Europäischer Solarthermie-Markt in 2025 um 6,5 Prozent zurückgegangen
Grafik: Solarserver, Quelle: Solar Heat Europe Der europäische Solarthermie-Verband Solar Heat Europe hat die Marktzahlen für das Jahr 2025 veröffentlicht. Im Jahr 2025 sind in Europa 1,18 Millionen m² neue Solarkollektoren hinzugekommen. Das entspricht einer neu installierten Solarthermie-Leistung von 830 MW. Im Vergleich zum Jahr 2024 schrumpfte der Solarthermie-Markt in Europa um 6,5 %. Die kumulierte installierte Leistung des Solarwärme-Sektors liegt europaweit bei 43,6 GW und bleibt damit im Vergleich zum Vorjahr stabil.
Die Marktentwicklung fiel je nach Land und Solarthermie-Segment sehr unterschiedlich aus. Zypern (+6 %), Frankreich (+4 %) und die Niederlande verzeichneten im Jahr 2025 ein Wachstum. Besonders groß war das Wachstum mit 149 % in den Niederlanden durch die Inbetriebnahme eines Solar-Fernwärmeprojekts in Groningen.
Deutschland, historisch gesehen der größte Markt in Europa, hatte weiterhin mit den Nachwirkungen seines Heizungsgesetzes zu kämpfen, das sich negativ auf den Gebäudemarkt auswirkte, und verzeichnete einen Rückgang um 30 %. Den Einbruch im Gebäudesegment konnten elf neue solare Fernwärmeanlagen nur teilweise ausgleichen. Starke Rückgänge gab es auch in Spanien (-32 %) und UK (-44 %). Österreich verzeichnete ein Minus um 37 Prozent und ist nicht mehr unter den größten zehn Solarthermie-Märkten Europas vertreten. Pro Kopf ist die installierte Leistung in Österreich aber immer noch unter den Top drei, denn in der Vergangenheit war die Solarthermie sehr stark in der Alpenrepublik. Griechenland, historisch gesehen ebenfalls einer der stärksten Märkte Europas, blieb im Wesentlichen unverändert, da Verzögerungen bei einem nationalen Förderprogramm die Installationen bis Mitte des Jahres zum Erliegen brachten.
Wachstum bei industrieller Prozesswärme und Solarthermie in der Fernwärme
Diese Entwicklungen verdeutlichen laut Solar Heat Europe die Folgen einer Politik des „Stopp-und-Start“ auf den Wohnimmobilienmärkten, wo Unsicherheit den Solarthermie-Ausbau rasch verlangsamen kann. Die Solarthermie verzeichnete jedoch ein anhaltendes Wachstum bei Dienstleistungsgebäuden, industrieller Prozesswärme und Fernwärme: Europaweit wurden 50 neue SHIP-Projekte (Solar Heat for Industrial Processes) in Betrieb genommen, dazu kamen große Fernwärmeprojekte in Städten wie Groningen (Niederlande), Bracht, Stralsund, Tübingen-Au und zuletzt Leipzig (Deutschland). Diese Projekte zeigen, dass der Solarwärme-Ausbau in diesem Segment rasch voranschreiten kann, wenn Nachfrage, Genehmigungs- und Finanzierungsbedingungen aufeinander abgestimmt sind.
Der Bericht verweist zudem auf das weitgehend ungenutzte Potenzial der Solarthermie: Wärme macht etwa die Hälfte des gesamten Energiebedarfs der EU aus, doch nur 27 % davon stammen aus erneuerbaren Quellen. Angesichts von Millionen ungenutzten Dächern und 16.000 Fernwärmenetzen auf dem gesamten Kontinent, die eine Versorgung mit sauberer Energie benötigen, argumentiert die Branche, dass in allen Marktsegmenten erhebliches Wachstumspotenzial besteht. Insbesondere da man Solarthermie problemlos mit Wärmepumpen kombiniert kann, um das Stromnetz zu entlasten und so die allgemeinen Elektrifizierungsbemühungen zu unterstützen.
Potenziale der Solarthermie nutzen
EU-Hersteller, die weiterhin rund 90 % des europäischen Bedarfs von Solarthermie-Anlagen decken, fordern von der EU eine schnellere Umsetzung des „Fit for 55“-Pakets und einen starken Aktionsplan für Kühlung und Heizung, um stabile Marktsignale zu setzen und Investitionen freizusetzen. „Unsere Hersteller können ihre Produktionskapazitäten problemlos verdreifachen und so zur Energiesicherheit und Kostensicherheit für Bürger und Industrie beitragen. Europa muss keine neue Importabhängigkeit schaffen, um die Wärmeversorgung zu dekarbonisieren, da bereits eine starke Produktionsbasis vorhanden ist“, sagt Guglielmo Cioni, Präsident von Solar Heat Europe. „Die richtigen Marktsignale in den Mitgliedstaaten sind entscheidend, um dieses Potenzial freizusetzen.“
Valérie Séjourné, Geschäftsführerin von Solar Heat Europe, ergänzt: „Der EU-Aktionsplan für Kühlung und Heizung sowie der bevorstehende Rechtsrahmen bieten den Entscheidungsträgern der EU wichtige Chancen, der Solarthermie eine besondere Sichtbarkeit zu verschaffen und Wege für ihren Einsatz zu ebnen. Wärme macht die Hälfte unseres Energiebedarfs aus, ist jedoch nach wie vor der am meisten vernachlässigte Teil der Energiewende. Die Klima- und Energiesicherheitsziele Europas lassen sich nur erreichen, wenn alle sauberen Energiequellen gefördert werden.“
Quelle: Solar Heat Europe | solarserver.de © Solarthemen Media GmbH