑ökonomische Grundlagen für Mikrowärmenetze und bringt seine umfangreiche Expertise ein.
  • Akzeptanzforschung und rechtliche, regulatorische sowie organisatorische Rahmenbedingungen: Das Institut für Klimaschutz, Energie und Mobilität (IKEM) entwickelt u.a. aus den lokalen Akzeptanzfaktoren eine Akzeptanz- und Kommunikationsstrategie für Kommunen. Daneben übernimmt das IKEM die Identifizierung rechtlicher Hemmnisse mit dem Ziel, durch Anpassungen der gesetzlichen Vorgaben die Umsetzung von Mikrowärmenetzen zu erleichtern. Außerdem bereitet es rechtliche Rahmenbedingungen praxisnah für unterschiedliche Betreibermodelle auf.
  • Praxis‑ und Erprobungsräume aus kommunaler Perspektive: Die kommunalen Partner – insbesondere der Werra‑Meißner‑Kreis und die Stadt Kassel aber auch die assoziierten Kommunen, bringen Erkenntnisse aus der kommunalen Wärmeplanung und bereits umgesetzten Mikrowärmenetzen ein.
  • Zivilgesellschaftliche Beteiligung: Das Netzwerk Energiewende Jetzt e. V. stärkt die Bürger:innen‑ und Akzeptanzperspektive und beteiligt relevante Akteursgruppen.
  • Synthese, Aufbereitung und Transfer der Projektergebnisse: Das House of Energy e. V. sorgt für die Ergebnisrückkopplung mit dem Begleitkreis und die Verbreitung und Nutzung der Mikrowärmenetze in Kommunen, Netzwerken und bei weiteren Stakeholdern.

Workshops und ein projektbegleitender Kreis binden Kommunen, Bürger:innen, Energieversorgungsunternehmen und weitere Stakeholder gezielt ein. Der Begleitkreis setzt sich aus folgenden assoziierten Partnern zusammen: Bürger Energie Kassel & Söhre eG, Landkreis Kassel, Landkreis Waldeck-Frankenberg, Viessmann Climate Solutions SE, Stadt Korbach, Deutsche Energie-Agentur GmbH, 100 prozent erneuerbar stiftung.

Quelle: Fraunhofer IEE | www.solarserver.de © Solarthemen Media GmbH

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