Elektromobilität im Energiesystem: VDE ETG gründet neuen Fachbereich
Foto: privatInnerhalb der Energietechnischen Gesellschaft (ETG) des Verbands der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE) gibt es nun den neuen Fachbereich A3 „Elektromobilität im Energiesystem“. In diesem wollen Automobilindustrie und Netzbetreiber zusammenarbeiten, um das bidirektionale Laden voranzubringen.
„Historisch haben Automobilindustrie und Energiewirtschaft unterschiedliche Denkmodelle, Zeitachsen und Zielgrößen. Es fehlt bislang ein gemeinsames Systemverständnis“, sagt Ralf Petri, der beim VDE als Geschäftsführer der ETG und des Geschäftsbereichs Mobility beide Themen verbindet. Im neuen Fachbereich A3 „Elektromobilität im Energiesystem“ innerhalb der ETG sollen sich nun Expertinnen und Experten aus beiden Bereichen austauschen. „Die ETG fungiert dabei als Brückenbauer zwischen Mobilität und Energietechnik“, sagt Petri. „Wir sehen es als unseren Auftrag, interdisziplinäre technische Fragestellungen frühzeitig zu strukturieren, fachlich zu fundieren und in Normung, Forschung und Praxis zu überführen.“
Systemintegration der Elektromobilität im Energiesystem stärken
In dem Gremium sind Vertreterinnen und Vertreter aus der Wissenschaft sowie mehrerer großer Unternehmen der beiden Branchen vertreten. „Elektromobilität ist kein reines Fahrzeugthema mehr“, sagt Moritz Vaillant, Teil der Fachbereichsleitung und bei Porsche für die Produktstrategie Smart Mobility zuständig. „Aus Sicht der Automobilindustrie entscheidet sich der Erfolg elektrischer Fahrzeuge zunehmend im Zusammenspiel mit Stromnetzen, Ladeinfrastruktur und Energieversorgung – hier braucht es ein gemeinsames Systemverständnis.“
Die Leitung des Fachbereichs übernimmt Vaillant dabei gemeinsam mit Ingo Diefenbach. Dieser verantwortet beim Verteilnetzbetreiber Westnetz die Standardisierung von Produkten und Leistungen im Bereich Nieder- und Mittelspannung. Auch er sieht bidirektionales Laden als ein zentrales Bindeglied zwischen Mobilität und Energiewende: „Aus Sicht der Energiewirtschaft bieten Elektrofahrzeuge ein bislang ungenutztes Flexibilitätspotenzial, um volatile erneuerbare Energien verstärkt im Energiesystem zu integrieren und gleichzeitig für die Stabilisierung der Stromnetze nutzen zu können“, sagt Diefenbach.
Auch wenn der Fachbereich Ende Mai 2026 erstmals zu einer Sitzung zusammengekommen ist, begleitet der VDE das Thema schon länger. So plädierte der Verband in der Kurzstudie „Energiegeladen in die Zukunft“ im Herbst 2025 schon für branchenübergreifend akzeptierte Lösungen und regulatorische Klarheit beim bidirektionalen Laden. Die erste Task Force zum Thema Elektroauto gab es innerhalb der VDE ETG schon 2008. Neben dem Thema bidirektionales Laden stehen in Zusammenarbeit mit der DKE und dem FNN unter dem Dach des VDE auch Normung, Schnittstellen und Steuerungskonzepte sowie die Harmonisierung von Netzanschlussregeln auf der Agenda. Diese Schwerpunkte werden auch in den Fachbereich einfließen, der sich zudem mit einer systemischen Betrachtung von Quartieren und Mehrfamilienhäusern im Hinblick auf Erzeugung, Speicher, Ladeinfrastruktur und Energieflüsse befassen soll.
Quelle: VDE | solarserver.de © Solarthemen Media GmbH