Direktvermarktung von PV-Strom: Stadtwerke sehen Handlungsbedarf
Grafik: Kanisorn / stock.adobe.comDie geplante Abschaffung der Einspeisevergütung für neue Photovoltaik-Anlagen unter 25 kW ab 2027 verändert die Rahmenbedingungen für Stadtwerke grundlegend. Künftig wird die Direktvermarktung von PV-Strom aus kleinen Solaranlagen zunehmend relevant. Damit sind nicht nur Energievertriebe gefordert. Ebenso müssen Messstellenbetreiber, Verteilnetzbetreiber und Direktvermarkter ihre Prozesse und Geschäftsmodelle an die neuen Marktgegebenheiten anpassen.
Die Arbeitsgemeinschaft für sparsame Energie- und Wasserverwendung (ASEW) hat in einer Umfrage ermittelt, welchen Handlungsbedarf die Branche sieht. Das Ergebnis zeigt: Die Branche befindet sich noch in einer frühen Orientierungsphase. Rund 49 Prozent bewerten derzeit noch, ob sie in das Geschäftsfeld Direktvermarktung von PV-Strom einsteigen. Lediglich etwa 17 Prozent gaben an, einen Einstieg konkret zu planen. Weitere rund 13 Prozent planen derzeit keinen Einstieg, während etwa 21 Prozent die Frage noch nicht bewerten konnten.
Auch die Antworten derjenigen Stadtwerke, die einen Einstieg grundsätzlich in Betracht ziehen, verdeutlichen den hohen Orientierungsbedarf. Rund 42 Prozent der Befragten sind noch unentschlossen. Gleichzeitig zeigt sich ein klarer Trend zu Kooperationen: Etwa 16 Prozent suchen aktiv den Schulterschluss mit anderen Stadtwerken, um gemeinsam Angebote aufzubauen. Weitere rund 15 Prozent setzen auf die Zusammenarbeit mit spezialisierten Solarstrom-Direktvermarktern. Nur eine kleine Minderheit plant den vollständigen Eigenaufbau einer Photovoltaik-Direktvermarktungslösung oder bietet entsprechende Leistungen bereits selbst an.
„Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass die Branche den Handlungsbedarf erkannt hat“, sagt Sascha Manikowski, Teamleiter Energiedienstleistungen bei der ASEW. „Viele Stadtwerke prüfen aktuell ihre strategischen Optionen, suchen aber gleichzeitig nach praktikablen und wirtschaftlich tragfähigen Lösungen. Besonders im Fokus stehen dabei Kooperationen mit anderen Stadtwerken und etablierten Direktvermarktern.“
Wirtschaftlichkeit größte Herausforderung bei Direktvermarktung von PV-Strom
Die größte Herausforderung sehen die Befragten in der Wirtschaftlichkeit. In einer offenen Abfrage wurde das Thema „Kosten“ mit Abstand am häufigsten genannt. Darüber hinaus haben Stadtwerkevertreter:innen die technische Integrationsaufwände, Abrechnungsprozesse, laufende Betriebskosten, regulatorische Anforderungen sowie die Abstimmungsprozesse mit Verteilnetzbetreibern als wesentliche Hürden genannt. Mehrfach haben sie zudem der Wunsch nach PV-Direktvermartungsmodellen geäußert, die sowohl für Endkunden als auch für Stadtwerke wirtschaftliche Vorteile schaffen.
Um Stadtwerken Orientierung und konkrete Anknüpfungspunkte zu bieten, baut die ASEW derzeit eine Plattform für Kooperationen und strategische Partnerschaften auf. Ziel ist es, Stadtwerke bei der Suche nach geeigneten Partnern für neue Geschäftsfelder und energiewirtschaftliche Herausforderungen zusammenzubringen. Informationen und Beteiligungsmöglichkeiten finden interessierte Unternehmen auf der ASEW-Webseite unter „Stadtwerke-Kooperationen und strategische Partnerschaften“.
„Viele Stadtwerke, das zeigen die Antworten auf die Umfrage sehr gut, wollen die Herausforderungen der Direktvermarktung nicht im Alleingang lösen“, sagt Christoph Landeck, Abteilungsleiter EDL & Innovationen bei der ASEW. „Genau hier setzen wir an. Wir sind überzeugt, dass Kooperationen ein entscheidender Erfolgsfaktor für die kommunale Energiewirtschaft sind. Unser Ziel ist es, Stadtwerke mit Stadtwerken zusammenzubringen, Erfahrungen zu teilen und gemeinsam skalierbare Lösungen zu entwickeln. Die Energiewende vor Ort gelingt am besten, wenn kommunale Unternehmen ihre Stärken bündeln und voneinander lernen.“
Die kommenden Jahre werden hierbei entscheidend sein. „Soll die Direktvermarktung von PV-Strom kleiner Photovoltaik-Anlagen zu einem tragfähigen Massenmarkt werden, müssen bis spätestens 2030 skalierbare Prozesse etabliert werden. Dafür braucht es das koordinierte Zusammenspiel von Energievertrieb, Messstellenbetrieb, Verteilnetzbetreibern und Vermarktungspartnern. Gelingt dies nicht, droht langfristig eine Abschwächung des PV-Ausbaus im Heimsegment“, so Manikowski.
Quelle: ASEW | solarserver.de © Solarthemen Media GmbH