Verivox: Dynamische Stromtarife teurer als Festpreistarife

Hände halten ein Tablett mit Smart-Home-Steuerung, dynamische Stromtarife sind laut Verivox nicht günstiger als Festpreistarife.Foto: Stanisic Vladimir / stock.adobe.com
Selbst wenn der Haushalt 15 Prozent des täglichen Stromverbrauchs aus der Abendspitze in die drei günstigsten Stunden des Tages verschiebt, reichen die Einsparungen nicht, um den dynamischen Stromtarif günstiger als den Festpreistarif zu machen.
Das Vergleichsportal Verivox hat verschiedene Szenarien für den Stromverbrauch eines Drei-Personen Haushaltes durchgerechnet. Das Ergebnis: Dynamische Stromtarife sind fast immer teurer als die günstigsten Festpreistarife.

Verbraucher:innen mit intelligenten Stromzählern können ihren Stromverbrauch in günstige Zeiten verlagern und so von dynamischen Stromtarifen profitieren. Eine aktuelle Analyse des Vergleichsportals Verivox zeigt jedoch: Im ersten Halbjahr 2026 bezogen Haushalte Strom mit wettbewerblichen Festpreistarifen günstiger als mit dynamischen Tarifen. Selbst wenn eine dreiköpfige Familie ihren Verbrauch teilweise in günstige Stunden verlagerte, zahlte sie im Durchschnitt bis zu 123 Euro mehr. Gegenüber der oftmals teuren Grundversorgung boten dynamische Tarife dagegen deutliche Einsparungen.

Dynamische Tarife schlagen örtliche Grundversorgungstarife

Ein Drei-Personen-Haushalt bezahlte mit einem dynamischen Tarif, bei dem sich der Strompreis fortlaufend an den Strombörsenpreisen ausrichtet, im ersten Halbjahr 2026 rund 645 Euro. Wer Waschmaschine, Spülmaschine und Trockner flexibel zu den günstigsten Zeiten des Tages nutzte, konnte diese Stromkosten um rund 41 Euro auf 604 Euro senken. Das liegt deutlich unter der Grundversorgung mit 787 Euro, aber über dem günstigsten Festpreisangebot von 481 Euro.

„Dynamische Stromtarife sind günstiger als die teuren Grundversorgungstarife von Haushalten, die sich noch nie um einen besseren Stromtarif gekümmert haben. Doch auch wer den Aufwand betreibt und einen Teil des Stromverbrauchs in Zeiten mit niedrigen Preisen verschiebt, bezahlt am Ende mehr als in einem günstigen Festpreisangebot“, sagt Thorsten Storck, Energieexperte bei Verivox.

Pendler mit E-Auto profitieren am stärksten

Für E-Auto-Besitzer sind dynamische Stromtarife am interessantesten. Ein Drei-Personen-Haushalt, der ein E-Auto zum Pendeln nutzt, kam in einem dynamischen Tarif im ersten Halbjahr 2026 auf Stromkosten von rund 821 Euro. Im Vergleich zur Grundversorgung (1.189 Euro) ergab sich eine Ersparnis von 368 Euro. Allerdings ist auch in diesem Szenario der Festpreistarif mit Neukundenbonus mit 726 Euro noch günstiger.

Die Kosten im dynamischen Stromtarif können noch niedriger sein, wenn Kund:innen gleichzeitig niedrigere zeitvariable Stromnetzgebühren für das E-Auto Rabatt für steuerbare Verbrauchseinrichtungen in Anspruch nehmen. Diese bieten aber viele Stromnetzbetreibern laut Verivox noch gar nicht an. „Besonders E-Auto-Fahrer profitieren mit einem dynamischen Stromtarif von den nächtlichen Niedrigpreisen an der Strombörse“, sagt Storck. „Doch erst die Kombination aus günstigen Börsenstrompreisen und zeitvariablen Netzentgelten macht dynamische Stromtarife zu Preisführern im Bereich E-Autos.“

Wettbewerbliche Festpreistarife unterbieten dynamische Stromtarife

Der Vergleich zeigt: Die größten Ersparnisse erzielten Verbraucher durch einen Wechsel zu einem günstigen Festpreistarif mit Neukundenbonus. Auch ohne Neukundenbonus blieben Festpreistarife in den meisten Fällen günstiger als dynamische Tarife. Die Kosten im günstigsten Festpreistarif ohne Bonus lagen für einen Drei-Personen-Haushalt bei 588 Euro und für Pendler mit E-Auto bei 889 Euro. Damit waren die Kosten im ersten Halbjahr 2026 immer noch niedriger als im verbrauchsoptimierten Haushalt mit dynamischem Stromtarif ohne E-Auto. Nur im Szenario mit E-Auto schnitt der dynamische Stromtarif besser ab als der günstigste Festpreistarif ohne Bonus.

Methodik der Analyse

Die Berechnung basiert auf dem BDEW-Standardlastprofil H25. Dieses definiert statistische Mittelwerte zur Zeit und Höhe des Stromverbrauchs eines typischen Haushalts. Verivox hat es auf einen Drei-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 4.000 kWh angewandt. Die Börsenpreise basieren auf den Day-Ahead-Auktionsergebnissen der EPEX SPOT, wo man Strom für den Folgetag viertelstundenweise handelt.

Untersuchte Szenarien

  • Basis-Szenario: Dynamischer Tarif ohne Verhaltensänderung entsprechend dem H25-Standardlastprofil und einem Verbrauch von 4.000 kWh pro Jahr.
  • Flex 15: 15 Prozent des täglichen Verbrauchs (Waschmaschine, Spülmaschine, Trockner) verschiebt man aus der Abendspitze (18 bis 22 Uhr) in die drei günstigsten Stunden des Tages (Gesamtverbrauch 4.000 kWh/Jahr).
  • Flex 15 + E-Auto: Zusätzlich zum flexibilisierten Haushalt (4.000 kWh/Jahr) wird ein E-Auto mit 2.000 kWh Jahresverbrauch simuliert, der Gesamtverbrauch liegt somit bei 6.000 kWh. Das Fahrzeug lädt nächtlich (22-06 Uhr) in den günstigsten Stunden. Für den dynamischen Stromtarif hat Verivox zusätzlich eine pauschale Stromnetzentgeltreduzierung in Höhe von 75 Euro netto für das erste Halbjahr 2026 eingerechnet (Rabatt für steuerbare Verbrauchseinrichtungen Modul 1).

Verglichene Tarifmodelle

Für den dynamischen Stromtarif hat Verivox Zusatzkosten von 0,731 Cent/kWh netto sowie eine Grundgebühr von 5,03 Euro pro Monat veranschlagt, was den im Juni 2026 günstigsten auffindbaren Tarifkonditionen entspricht. Der Vergleich erfolgt mit dem Bundesdurchschnitt der günstigsten Festpreistarife mit Preisgarantie und einer Vertragslaufzeit von 12 Monaten mit und ohne Bonus. Bei den Grundversorgungstarifen hat Verivox die monatlichen Durchschnittspreise der rund 800 Strom-Grundversorger in Deutschland berücksichtigt.

Quelle: Verivox | solarserver.de © Solarthemen Media GmbH

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