Wind- und Solarenergie überholen Gas erstmals in der globalen Stromerzeugung

Die Grafik zeigt die weltweite Stromerzeugung nach den Energiequellen (TWh) Wind und Solar sowie Gas im Zeitraum April 2019 bis April 2026.Grafik: Ember
Weltweite Stromerzeugung nach Energiequellen (TWh): Im April 2026 übertrafen Wind und Solar erstmals Gas – 531 TWh gegenüber 477 TWh.
Im April 2026 erzeugten Wind- und Solaranlagen weltweit erstmals mehr Strom als Gaskraftwerke. Das zeigen Daten des unabhängigen Energieanalyse-Instituts Ember. Für Projektierer und Investoren bestätigt der Meilenstein den strukturellen Wandel im globalen Strommix.

531 TWh Wind- und Solarstrom gegen 477 TWh aus Gas

Wind- und Solaranlagen erzeugten im April 2026 zusammen 531 TWh Strom – 54 TWh mehr als Gaskraftwerke mit 477 TWh. Ihr Anteil am weltweiten Strommix lag bei 22 Prozent, Gas kam auf 20 Prozent. Das ist laut Energie-Thinktank Ember das erste Mal in der Geschichte, dass Wind und Solar Gas auf Monatsbasis übertreffen.

Der Vergleich mit 2021 verdeutlicht die Dynamik: Im April 2021 lag die Gaserzeugung auf fast identischem Niveau (476 TWh). Wind und Solar kamen damals zusammen auf lediglich 245 TWh – weniger als die Hälfte des aktuellen Werts.

Saisonaler Effekt verstärkt strukturellen Trend

Der April gilt als besonders günstiger Monat für diesen Meilenstein: Frühlingsbedingungen auf der Nordhalbkugel – wo der Großteil der globalen Solarkapazität installiert ist – verbinden typischerweise hohe Windleistung mit steigender Solareinspeisung. Gleichzeitig liegt die Stromnachfrage zwischen Heiz- und Kühlsaison saisonal tief, was die Gasstromerzeugung relativ niedrig hält. Der strukturelle Wachstumstrend bei Erneuerbaren ist davon unabhängig: Nach Ember-Angaben deckten Wind und Solar im Gesamtjahr 2025 den gesamten globalen Zuwachs der Stromnachfrage ab.

Wachstum in allen wichtigen Märkten

Die Wind- und Solarstromerzeugung stieg im April 2026 nach Unternehmensangaben in allen erfassten Märkten. Ember schätzt das globale Wachstum auf 13 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Regionale Zuwächse: China +14 Prozent, EU +13 Prozent, Vereinigtes Königreich +35 Prozent, USA +8 Prozent, Australien +17 Prozent, Chile +24 Prozent, Brasilien +4 Prozent. Eine Verlagerung von Gas zu Kohle ist laut Ember in den Daten nicht erkennbar.

Energiekrise als politischer Beschleuniger

Der Meilenstein fällt in den ersten vollen Monat der jüngsten globalen Energiekrise, ausgelöst durch den Konflikt im Nahen Osten. Ember wertet das Ergebnis nicht als direkte Krisenreaktion, sondern als Ergebnis jahrelangen Ausbaus. Kostantsa Rangelova, Global Electricity Analyst bei Ember, kommentiert: „Die aktuelle Energiekrise hat die wirtschaftlichen Argumente für erneuerbare Energien gegenüber importiertem Gas weiter gestärkt und die politische Dringlichkeit erhöht, den Ausbau voranzutreiben.”

Internationale Ausbauziele nehmen Fahrt auf

Mehrere Staaten haben nach Ember-Angaben zuletzt ambitionierte Ausbauziele beschlossen. Indonesien plant 100 GW Solar- und Speicherkapazität. Südkorea will seine Erneuerbaren-Kapazität bis 2030 auf 100 GW verdreifachen. Auch auf den Philippinen, in Thailand und im Vereinigten Königreich laufen Beschleunigungsprogramme. Die Entwicklungen werden von der Global Renewables Alliance erfasst.

Fazit / Ausblick

Der April-Meilenstein gilt bislang nur für einen einzelnen Monat, nicht auf Jahresbasis – dafür ist der saisonale Vorteil des Aprils zu ausgeprägt. Entscheidend ist die Trajektorie: Wind und Solar wachsen schnell genug, um den globalen Nachfrageanstieg weitgehend allein zu bedienen. Für Projektierer und Investoren signalisiert das eine stabile Grundlage – unabhängig von kurzfristiger Gaspreisvolatilität. Ob der Jahreswert Gas ebenfalls übersteigt, dürfte spätestens Ende 2026 absehbar sein.

Der Weltweite Strombericht 2026 von Ember ist auf Englisch (Global Electricity Review 2026) und weiteren Sprachen unter diesem Link verfügbar.

Quelle: Ember Energy Research CIC | www.solarserver.de © Solarthemen Media GmbH

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