IRENA sieht Elektrifizierung als Schlüssel für den Ausstieg aus fossilen Energien

Ein gelbes Ortseingangsschild mit der schwarzen Aufschrift Energiewende im Linksbogen eines schwarzen Pfeils nach oben, im Hintergrund Strommasten, eine Windenergieanlage und rechts PV-Module sowie links Sonnenblumen.Foto-Collage: PhotographyByMK / stock.adobe.com
IRENA sieht Elektrifizierung, Netzausbau und Speicher als zentrale Voraussetzungen für eine Energiewende und den weltweiten Ausstieg aus fossilen Energieträgern.
Die Internationale Organisation für Erneuerbare Energien (IRENA) fordert eine schnellere Elektrifizierung von Verkehr, Industrie und Gebäuden, um das 1,5-Grad-Ziel erreichbar zu halten. Bis 2035 soll der Stromanteil am weltweiten Energieverbrauch auf 35 Prozent steigen. Nach Einschätzung der Organisation reichen der Ausbau erneuerbarer Energien und Effizienzsteigerungen allein nicht aus. Besonders Stromnetze und Speicher gelten als zentrale Engpässe.

IRENA fordert stärkere Elektrifizierung der Endverbrauchssektoren

IRENA sieht die Elektrifizierung als entscheidenden Hebel für die nächste Phase der Energiewende. Das geht aus dem Bericht „Transitioning away from fossil fuels: A roadmap based on renewables, electrification and grid enhancement“ hervor, den die Organisation gemeinsam mit der brasilianischen COP30-Präsidentschaft veröffentlicht hat.

Laut IRENA reichen die bisherigen Maßnahmen nicht aus, um das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens zu erreichen. Neben dem Ausbau erneuerbarer Energien müsse vor allem die Elektrifizierung in Verkehr, Industrie und Gebäuden deutlich beschleunigt werden. Auch der steigende Strombedarf durch Digitalisierung und Rechenzentren erhöhe den Handlungsdruck. Gleichzeitig müsse der Verbrauch fossiler Energieträger sowohl auf Angebots- als auch auf Nachfrageseite sinken.

Im überarbeiteten 1,5-Grad-Szenario der Organisation soll der Anteil von Strom am weltweiten Endenergieverbrauch von derzeit 23 Prozent auf 35 Prozent im Jahr 2035 steigen. Bis 2050 erwartet IRENA einen Anteil von mehr als 50 Prozent. Gleichzeitig soll der Anteil fossiler Energieträger von aktuell rund 80 Prozent auf 20 Prozent oder weniger sinken.

„Die Welt muss sich an die neuen Gegebenheiten im Bereich der Energieversorgung anpassen“, so IRENA-Generaldirektor Francesco La Camera.

Netze und Speicher gelten als Engpass

Nach Angaben von IRENA sind weltweit rund 2.500 Gigawatt an Wind- und Solarleistung noch nicht an die Stromnetze angeschlossen. Die Organisation sieht deshalb erhebliche Investitionen in Netzausbau, Speicher und Systemflexibilität als notwendig an.
IRENA beziffert den jährlichen Investitionsbedarf für Stromnetze auf durchschnittlich 1,2 Billionen US-Dollar. Das wäre mehr als doppelt so viel wie die laut Bericht im Jahr 2025 investierten 0,5 Billionen US-Dollar.

Zusätzlich seien Investitionen in Ladeinfrastruktur, Gebäudesanierung, elektrische Heiz- und Kühlsysteme sowie Wasserstoff- und Kraftstoffinfrastruktur erforderlich. Die Elektrifizierung betrifft damit zunehmend auch Endverbraucher, etwa beim Umstieg auf Elektrofahrzeuge und elektrische Heizsysteme. Die Organisation verweist zudem darauf, dass die Elektrifizierung ganzer Verbrauchssektoren nur mit beschleunigten Genehmigungsverfahren und einer stärkeren internationalen Zusammenarbeit gelingen könne.

IRENA verbindet Klimaschutz mit Energiesicherheit

La Camera betont im Bericht die Bedeutung der Elektrifizierung für Energieversorgung und Wirtschaft. „Die Elektrifizierung und der Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen sind untrennbar miteinander verbunden und müssen gemeinsam vorangetrieben werden“, sagte er.

Nach Darstellung der Organisation kann eine stärkere Nutzung erneuerbarer Energien auch die Abhängigkeit von fossilen Energieimporten reduzieren. IRENA sieht darin zudem Vorteile für die industrielle Wettbewerbsfähigkeit und langfristig stabile Strompreise sowie Chancen für neue industrielle Wertschöpfungsketten.

Der Bericht knüpft an die Beschlüsse der Weltklimakonferenz COP28 an. Dort hatten sich die Staaten unter anderem auf eine Verdreifachung der erneuerbaren Energien und eine Verdopplung der Energieeffizienz bis 2030 verständigt. Der nun vorgestellte TAFF-Fahrplan („Transition Away From Fossil Fuels“) soll diese Ziele ergänzen und den schrittweisen Ausstieg aus fossilen Energieträgern unterstützen. Zugleich spricht sich IRENA für ein weltweites Elektrifizierungsziel bis 2035 aus, das mit dem Ausbau von Netzen und Systemflexibilität verknüpft werden soll. Auch betont die Organisation die Bedeutung eines regelmäßigen Monitorings von Elektrifizierung, Netzausbau und dem Rückgang fossiler Energieträger.

Fazit / Ausblick

IRENA sieht die Elektrifizierung als zentrale Voraussetzung für den weltweiten Ausstieg aus fossilen Energieträgern. Für die Energiewirtschaft rücken damit Netzausbau, Speicher und flexible Stromsysteme stärker in den Fokus. Die Organisation fordert verbindliche Ausbauziele und höhere Investitionen, um die Klimaziele erreichbar zu halten.

Quelle: IRENA | www.solarserver.de © Solarthemen Media GmbH

Schließen