Studie: Geothermie im Olympiastadion könnte Wärmebedarf decken

Blick ins Berliner Olympiastadion während eines Fußballspiels: Auf dem Spielfeld stehen Spieler, auf den Tribünen sitzen Zuschauer. Im Vordergrund verläuft die blaue Laufbahn.Foto: Inga Sigrun Moeck / LIAG-Institut für Angewandte Geophysik
Für das Berliner Olympiastadion haben Forschende ein mögliches Feld mit mehr als 500 Erdwärmesonden modelliert. Es könnte rechnerisch den Wärmebedarf des Stadions decken.
Forschende haben für den Berliner Olympiapark mögliche Erdwärmesondenfelder modelliert. Die Berechnungen betreffen das bestehende Stadion und einen möglichen Neubau; für die langfristige Versorgung des gesamten Parks sind weitere Untersuchungen nötig.

Geothermie im Olympiastadion könnte nach Modellberechnungen den Wärmebedarf des bestehenden Berliner Stadions rechnerisch vollständig decken. Das haben Forschende des LIAG-Instituts für Angewandte Geophysik und der Universität Göttingen mit Partnern wie der Hochschule Biberach berechnet. Sie veröffentlichten ihre Ergebnisse im September 2026 im Fachmagazin Geothermische Energie (Heft 115). Dafür untersuchte das Team ein Feld zwischen Olympiastadion und Maifeld mit mehr als 500 Erdwärmesonden von jeweils circa 110 Metern Länge. Die Berechnung beschreibt zunächst das Potenzial, keine bereits geplante Anlage.

Der Olympiapark benötigt nach Angaben der Forschenden derzeit rund 23 Gigawattstunden Wärme und sieben Gigawattstunden Strom pro Jahr. Auf das Olympiastadion entfallen davon jährlich etwa fünf Gigawattstunden für Wärme und Strom zusammen. Der Energieverbrauch des gesamten Parks verursacht dem Fachbeitrag zufolge gegenwärtig rund 6.740 Tonnen Treibhausgasemissionen pro Jahr.

Geothermie im Olympiastadion und am Reiterstadion

Auch für einen möglichen Stadionneubau im Bereich des alten Reiterstadions modellierten die Forschenden ein Feld mit mehr als 500 Erdwärmesonden. Wegen der geologischen Bedingungen dort könnten die Sonden etwa 10 bis 20 Meter länger sein als am bestehenden Olympiastadion.

Ein solches Feld ließe sich bei einem Neubau auch als saisonaler Wärmespeicher konzipieren. „Überschüssige Wärme, etwa aus der Gebäudekühlung, könnte im Sommer im Untergrund gespeichert und später wieder genutzt werden”, sagt Inga Sigrun Moeck, Forschungsabteilungsleiterin am LIAG-Institut und Professorin für Angewandte Geothermik und Geohydraulik an der Universität Göttingen. Das Forschungsteam empfiehlt, die Geothermie in ein Wärme- und Kältekonzept für die Weiterentwicklung des Olympiaparks einzubinden.

Horizontalfilterbrunnen und Erdwärmekollektoren als weitere Optionen

Neben Erdwärmesonden untersuchten die Forschenden Horizontalfilterbrunnen zur energetischen Nutzung. Unter geeigneten Bedingungen könnten diese den Forschenden zufolge Wärmeleistungen im Megawattbereich ermöglichen. Ob sie langfristig den Wärmebedarf des gesamten Olympiaparks decken könnten, bleibt laut Pressemitteilung offen.

Eine weitere Beispielrechnung aus dem Fachbeitrag zeigt das Potenzial einer dritten Technologie: Ein Sportplatz mit rund 7.140 Quadratmetern Fläche könnte mit Erdwärmekollektoren je nach Auslegung 50 bis 80 Einfamilienhäuser oder mehrere öffentliche Gebäude wie Schulen oder Sporthallen mit Wärme versorgen. Mit Erdwärmesonden oder Horizontalfilterbrunnen ließen sich laut den Forschenden noch größere Wärmemengen erschließen – genug für mehrere hundert bis tausend Haushalte.

Die Modellierungen nutzen Daten und Verfahren aus dem Forschungsprojekt WärmeGut und dem Geothermischen Informationssystem GeotIS. Für den Olympiapark entwickelte das Forschungsteam zudem einen GIS-basierten Ansatz, der mögliche Sondenflächen unter Berücksichtigung von Gebäuden, Verkehrsflächen und weiteren Einschränkungen analysiert.

Sportflächen als Standorte für oberflächennahe Geothermie

Die Untersuchung zeigt, wie sich das geothermische Potenzial großer Sportflächen früh in die Wärmeplanung einbeziehen lässt. In Deutschland gibt es nach Angaben der Forschenden rund 230.000 Sportanlagen, von denen ein großer Teil energetisch saniert werden muss. Solche Flächen bieten Raum für Sondenfelder; nach deren Installation kann die Oberfläche laut den Forschenden weiter genutzt werden. Bei einer Erneuerung des Spielfelds fallen zudem ohnehin umfangreiche Erdarbeiten an, sodass sich geothermische Anlagen laut den Forschenden mit vergleichsweise geringem Zusatzaufwand integrieren lassen. Welche Technik an einem konkreten Standort infrage kommt, hängt jedoch von den geologischen Bedingungen und der weiteren Planung ab.

Karte des Berliner Olympiaparks mit zwei rot umrandeten Simulationsgebieten. Schwarze Punkte markieren mögliche Standorte für Erdwärmesonden: ein großes Feld rund um das Olympiastadion und ein kleineres südwestlich davon. Gebäude, Wege und weitere Flächen sind ebenfalls eingezeichnet.
Theoretische Auslage von zwei verschiedenen Erdwärmesonden-Großfeldern mittels GIS-basierter Freiflächenanalyse: oben im Bereich Olympiastadion bis Maifeld für einen Bestandsbau und links unten für Stadionneubau im alten Reiterstadion. In dem analytischen Modell wurde ein Sondenabstand auf 15 m für des Olympiastadion und 6 m für das Reiterstadion gelegt. – Grafik: LIAG-Institut für Angewandte Geophysik, Erstveröffentlichung in der Fachzeitschrift „Geothermische Energie“, Heft 115, Bundesverband Geothermie.

Hier finden Sie weitere Informationen zum Forschungsprojekt WärmeGut und zum digitalen Geothermieatlas GeotIS.

Quelle: LIAG-Institut für Angewandte Geophysik | www.solarserver.de © Solarthemen Media GmbH

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