Solarstromerzeugung legt in Europa im ersten Halbjahr 2026 auf netto 160 TWh zu
Grafik: Fraunhofer ISENicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa ist die Solarstromerzeugung auf dem Vormarsch. Das geht aus Erhebungen des Fraunhofer Instituts für solare Energiesysteme (ISE) hervor. Demnach stieg das Volumen des PV-Stroms bezogen auf die öffentliche Nettostromerzeugung der EU – dem Strommix, der tatsächlich aus der Steckdose kommt – im ersten Halbjahr 2026 auf 161 Terawattstunden (TWh). Das waren 20 TWh mehr als zum 30. Juni 2025.
Davon entfielen 43,2 TWh auf Deutschland, zehn Prozent mehr als 2025. Insgesamt lag der Anteil der erneuerbaren Energien an der Nettostromerzeugung bei 61,8 Prozent. Gegenüber dem 1. Halbjahr 2025 legte auch die Erzeugung aus Windkraftanlagen zu: bei den Offhore-Anlagen von 11,4 TWh auf den neuen Rekordwert von 14,6 TWh, Onshore von 48,7 TWh auf 52,8 TWh. Die Windkraft steigerte damit ihren Anteil an der öffentlichen Nettostromerzeugung von 28,8 auf 30 Prozent. Der Anteil erneuerbarer Energien an der Last (diese umfasst den Stromverbrauch und die Verluste bei der Stromübertragung) stieg von 55 auf 58,5 Prozent.
Speicherlücke steigt
Die starke Erzeugung von Wind und Photovoltaik hat laut Fraunhofer ISE zu immer mehr Stunden geführt, an denen der Day-Ahead Börsenstrompreis negativ ist. Im ersten Halbjahr 2026 sind sehr viele Stunden nahe null Euro pro Megawattstunde aufgetreten, da immer mehr Anlagen in der Direktvermarktung keine Förderung bei negativen Börsenstrompreisen erhalten. Daher regeln sie bei Börsenstrompreisen knapp unter oder bei null Euro ab. Die Erzeugungsspitzen und die Lastkurven zeigen damit den Bedarf an Speicherung sowie Flexibilitäten auf.
Zwar sei die Kapazität der Stromspeicher im ersten Halbjahr von 25,4 auf 29,6 Gigawattstunden (GWh) gestiegen. Es verbleibe aber noch eine deutliche »Speicherlücke«, um eine Verschiebung von Überschussstrom in die Stunden schwacher Erzeugung zu ermöglichen. Der Ausbau der Batterien für die untertägige Speicherung könnte negative Börsenstrompreise tagsüber und Preispeaks in den Abendstunden verringern. Die Hitzeperiode im Juni, die zu erhöhtem Strombedarf für Kühlung bei gleichzeitig gedrosselter Leistung von konventionellen Kraftwerken führte, hatte besonders starke Preisausschläge in den Abendstunden zur Folge.
Dank der starken Erzeugung aus erneuerbaren Quellen seinen die Stromimporte im ersten Halbjahr im Saldo auf 1,3 TWh (1. HJ 2025: 9,6 TWh) gesunken. Die Importe kamen aus Dänemark (8 TWh), den Niederlanden (5,3 TWh), Frankreich (5,1 TWh), Belgien (3,1 TWh) und Norwegen (2,9 TWh).
Erneuerbare dämpfen Strompreisanstieg
Beim Vergleich der Strom- und Gaspreise zeigten sich laut Fraunhofer ISE die Auswirkungen des Iran-Kriegs, der am 28. Februar begann. In der Folge stieg der Erdgaspreis von Februar auf März um 48 Prozent (von 35,61 Euro/MWh auf 52,71 Euro/MWh). Nach Kriegsbeginn stiegen damit die Grenzkosten der Stromerzeugung aus Erdgas, die sich aus den Kosten für Gas und für die CO2-Emissionszertifikate zusammensetzen, um 39 Prozent auf 132,87 Euro pro MWh. Ein zentraler Grund für den Gaspreisanstieg ist aber auch, dass Europa aus politischen Gründen (Ukraine-Krieg) auf russisches Gas verzichtet.
Hätten die Gaskraftwerke nach dem Merit-Order-Prinzip den Strompreis bestimmt, wären die Stromkosten deutlich gestiegen, so das Institut weiter. Der Börsenstrompreis sank dagegen nach Kriegsbeginn auf 95,58 Euro/MWh, da die erneuerbaren Energien ab März mit ihren günstigen Gestehungskosten die Preise drückten. Im April sank er nochmals um 27,7 Prozent, während der Erdgaspreis um 12,6 Prozent nachgab. »Hätten die erneuerbaren Energien nicht so stark zur Stromerzeugung beigetragen, wäre der Börsenstrompreis im April 76 Prozent höher gewesen«, sagt Energy-Charts-Projektleiter Leonhard Gandhi.
Anfang Juli 2026 lagen die Gaspreise bei rund 44 Euro/MWh .
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