Solarthermie Leipzig West: Deutschlands größte Anlage geht in Betrieb

Sieben Personen stehen vor den aufgeständerten CPC-Vakuumröhrenkollektoren einer Solarthermieanlage und halten gemeinsam ein Kollektorelement als symbolisches Übergabeobjekt. Im Hintergrund sind die Kollektorreihen der Anlage sowie ein Industriegebäude zu sehen.Foto: Leipziger Stadtwerke
Die Verantwortlichen nahmen am am 17. Juni 2026 die Solarthermieanlage Leipzig West in Betrieb.
Die Stadtwerke Leipzig haben heute die größte Solarthermieanlage Deutschlands offiziell in Betrieb genommen. Die Anlage Leipzig West im Stadtteil Lausen-Grünau erreicht eine Peakleistung von rund 41 MW und soll jährlich rund 26 GWh Wärme ins Fernwärmenetz einspeisen. Im Sommer deckt sie täglich bis zu 20 Prozent des Leipziger Wärmebedarfs.

Baustart Januar 2024, Dauerbetrieb ab Sommer 2026

Baustart auf dem rund 14 Hektar großen Gelände war im Januar 2024. Nach ersten Einspeisungen ins Netz wird die Anlage im Sommer 2026 in den Dauerbetrieb gehen. Die Stadtwerke Leipzig investierten rund 40 Millionen Euro in das Projekt. Davon entfallen nach Unternehmensangaben rund 16 Millionen Euro auf Fördermittel.

CPC-Vakuumröhrenkollektoren mit algorithmischer Durchflusssteuerung

Die Anlage setzt auf CPC-Vakuumröhrenkollektoren auf einer Bruttokollektorfläche von rund 65.000 m². Das Kürzel CPC steht für Compound Parabolic Concentrator: Parabolspiegel reflektieren diffuses und indirektes Licht auf den Absorber und erhöhen so den Ertrag. Das Vakuum zwischen innerer und äußerer Glasröhre wirkt als thermische Dämmung. Ein Algorithmus regelt die Fließgeschwindigkeit des Wärmeträgers in Abhängigkeit von der gemessenen Sonneneinstrahlung: Bei geringerer Einstrahlung wird das Wasser langsamer gepumpt, um eine höhere Aufheizung zu erreichen. Die Kollektoren sind auf 94 Zentimeter Bodenfreiheit aufgeständert und mit 20 Grad Neigungswinkel ausgerichtet. Die maximale Einspeisetemperatur beträgt 108 Grad Celsius.

41 MW Peakleistung, 26 GWh Jahresertrag, 35 Prozent Nutzungsgrad

Die Peakleistung liegt nach Unternehmensangaben bei rund 41 MW, der prognostizierte Jahresertrag bei rund 26 GWh. Der Jahresnutzungsgrad wird mit rund 35 Prozent angegeben – abhängig von Wetter- und Klimaeinflüssen. Die jährliche CO₂-Einsparung berechnen die Stadtwerke auf rund 7.160 Tonnen, basierend auf einem Netto-Vermeidungsfaktor von 265,34 g/kWh gemäß der Emissionsbilanz des Umweltbundesamts (Climate Change 50/2022). Im Jahresdurchschnitt deckt die Anlage rund 2 Prozent des Gesamtwärmeverbrauchs von Leipzig. Im Sommer steigt der tagesaktuelle Anteil auf bis zu 20 Prozent.

Moritz Ritter, Beiratsvorsitzender von Ritter Solartechnik und Präsident für Solarthermie im Bundesverband Solarwirtschaft, ordnet die Dimension des Projekts ein: „Es ist die viertgrößte Solarthermie-Anlage weltweit, die in ein Wärmenetz einspeist – und die größte Deutschlands.”

Naturnahe Flächenbewirtschaftung ohne Versiegelung

Mit Ausnahme eines Technikgebäudes für die Wärmeübergabe entstehen auf dem Gelände keine versiegelten Flächen. Geplant sind Blühwiesen, Obstbäume, Mischhecken und Strukturelemente für Kleinsäuger, Insekten und Vögel. Zur Pflege der Vegetation unter den Kollektoren setzt der Betreiber eine Schafherde ein. Die erhöhte Aufständerung auf 94 Zentimeter ermöglicht dies ohne Einschränkungen für den Anlagenbetrieb. Die Bodenverankerung ist rückbaubar ausgelegt.

Ausbaupotenzial: 3.800 Wärmenetze, 60 Anlagen in Betrieb

Bundesweit sind nach Angaben des Bundesverbands Solarwirtschaft derzeit rund 60 solarthermische Freiflächenanlagen in Betrieb – bei rund 3.800 Wärmenetzen in Deutschland. Ritter Solartechnik hat zuvor bereits Großprojekte in Potsdam, Mühlhausen und Greifswald realisiert. Das Unternehmen sieht das Leipziger Konzept als übertragbares Modell für kommunale Wärmenetze bundesweit.

Quelle: Stadtwerke Leipzig / Ritter XL Solar / BSW Solar – Bundesverband Solarwirtschaft e.V. | www.solarserver.de © Solarthemen Media GmbH

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