Kraftwerk Renewable zeigt unterschiedliche Rollen für Stromspeicher
Foto: Kraftwerk RPSWie das Unternehmen in einer Pressemitteilung erklärte, stärken Batteriespeicher je nach Standort Eigenverbrauch und Vermarktung, reduzieren Leistungsspitzen oder sichern kritische Prozesse ab.
„Ein Batteriespeicher ist somit kein Standardprodukt, das man einfach neben eine PV-Anlage stellt“, sagt Karsten Schulte, Managing Director von Kraftwerk Renewable Power Solutions (RPS). „Jeder Standort folgt einer eigenen Logik: Verbrauchsprofil, Netzanschluss und wirtschaftliches Ziel bestimmen, welche Aufgabe der Speicher übernimmt. Erst daraus ergeben sich Leistung, Kapazität und Betriebsweise.“
Das Unternehmen illustriert das mit vier Praxisbeispielen. In Kressbronn am Bodensee ergänze ein Speicher mit 250 Kilowatt (kW) Leistung und 522 Kilowattstunden (kWh) Kapazität eine bestehende Photovoltaikanlage mit 400 Kilowatt Spitzenleistung (kWp) am Standort der Firma Bodan Schwimmbadbau. Überschüssiger Solarstrom fließe in die Batterie, statt zu niedrigen Börsenpreisen und entsprechend niedriger Vergütung ins Netz eingespeist zu werden. Am Abend oder in der Nacht decke er den Bedarf vor Ort oder erziele am Markt bessere Preise. Zusätzlich komme der Speicher zum Einsatz, um teure Lastspitzen zu kappen. Nicht zuletzt halten die Betreiber einen Teil der Kapazität des Speichers vor, um bei Stromausfall Netzersatzbetrieb zu ermöglichen.
Produktion im Notfall absichern
Beim Linoleum-Hersteller Gerflor in Delmenhorst soll ein Speicher mit 500 kW Leistung und 1.000 kWh Kapazität ein fossiles Blockheizkraftwerk als Absicherung bei Stromausfällen ablösen – bei geringeren laufenden Kosten. Versagt das Netz, hält er kritische Produktionsbereiche so lange am Laufen, bis die Anlagen kontrolliert heruntergefahren sind und Maschinenschäden ausbleiben. Im Regelbetrieb erfülle der Speicher eine zweite Aufgabe. An produktionsärmeren Wochenenden nehme er überschüssigen Solarstrom auf und halte ihn für die kommende Woche bereit. „Die Herausforderung ist die Doppelfunktion: Backup und Speicherbetrieb folgen unterschiedlichen Anforderungen. Wer beides will, muss Planung und Installation darauf auslegen“, sagt Schulte.
Um Arbitrage geht es im Beispiel 3. In Maxweiler (Bayern) stehen auf den Dächern eines Reiterhofs eine Photovoltaikanlage mit 725 kWp und ein netzgekoppelter Batteriespeicher mit 1,4 MW Leistung und 5 MWh Kapazität bereit. Der Speicher könne Solarstrom und Strom aus dem öffentlichen Netz aufnehmen und die Energie zu Zeiten höherer Nachfrage wieder vermarkten. Der Handel erweitere die Nutzungsmöglichkeiten über die reine Solarstromvermarktung hinaus und könne zugleich den Netzanschlusspunkt des Reiterhofs entlasten.
Agri-PV mit Speicher
In Arendsee (Sachsen-Anhalt) werde eine Agri-PV-Projekt nicht als Solaranlage „plus Batterie“ geplant, sondern als integriertes Energiekonzept. Landwirtschaftliche Nutzung, nachgeführte Stromerzeugung und Speicherstrategie griffen ineinander. Dazu folge ein einachsiges Nachführsystem dem Lauf der Sonne mit dem Ziel, den Ertrag gegenüber einer starren Aufständerung um rund 25 Prozent zu erhöhen. Der Speicher verschiebe den Mehrertrag in Stunden mit höherer Nachfrage und besseren Preisen. Vorgesehen sind 7,2 MWp Photovoltaikleistung sowie ein Speicher mit 2,5 MW Leistung und 10 MWh Kapazität. Die Anlage sei im Bau, der Batteriespeicher soll im Herbst 2026 folgen.
Für alle Projekte gelte: die Wirtschaftlichkeit sei vorher zu klären. Für einen geplanten Solarpark der Stadtwerke Bramsche (Niedersachsen) bewertete das Unternehmen Erlöspotenziale und Auslegungsvarianten und ermittelte die Speichergröße, die zur vorgesehenen Parkgröße und zum Netzanschluss passt. „Photovoltaikanlage und Netzanschluss setzen einen technischen Rahmen. Daraus ergeben sich aber nicht automatisch die beste Leistung oder Kapazität des Speichers“, sagt Rasmus Priess, Datenanalyst bei Kraftwerk Economics. „Wir simulieren unterschiedliche Anlagenkonfigurationen und bewerten sie wirtschaftlich. Erst dann lässt sich belastbar entscheiden, welche Auslegung sinnvoll ist.“ Auf Basis der Analyse trieben die Stadtwerke das Projekt nun weiter voran. Die Bauausführung sei für 2027 geplant.
PV-Speicher statt Gas
„Der Solarpark wird die lokale Energieversorgung stärken und unser Erzeugungsportfolio gezielt erweitern“, sagt Daniel Nordmann, Technischer Leiter und Prokurist der Stadtwerke Bramsche. „Die Wirtschaftlichkeitsanalyse bestätigt unsere Einschätzung, dass sich Photovoltaik und Grünstromspeicher unter Marktbedingungen wirtschaftlich betreiben lassen. Solche Projekte sind für uns ein wichtiger Baustein, um die Stadtwerke langfristig erfolgreich und unabhängig von den rückläufigen Ergebnissen des Gasgeschäfts aufzustellen.“
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